Geschäftsaufgabe in Maulburg Raritäten und Erinnerungen

Manuel Hunn
Michael Günther in seinem Maulburger Antiquitätengeschäft „Mikuschs Antik“ Foto: Manuel Hunn

Das Maulburger Antiquitätengeschäft „Mikuschs Antik“ wird an diesem Wochenende das letzte Mal geöffnet sein. Zum Abschied von seinem Laden blickt Inhaber Michael Günther zurück und verrät, wie er die kommende Zeit verbringen möchte.

Gleich zu Beginn des Gesprächs mit unserer Zeitung in seinem Antiquitätengeschäft an der Emil-Kuttler-Straße erinnert Michael Günther daran, dass sein „Mikuschs Antik“ bereits im Jahr 2018 „auf der Kippe“ stand.

Dann aber haben ihm seine Eltern viele Dinge hinterlassen, mit denen er handeln wollte. Das meiste davon habe er mittlerweile unter die Menschen gebracht. Und nun werde er in Kürze 76 Jahre alt, „irgendwann muss mal Schluss sein“, sagt Günther. Daher stehe sein Entschluss, jetzt endgültig die Pforten seines Ladens zu schließen, den er im Jahr 2011 eröffnete.

Günther verkaufte seine Antiquitäten jedoch nicht nur in seinem Geschäft – beispielsweise war er jeden dritten Sonntag im französischen Saint Louis auf dem Antikmarkt, um dort mit seinen Raritäten zu handeln.

Ein Schild vor dem Antiquitätengeschäft weist auf die letzten Tage der Öffnung hin. Foto: Manuel Hunn

Auto vollgeladen

Begeistert erzählt der Händler auch davon, wie er im Sommer sein Auto vollgeladen hat und sich auf den Weg nach Südfrankreich machte, wo er im Haus von Freunden unterkam. Von dort aus fuhr Günther dann weiter in Richtung Saint-Tropez und besuchte die Märkte auf dem Weg, um allerlei Dinge zu verkaufen. Besonders sein reichhaltiges Angebot an weihnachtlichen Schätzen sei gut angekommen – „Ich habe Weihnachten mitten im Sommer verkauft“, schildert der Antiquitätenhändler mit einem Lächeln. Eine schöne Erfahrung sei es für ihn gewesen, seine Zelte immer woanders aufschlagen zu können.

Selbstredend verkaufte Günther nicht nur auf den Märkten; wann immer ihm etwas gefiel, kaufte er auch bei anderen Händlern. Vieles, das in seinem Laden zu finden war, stammte daher von Flohmärkten. Noch immer ist sein Geschäft gefüllt mit kleineren und größeren Dingen, die es zu entdecken gibt. So stehen neben Weihnachtsmännern Osterhasen, denen man den Kopf abnehmen und Geschenke darin verstecken kann, oder spezielle mundgeblasene Weihnachtsvögel. Günther bot neben winzigen Artikeln beispielsweise aber auch Gartenmöbel an.

Viele Oster- und Weihnachtsartikel gab es bei „Mikuschs Antik“. Foto: Manuel Hunn

Je nach Saison hatte er einen anderen Schwerpunkt, betont der Händler. Er habe sich spezialisiert und Aktionen zu Ostern oder Weihnachten gestartet – eigens dafür erstellte Günther sogar Plakate. Besonders stolz zeigt der 75-Jährige sein Angebotsthema „Russische Weihnachten“, das er vor etwa 15 Jahren erworben hat. „Man erkennt gleich, wo die Weihnachtskugeln herkommen“, sagt er und erläutert, dass die russische Aufhängungsvariante „viel grober“ als beispielsweise die der Variante aus dem Erzgebirge sei, von denen auch viele Exemplare in seinem Laden zu finden sind.

Sein Geschäft entstand, da er von seinen Eltern inspiriert wurde, erklärt Günther. Durch die vielen Dinge seiner Eltern entdeckte er sein Hobby für Antiquitäten – und entschloss sich schließlich dafür, sein Hobby zum Beruf zu machen. 2011 hing Günther seinen bisherigen Beruf als Augenoptiker an den Nagel und eröffnete „Mikuschs Antik“. Der Name Mikusch gehe dabei auf seine aus Schlesien stammende Mutter zurück, die ihn liebevoll so nannte.

Aus der ganzen Region

Der Händler berichtet rückblickend, dass er zufrieden mit seinem Geschäft war. Da er sein Hobby immer weiter ausgebaut habe, sei er seit Jahren bekannt in der ganzen Region. Gerne kämen Kunden, beziehungsweise Händlerkollegen, aus der Schweiz oder Frankreich, manchmal sogar mit einem Laster – auch da er seine Schätze im Vergleich günstig anbiete. Günther weist allerdings darauf hin, dass er sein Geschäft stets als Hobby betrachtete und nicht von den Einnahmen leben musste. Denn „die davon leben, die haben es hart“, betont er. Die finanziellen Probleme von vielen Antiquitätenhändlern würden gerade in der heutigen Zeit immer größer, da das Geschäft nicht mehr wie in früheren Tagen laufe. Auch „Mikuschs Antik“ war zuletzt nur noch nach Terminvereinbarung geöffnet, nachdem es Kunden in der Anfangszeit drei Tage in der Woche besuchen konnten.

Persönlich werde er sich nach seiner Geschäftsaufgabe nicht langweilen, ist sich Günther sicher. Er habe einen Minijob angenommen bei dem er an drei Wochentagen unterwegs ist: Für ein Dentallabor fährt Günther zu Zahnärzten in der Region.

Nebenbei erzählt Günther, dass er schon immer gerne unterwegs war. So habe er sich bei seinem Wehrdienst freiwillig für eine Beschäftigung in den USA an der mexikanischen Grenze gemeldet. Dort habe er dann zwei Jahre gelebt, wo er auch heiratete und wo das erste seiner vier Kinder geboren wurde.

Auch sei nicht ausgeschlossen, dass er nach dem Ende seines Geschäfts hin und wieder „zwei oder drei Kisten mit ein paar Sachen“ einpacke und in Südfrankreich unterwegs ist, um dort einige Dinge zu verkaufen, die nach seinen letzten Verkaufstagen in Maulburg noch übrig sind.

„Mikuschs Antik“ wird letztmalig geöffnet sein am Freitag, 15. März, 12 bis 17 Uhr; am Samstag, 16. März, 10 bis 17 Uhr; am Sonntag, 17. März, 11 bis 15 Uhr.

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