Fußball Nun steht Deutschlandauf dem Zettel

Mirko Bähr
Zauberfuß Florian Wirtz, der hier den Schotten Che Adamas schlecht aussehen lässt, sprüht vor Spielfreude. Foto: Grant Hubbs

Der Start in der Heim-EM ist der deutschen Elf bestens geglückt. Nun geht es weiter. Die Ungarn warten heute, 18 Uhr, auf Wirtz & Co.

Die Europameisterschaft in Deutschland ist schon ein paar Tage alt. Überzeugt haben die DFB-Kicker im Eröffnungsspiel. Gelingt gegen die Ungarn gleich der zweite Erfolg? Wird es wieder ein beschwingter Auftritt oder doch eher ein harziger Aufgalopp? Wir haben uns bei Trainern und Verantwortlichen aus der hiesigen Sportszene, die nicht im Fußball zuhause sind, umgehört.

Sascha Oswald, Ringer-Trainer des TuS Adelhausen: „Ehrlicherweise ist bei mir das Fieber noch nicht so recht ausgebrochen. Ich hatte bisher auch viel um die Ohren, gerade, was das Ringen anbelangt. Am Wochenende stand die Deutsche Meisterschaft der Männer auf dem Programm. Und so habe ich vom Eröffnungsspiel nicht ganz so viel mitbekommen. Auch ganz allgemein, so zumindest nehme ich es wahr, ist die EM-Euphorie noch nicht so riesig. Vielleicht auch, weil die Deutschen zuletzt nicht überzeugen konnten.

Das 5:1 gegen die Schotten war überzeugend, überraschend überzeugend. Damit konnte man im Vorfeld nun wirklich nicht rechnen, gerade nach dem Griechenland-Spiel. Wenn die Deutschen so weitermachen, dann wird die Euphorie vielleicht doch noch ausbrechen. Gegen die Ungarn springt ein Erfolg heraus, dafür drücke ich den Deutschen auch die Daumen, dass am Ende Deutschland den Titel holt. Es wäre für das ganze Land wichtig, es würde das Zusammengehörigkeitsgefühl wieder stärken. Das Allerwichtigste aber ist, dass wir das Gruppenspiel gegen die Schweiz nicht verlieren. Diese Blöße dürfen wir uns nicht geben. Und auf die vielen Kommentare, die es dann geben wird, könnte ich gut verzichten.“

Felix Furtwängler, Rollhockeyaner beim RSV Weil: „Ich bin tatsächlich heiß, finde solche Turniere klasse. Wenn nun auch das Wetter mitspielen würde, wäre das noch besser, dann könnte man draußen schauen. Eine angenehme Sache. Wie ein Heimturnier fühlt es sich indes noch nicht so recht an. Die Stimmung ist noch nicht übergeschwappt, vielleicht kommt es erst, wenn man an größere Public Viewing-Orte geht. Ich freue mich aber trotzdem auf die Spiele und vor allem auf die Deutschen. Ich mag, wie sie spielen. Nagelsmann hat ein gutes Team zusammengestellt, er ist ein geiler Trainer, dazu Wagner und Völler. Auch die Verkündung des Kaders war frisch, modern, cool. Eben nicht dieses alte, eingeschlafene deutsch-seriöse Gedöns.

Ja, die Tests waren mau, aber jetzt sind die Jungs auf den Punkt da. Nagelsmann meinte, dass er die Jungs von der Leine lassen möchte. Und ja, genau das will ich sehen. Gegen Schottland haben die DFB-Kicker schon einmal gezeigt, dass sie Bock darauf haben. Es war ein Super-Spiel, Schottland hatte keine Chance. Da war nichts. Es war eine geile Leistung der Deutschen, die alle sechs Tore erzielt haben.

Diesen Schwung gilt es im Hinblick auf das Ungarn-Spiel beizubehalten. Eine Prognose ist schwierig. Auf der einen Seite sind die Deutschen, die mit breiter Brust antreten, die Ungarn dagegen müssen unbedingt gewinnen, sonst ist das Turnier für sie eigentlich schon gelaufen. Ich glaube jedoch, dass die Deutschen durch die Gruppe durchmarschieren. Ich schätze die Schweiz stärker ein als die Ungarn. Gegen die wird es ein zäheres Match wahrscheinlich, aber es führt kein Weg an einem 3:0 vorbei.

Ich traue Deutschland insgesamt sehr viel zu. Es muss sich gegen niemanden verstecken. Ich denke, dass da jetzt der Respekt groß ist. Die anderen Teams haben uns auf dem Schirm. Die Chancen auf den EM-Titel sind gegeben, da ist etwas drin.

