Grenzach-Wyhlen Abwechslungsreiches Hörvergnügen

Temperamentvoll, lautstark, emotional – die „Concert Brass Solists“ beherrschen alle Spielarten: André Schüpbach (v. l.), Henry Kalinsky, Helene Burglund, Dirk Amrein und Adrian Schneider.       Foto: Rolf Reißmann Foto: Die Oberbadische

Grenzach-Wyhlen - Vom Barock bis in die Gegenwart führten die „International Concert Brass Solists“ mit ihrem Konzert am Samstagabend in der katholischen Kirche St. Georg in Wyhlen. Mit dem „Einzug der Königin von Saba“ aus dem Oratorium „Salomon“ von Georg Friedrich Händel im Jahr 1748 beendet, setzten die fünf Musikerinnen und Musiker einen raumfüllenden Einstieg ins Programm. Das Konzert in D-Moll hatte Johann Sebastian Bach ursprünglich für Cembalo beziehungsweise Orgel komponiert, gestaltete aber später noch Varianten für andere Besetzungen.

Nun zeigte das kleine Ensemble, dass diese große Komposition in reiner Blechbläserbesetzung sehr wirkungsvoll und vielfältig gestaltet werden kann. Die zwei Trompeten, Posaune, Waldhorn und Tuba setzten sehr unterschiedliche Akzente. Mehrfach wechselnde Dominanzen schufen interessante, zum Teil auch recht ungewöhnliche Klangbilder. Auffallend waren hierbei die stets gelungenen Wechsel zwischen den Instrumenten.

Das dritte Stück des Abends führte die Zuhörer ins frühe 20. Jahrhundert. Der Russe Viktor Ewald war eigentlich Ingenieur, komponierte aber nebenher anspruchsvolle Werke. Sein Blechbläser-Quintett Nr. 2 wurde zu seinen Lebzeiten nie gespielt, erlangte aber danach dennoch großen Erfolg. Die ungewohnte, aber gefällige Melodie fand auch bei den Zuhörern viel Gefallen. Das wohl relativ selten zu hörende Werk erwies sich als sehr hörenswert.

Mit „A Londonderry Air“ wählte das Ensemble dann ein weithin bekanntes irisches Stück aus. Bereichert durch etliche Varianten, ließen die Blechbläser auch daraus ein großes Hörvergnügen werden. Zum Abschluss des Programms gestalteten die Bläser noch die „Suite Amerikana“ des im Vorjahr in Baden-Württemberg verstorbenen uruguayischen Komponisten Enrique Crespo. In den fünf Sätzen griff er folkloristische Elemente aus Süd- und Nordamerika auf und gestaltete daraus ein musikalisches Charakteristikum dieses Kontinents. Sowohl der variantenreiche Ragtime als auch die argentinische Samba versetzten die Zuhörer in diese Welt. Jubilierend, mitunter fast stöhnend – kurz gesagt, stark emotional – interpretierten die Musiker die Bossa Nova, beim Peruanischen Walzer brachten sie ebenfalls besonders viel Gefühl ein. Hierbei fiel das Horn mit großer Vielfalt auf.

Insgesamt boten die fünf Bläser ein sehr abwechslungsreiches und gekonnt dargebotenes Programm, das viele musikalische Interessen bediente. Sie betreiben ihre Kunst sowohl als Mitglieder namhafter Basler Orchester als auch in freiberuflicher Tätigkeit. Die beiden Trompeter André Schüpbach und Adrian Schneider sind Schweizer, Hornist Henryk Kalinski stammt aus Polen und die Tubistin Helene Berglund aus Schweden. Aus dem badischen Rheinfelden kommt Posaunist und Frontmann Dirk Amrein.

Die fünf Musiker erwiesen sich durchweg als sehr gut aufeinander eingespielt, was vor allem an den immer wieder völlig reibungslosen Übergängen und Ansätzen mit unterschiedlichen Dominanzen auffiel –­ ein Hörvergnügen. Einziger Negativpunkt: Dirk Amrein gab interessante Erläuterungen zu den Stücken, doch sie blieben weithin unverständlich, weil er so schnell sprach, dass der enorme Nachhall der Kirche stets die nachfolgenden Worte übertönte.

Mit einer Zugabe aus „West Side Story“ gestalteten die Künstler einen eingängigen und feierlichen Abschluss des Konzerts.

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