Fußball „Mir ist es noch nie so gut gegangen“

Lörrach - Ottmar Hitzfeld lächelt, der Händedruck ist fest: Er ist wie immer freundlich, bestellt sich bei unserem Treffen eine Flasche stilles Wasser und einen Cappuccino. Auch wenn es nicht das einzige Interview ist, das der Meistertrainer aus Lörrach in diesen Tagen gibt, wirkt Hitzfeld entspannt und keineswegs gestresst oder gar genervt. Der Grund für die vielen Anfragen: Am heutigen Samstag wird Hitzfeld 70 Jahre alt.

„Ich habe mich schon damit befasst, da geht es mir wie allen anderen Menschen auch, die sich dann fragen, wo denn die ganze Zeit geblieben ist?“, lächelt er.

Hitzfeld hat in seiner erfolgreichen Karriere jede Menge erlebt, ist viel rumgekommen. „Ich orientiere mich immer an meinen Stationen. Wir sind beispielsweise 13 Mal umgezogen“, so Hitzfeld, der auf dem Leuselhardt nun jedoch seit vielen Jahren zuhause ist. 2007 bezog er sein Haus in der Lerchenstadt. „Das war immer mein Ziel, in meine Heimat zurückzukehren.“

Schönes Leben als Ruheständler

Hitzfeld genießt das Leben als Ruheständler in vollen Zügen. „Mir ist es noch nie so gut gegangen wie jetzt. Das ist ein echtes Privileg“, macht er klar. Beatrix und Ottmar Hitzfeld pendeln zwischen Lörrach, dem Feriendomizil in Engelberg und München hin und her. In der bayrischen Landeshauptstadt wohnt sein Sohn Matthias und dessen Familie.

Im Sommer schnappt er dann des Öfteren seine Schläger und locht auf dem Golfplatz ein, aber auch ein gutes Buch nimmt der siebenfache Deutsche Meister und zweifache Champions League-Sieger immer wieder gerne in die Hand. Dazu der Blick in sämtliche Magazine, Zeitschriften und Zeitungen, um das aktuelle Fußballgeschehen aufzuschnappen.

„Ich genieße es, selbst zu entscheiden, selbst zu bestimmen, nichts ist mehr vorgegeben, Termine werden nicht mehr diktiert. Ich kann den Tag gestalten, so wie ich mir das vorstelle. Das ist durchaus auch eine Herausforderung, schließlich geht es ja auch um eine gewisse Befriedigung, die man empfinden sollte.“

"Für mich ging es zurück zu den Wurzeln"

Ein weiteres Qualitätsmerkmal als Privatier: „Ich kann nun viel besser und ruhiger schlafen“, sagt Hitzfeld. Das war im stressigen Geschäft als Fußballlehrer nur sehr selten möglich. Und jetzt kann sich das Stettener Urgestein auch wieder vermehrt auf seine Freundschaften konzentrieren. „Ich habe mich erst kürzlich mit Heinz Schönebeck und Rolf Sutter vom FV Lörrach zum Kaffee trinken getroffen oder mit Werner Schepperle und Oskar Dehn vom TuS Stetten. Da frischen wir dann immer alte Erinnerungen auf. Als Trainer war ich doch sehr weit weg, für mich ging es zurück zu den Wurzeln.“

Verbringen wird der Jubilar den heutigen Tag im Kreise seiner Familie in Engelberg. Den 60. hatte er mit seiner Ehefrau Beatrix noch auf den Malediven verbracht, zum 50. Geburtstag organisierte er gar eine Feier im Burghof. „Schade ist aber, dass man bei solchen Anlässen mit seinen Gästen immer nur sehr kurz ins Gespräch kommt. Da hat man dann immer ein schlechtes Gewissen.“

Im Kreise seiner Liebsten fühlt sich Ottmar Hitzfeld eh am wohlsten. Bald wird er schon Opa dreier Enkelkinder sein. „Mit Henri und Carlotta telefonieren wir fast täglich über Facetime, der kleine Oscar kommt im Januar auf die Welt. Wir fahren so gerne nach München, und sind dann glücklich und auch ermüdet, wenn wir wieder nach Hause reisen“, lacht er.

13 Mal umgezogen

„Eine Großfamilie, das freut mich wirklich sehr, so habe ich mir das immer gewünscht“, lässt Hitzfeld wissen, der seiner Gattin sehr dankbar ist, dass sie sich in all den Jahren immer wieder auf die neue Umgebung eingelassen hat. „13 Mal musste sie mit umziehen, 13 Mal den Freundeskreis wechseln, 13 Mal musste sie sich neu einbringen. Sie ist nie davongelaufen.“

Ottmar Hitzfeld, der überaus erfolgreiche Fußballlehrer, dem sie heute noch in Dortmund, aber auch in München und in der Schweiz ein Kränzlein winden, braucht den Erfolg, den Druck und den ganzen Trubel nicht mehr. Er ist mit sich und seinen Entscheidungen im Reinen. „Sie waren alle richtig. Ich habe ja zuvor auch viel überlegt. Zweifel dürfen dann keine mehr aufkommen, das würde auch keinen Sinn machen. Vielmehr gilt es, sich auf die neue Situation einzustellen und das Leben positiv zu gestalten und jeden Tag als eine neue Chance zu ergreifen.“

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