André Leuchtmann, Handballcoach bei der SG Maulburg/Steinen: „Ich muss gestehen, ich habe seit langem wieder einmal so richtig Bock auf ein Großturnier. Auch, weil die Hoffnung da ist, dass Deutschland gut abschneiden kann. Und die EM ist zudem im eigenen Land, das löst schon etwas aus, vor allem nach den Titelkämpfen in Katar, als die Euphorie doch extrem abflachte. Ich werde mir so viele Spiele anschauen, wie es nur geht.

Das Auftaktspiel habe ich zusammen mit der Mannschaft bei mir zuhause angeschaut. Eigentlich sind wir immer zumindest eine kleine Gruppe, die zusammenkommt, wenn ein deutsches Spiel auf dem Plan steht. Den ersten Auftritt der Deutschen fand ich sehr gut. Ich war schon etwas überrascht, denn so eine Leistungssteigerung konnte man nicht erwarten.

Jetzt warten die Ungarn auf unser Team. Die liegen uns nicht so sehr, das sah nicht so gut aus zuletzt. Das ist eine eklige Mannschaft, die auch den Schweizern ein paar Probleme bereitete, ehe die am Ende noch das 3:1 gemacht haben. Und dennoch meine ich, dass wir die Euphorie mitnehmen können und am Ende ein gutes Ergebnis herausspringt. Nochmals so viele Tore werden wir nicht schießen, das kann ich mir nicht vorstellen. Aber ein 1:0 oder 2:0 muss doch drin sein.

Meine Favoriten auf den EM-Sieg sind eigentlich die alten Bekannten. Frankreich gehört als Topfavorit natürlich dazu. Bei England muss man abwarten, was die so reißen können. Und wenn wir eine gute Vorrunde spielen und das Achtel- und Viertelfinale überstehen, dann sehe ich auch uns nicht chancenlos. Das Halbfinale ist auf alle Fälle drin. Der Heimvorteil kann uns weit tragen. Und eine gute Mannschaft haben wir ja auch. Nicht vergessen darf man aber auch die Spanier.“

Heiko Weber, Volleyballcoach beim VC Weil: „Die EM? Nein, die hat mich noch nicht wirklich gepackt. Am Freitag habe ich vielleicht 30 Minuten vom Eröffnungsspiel gesehen, da wir mitten in der Vorbereitung unseres Beachvolleyballturniers steckten. Das war auf meiner Prioritätenliste einfach weiter vorn. Aber das, was ich sehen konnte, hat doch ganz gut ausgeschaut – energisch, taktisch gut, motiviert.

Über Ungarn weiß ich eigentlich gar nichts. Ich habe keine Ahnung, wie stark diese Mannschaft ist. Sie haben aber gegen die Schweiz verloren. Ich glaube, dass es wichtig ist, dass Deutschland da weitermacht, wo es aufgehört hat. Anschauen werde ich das Spiel nicht, da wir zeitgleich Training haben. Am Ende des Turniers sollte das Team den Pokal in die Höhe strecken, das am fairsten agiert und spielerisch am meisten aufgetrumpft hat. Ich erhoffe mir von der Fußball-EM, dass die Euphorie auch auf andere Sportarten, gerade auf Randsporten überschwappt und nicht nur wieder der Fußball davon profitiert. Das wäre schön.“

Alen Kovac, Tischtennistrainer beim ESV Weil: „Ich schaue mir schon das eine oder andere Spiel an. Wobei das gar nicht so einfach ist aufgrund des Trainings. Gerade abends wird das schwierig. Das 5:1 der Deutschen im ersten Spiel gegen Schottland habe ich so nicht erwartet. Vor allem die Höhe des Ergebnisses überrascht mich sehr. Ich hatte eher mit einem 2:0 oder 3:0 gerechnet.

Mein Herz schlägt auch für Kroatien. Aber Modric ist leider einfach zu alt. Er schafft es nicht mehr, 90 Minuten durchzuhalten. Und er ist auch nicht mehr in bester Verfassung. Das Team hat nicht mehr die Klasse wie das der früheren Jahre. Vielleicht können wir als Dritter die Gruppenphase irgendwie überstehen. Die Deutschen dagegen gehören für mich zum Favoritenkreis. Sie gewinnen gegen Ungarn nicht so hoch wie gegen Schottland, aber ein 2:0 ist doch drin. Neben Deutschland zähle ich auch Frankreich, Spanien und vielleicht auch noch Italien zu den Titelkandidaten.“

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