Fußball „Verein ist mir ans Herz gewachsen“

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Dennis Weiß freut sich auf seine neue Aufgabe. Foto: Michael Hundt

Dennis Weiß hat beim TuS Efringen-Kirchen eine kleine Ära geprägt. Nach fünfeinhalb Jahren bei den Rebländern zieht es den 30-jährigen Erzieher nun zum FV Lörrach-Brombach, wo er ab der Rückrunde die U19 in der Oberliga coachen wird.

Efringen-Kirchen. Das Ende an der Seitenlinie beim TuS hat sich Weiß sicherlich ganz anders vorgestellt. Wieder einmal kam Corona dazwischen. Insgesamt verlief die Hinrunde eher ernüchternd, doch der Pokalsieg 2018 überwiegt. Im Gespräch mit unserem Mitarbeiter Fabian Schreiner hat Weiß über die lange Zeit beim TuS, seinen Schritt in den Nachwuchsbereich und sein größtes Highlight gesprochen.

Frage: Das Spiel gegen den SV Buch war jetzt das letzte für Sie als Trainer beim TuS Efringen-Kirchen. Haben Sie das schon begreifen können?

So richtig nicht, wenn ich ehrlich bin. Daher haben wir auch noch einmal trainiert, und sofern das möglich ist, werden wir noch einen kleinen Abschluss machen. Aber in ein Spiel zu gehen und nicht zu wissen, es ist das letzte, ist trotzdem ein komisches Gefühl.

Frage: Können Sie den Entschluss des Südbadischen Fußballverbands aber verstehen, vorzeitig in die Winterpause zu gehen?

Absolut. So wie am vergangenen Wochenende macht es leider keinen Sinn. Im Gegenteil, das schürt nur großen Unmut bei den Vereinen und daher ist es das einzig Richtige.

Frage: Sie waren jetzt ganz schön lange beim TuS. Wie würden Sie diese Zeit beschreiben?

Insgesamt waren es 5,5 Jahre. Aus Trainersicht war das eine extrem bereichernde Zeit. Ich konnte mit vielen ehemaligen, höherklassigen und charakterlich ausnahmslos einwandfreien Spielern zusammenarbeiten und einiges mitnehmen. Persönlich durfte ich viele Kollegen und Freunde trainieren, ohne das die Beziehung darunter gelitten hat. Auch der ganze Verein ist mir in dieser Zeit ans Herz gewachsen, weil er genau das verkörpert, was mir wichtig war: Fußball auf gutem Niveau in einem Verein, der nicht vergisst, wo er herkommt.

Frage: Wollten Sie jetzt trotzdem diese Veränderung?

Mir war immer wichtig, dass die Beziehung zum Verein, aber auch zu den Jungs positiv bleibt und daher wollte ich, bevor ein negativ behaftetes Ende passiert, vorher klare Verhältnisse schaffen. Und nach dieser langen Zeit war es auch für die Mannschaft nun wichtig, frischen Wind zu bekommen. Dass sich dann so schnell etwas Neues ergibt, kann man nur selten planen. Aber ich freue mich riesig auf die neue Stelle beim FVLB, für mich das Aushängeschild im Nachwuchsbereich bei uns in der Region. Für mich ist das auch ein Vertrauensbeweis und Ansporn, so eine Mannschaft übernehmen zu dürfen.

Frage: Wieso jetzt der Schritt in den Nachwuchsbereich?

Alleine berufsbedingt hat es mich schon immer interessiert, mit dieser Altersspanne zu arbeiten. Denn dort liegt der Schwerpunkt auf den Trainingseinheiten unter der Woche, wo es darum geht, Spieler zu entwickeln - sowohl fußballerisch als auch persönlich - und die Mannschaft voranzubringen. Das Ergebnis am Wochenende sollte dann nur ein Spiegelbild dieser Entwicklung sein. Im Aktivbereich hingegen zählt oftmals nur das Resultat. Das sorgt auch für einen gewissen Druck, gewinnen zu müssen. Dass ich diese Erfahrung auf so einem hohen Niveau machen darf, ist umso interessanter.

Frage: Sind Sie schon im Austausch mit den Verantwortlichen beim FVLB und wie schätzen Sie die aktuelle Tabellenkonstellation ein? (Lörrach-Brombach liegt abgeschlagen auf dem letzten Tabellenplatz; Anm; d. Red.).

Ja, ich hatte bereits ein Treffen mit Thorsten Meier (Trainer der U19; Anm; d. Red.) und Floyd Kleinhans, wo ich mir die ersten Infos einholen konnte. Am Donnerstag habe ich mich zudem bei der Mannschaft vorgestellt, und dann wird weiter im Detail gearbeitet, was Vorbereitung und deren Inhalte angeht. Tabellarisch wird es natürlich schwierig, noch den Sprung nach oben zu schaffen, um nicht abzusteigen. Aber wie schon gesagt, geht es primär darum, die Jungs auf den Aktivbereich vorzubereiten und die Arbeit unter der Woche zu gestalten. Gelingt dies gut, können auch am Wochenende Punkte herausspringen, was dann wiederum Auswirkungen auf die Tabellensituation hat.

Frage: Ist das Ihr erster Job als Jugendtrainer?

Während meiner Spielerzeit beim FC Huttingen habe ich bereits zwei Jahre die F-Jugend trainiert. Das ist aber bereits acht Jahre her und sicherlich nicht mit der kommenden Aufgabe zu vergleichen.

Frage: Kommen wir noch einmal auf die Hinrunde des TuS zu sprechen. Ihre Mannschaft geht als Zwölfter in die Winterpause. Das ist nicht der Anspruch der Rebländer.

Das ist so. Tabellarisch haben wir uns unter Wert geschlagen. Die Jungs haben sich aber in den vergangenen Wochen gesteigert. Gerade in den letzten beiden Heimspielen hat man gesehen, was im Team steckt. Natürlich ist es schade, dass wir diese Leistung in der Tat nicht über die gesamte Hinrunde abrufen konnten.

Frage: An welches Ereignis denken Sie während Ihrer Zeit in Efringen-Kirchen besonders gerne zurück?

Ein absolutes Highlight war sicherlich der Pokalsieg 2018 im Finale gegen den SV Jestetten. Alleine den Spielverlauf kann man sich nicht ausdenken. Den aufzuführen würde den Rahmen sprengen (Efringen-Kirchen hat sich nach Elfmeterschießen durchgesetzt; Anm. d. Red.). Aber auch das Halbfinale am 1. Mai 2018 zuhause gegen den FC Wittlingen war vor über 600 Zuschauern ein tolles Erlebnis. In diesen Spielen war einfach alles dabei. Das wird man so schnell nicht vergessen.

Frage: Wie sieht‘s mit Ihrer aktiven Karriere aus? Sie sind ja erst 30 Jahre alt.

Ich habe mir mit 22 das zweite Mal das Kreuzband im linken Knie gerissen. Insgesamt waren es dann vier Operationen. Dadurch habe ich auch zur damaligen Zeit etwas das Vertrauen in das Knie verloren, weshalb mir das nicht mehr wert war. Ich spüre jedoch fast nichts mehr, was nicht selbstverständlich ist. Ich möchte nichts riskieren. Ein Comeback ist also ausgeschlossen. Ich muss auch sagen, dass es mich auch nicht wirklich reizt, nochmals auf dem Platz zu stehen, ich habe auch nie irgendwelche Hobbyturniere oder so etwas in der Art gespielt.

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