Gänsmatt Schopfheim Lidl und Rewe dürfen sich vergrößern

Anja Bertsch
Nach einigem Hin und Her, vielen Diskussionen und einem Gerichtsentscheid hat der Gemeinderat einen neuen Bebauungsplan für die Gänsmatt abgesegnet. Auf dieser Grundlage dürfen Lidl und Rewe ihre Märkte erweitern . Foto: Anja Bertsch

Ein Neubau für Lidl, eine Erweiterung für Rewe und das Aus für Thomas Phillips Sonderposten: Einstimmig und ohne weitere billigte der Gemeinderat am Montag die Neuordnung auf der Gänsmatt. Ein zackiges Ende mit langer Vorgeschichte.

Im Jahr 2019 war Lidl mit dem Plan an die Öffentlichkeit getreten, im bestehenden Markt in Gündenhausen die Verkaufsfläche von 800 auf knapp 15000 Quadratmeter beinahe zu verdoppeln. Rewe wiederum wollte bereits 2018 in Nachbarschaft zum bestehenden Lebensmittelmarktes – in den leerstehenden Räumen des ehemaligen Textilmarkts „Vögele“ – einen Getränkemarkt eröffnen.

Gerichtsurteil pro Lidl

Stadt Schopfheim, das Lörracher Landratsamt als Baurechtsbehörde und auch das im Zuge eines Widerspruchsverfahrens involvierte Regierungspräsidium in Freiburg indes versagten die Zustimmung. Dabei beriefen sie sich auf den Bebauungsplan, der die von den Märkten geplanten Änderungen nicht zulasse. Lidl allerdings wollte das nicht auf sich beruhen lassen, zog vor Gericht – und bekam 2021 vom Verwaltungsgericht Freiburg in gewisser Weise recht: Teile der Bebauungspläne seien nicht rechtskonform – der Absage an die Neu- und Umbaupläne fehle damit die Grundlage, so das Urteil.

Das Unternehmen hätte seine Pläne damit ohne Weiteres direkt umsetzen können – signalisierte aber, dass es eine einvernehmliche Lösung mit der Stadt Schopfheim anstrebe.

Ergebnis: In intensiven Abstimmungen mit den beteiligten Unternehmen und Behörden, auf Grundlage von Lärm- und Einzelhandelsgutachten, und unter juristischer Begleitung wurde der neue Bebauungsplanes „SO Gänsmatt“ ausgearbeitet vor, der am Montag einstimmig verabschiedet wurde. Die Kosten für das Verfahren übernahmen die beiden beteiligten Unternehmen.

Städtebauliche Perspektive

Für die Stadt hat das Areal eine städtebauliche Bedeutung weit über das vergleichsweise überschaubare Areal „Gänsmatt“ hinaus: Das Quartier rings um die Gänsmatt gilt als „eine der wichtigsten Entwicklungsflächen der Stadt“, dessen mögliche städtebauliche Zukunft im „Entwicklungskonzept West“ von der Stadt gemeinsam mit Bürgern und Eigentümern skizziert wurde. Entsprechende Aspekte – etwa die flächensparende Innenentwicklung und verträgliche Nachverdichtung oder die Sicherung von Wohnnutzung –flossen in den Bebauungsplan ein.

Der Bebauungsplan umfasst neben Lidl und Rewe auch Deichmann, Takko, Thomas Philipps und die Tankstelle. Untergliedert wird das Gebiet in drei Sondergebiete, in denen je unterschiedliche Verkaufsflächenzahlen und Sortimente zulässig sind.

Abriss und Neubau für Lidl

Mit dem neuen Bebauungsplan ist nun also der Weg frei für die Lidl’schen Vergrößerungspläne: Der vorhandene Markt soll ebenso wie der Restpostenmarkt Thomas Philipps direkt daneben abgerissen werden. An ihrer Stelle soll ein neuer Lidl-Markt mit einer Grundfläche von 2566 Quadratmetern und einer Höhe vom 6,64 Metern Höhe entstehen; 1700 davon sind als Verkaufsfläche eingeplant, weitere gut 700 für die Nebenräume vom Pfandlager bis zu den Toiletten.

Getränke statt Textilien

Auch Rewe kann seine Pläne nun umsetzen: Der hergebrachte Bebauungsplan „Auf der Käppelematt-Nord – 2. Änderung“ erlaubte in dem anvisierten Gebäude lediglich Einzelhandel mit Bekleidung, Schuhen und Möbeln. Im neuem Bebauungsplan ist nun ein Getränkemarkt zulässig.

Die Verkaufsfläche des Getränkemarkts ist auf 585 ausgelegt; dazu kommen jeweils knapp 150 Quadratmeter für Lagerraum und Leergutannahme.

Aus für Thomas Phillips

Während zwei sich vergrößern verschwindet ein Dritter: Für den Discounter Thomas Philipps ist in den Lidl-Plänen auf dem betreffenden Areal kein Platz mehr, wie der Technische Beigeordnete Thomas Schmitz in der Gremiensitzung auf Nachfrage von Jeannot Weißenberger bestätigte.

Baufenster groß genug

Das Baufenster wäre demnach durchaus groß genug für beide gewesen, und ein Erhalt des Sonderpostenmarktes wäre „ im Sinne der Stadt“ gewesen, aber: „Die Firmenstrategie von Lidl ist offensichtlich eine andere“ – und auf das Binnenverhältnis von Eigentümer (Lidl) und Pächter (Thomas Phillips) „haben wir keine Einfluss“.

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