Grenzach-Wyhlen „Aida“ ist kein Kreuzfahrtschiff

Das Basler Palast Ensemble unterhielt mit einem humorvollen Mix aus Opernmelodien. Foto: Willi Vogl

Grenzach-Wyhlen - „Auf große Gefühle in kleiner Besetzung“ durfte sich das Publikum beim Gastspiel des Basler Palast Ensembles im ausverkauften katholischen Gemeindehaus in Wyhlen freuen.

Auf Einladung der VHS beleuchteten Michaela Hüttich (Geige), Wolfgang Lehner (Cello), Aline Koenig (Klavier) und Regina Leitner (Moderation, Schauspiel, Gesang) die festlich zugeknöpfte Atmosphäre der Konzert- und Opernwelt neu. Basis dieser heiter satirische Gala „Musik, Musik, Musik – Oper frisch gestrichen“ waren Arrangements des kürzlich verstorbenen Werner Thomas Mifune.

Opernkenntnisse hilfreich

Die charmante und mimisch vielseitige Regina Leitner führte als sprach- und dialektbegabte Conférencieuse durchs bunte Programm. Zudem schlüpfte sie auch in vielerlei Rollen von der selbstverliebten Sopranistin über den despotischen Dirigenten bis hin zum berlinernden Lohengrin, der sich nach einer unerquicklichen Ehe von seiner Elsa trennt und sich lieber nach Tristans Isolde umschaut.

Bei der Frage, wer sich heutzutage noch mit Oper beschäftige, stellte Leitner augenzwinkernd fest, dass „Aida“ für die meisten wohl ein Kreuzfahrtschiff sei, Mozart als kleine dicke Kugel aus Salzburg bekannt sei oder man Wagner vermutlich in der Gefrierabteilung eines Supermarktes suchen würde.

Wer sich in der Opernwelt auskennt, war an diesem Abend im Vorteil. Das Ensemble setzte auf spaßige Verfremdung der originalen Musikwerke und ihrer Textvorlagen. So wurde etwa Mozarts Zauberflöte mit knapp angespielten Themen und einer schlagwortartigen Inhaltsangabe in zwei Minuten „auf das Wesentliche“ gekürzt. Im noch nicht wieder nüchternen Zustand nach einem nächtlichen Zechgelage sollte Musik von Strauss geprobt werden. Da hier jedoch Noten sowohl von Johann als auch Richard Strauss auf den Notenpulten lagen, entstand damit ein Potpourri aus operndramatischer Melodik und Wiener Walzerseligkeit.

Bunte Klangcollage

Neue Musik führe zu Schlaflosigkeit, Aggression, Frustration und sogar Impotenz. Als „Beweis“ hierfür präsentierte das Ensemble ein Libretto auf der Basis von Bildzeitungstiteln in Verbindung mit einer Collage von Themen wie Tschaikowskis Klavierkonzert in b-Moll, dem Hühnerthema aus Saint-Saëns Karneval der Tiere, Bizets Ouvertüre aus Carmen, einem Galopp von Johann Strauß, der Melodie aus Dr. Schiwago oder dem Ententhema aus Prokofjews „Peter und der Wolf“. Opernheld Peter Wolf zündete sein Haus an und erhängte sich. „Am Ende konnte man die Ente des Tages bildschön im Mülleimer erblicken, aus dem sie einen Blick riskierte.“

Jeder bekommt Fett weg

Stimmlich vielseitig präsentierte Leitner den Welthit „O sole mio“ in vielfältigen Varianten mit dem österreichischen Charme eines Peter Alexander, emotional schmalzig im Stile Luciano Pavarottis oder hüftschwingend knödelnd wie Elvis Presley. Weiter flog Wagners Holländer durch das Gemeindehaus, Gershwins Porgy und Bess zeigten sich als instrumentaler Dialog, und italienische Opernmelodien dienten als Vorlage für komödiantische Urlaubsspäße.

Alle bekamen humorvoll ihr Fett ab: Sänger, Musiker, Dirigenten, Komponisten und sogar Kritiker. Von denen wurde einer auf die Frage, was ihm beim Konzert denn nicht gefallen habe, zitiert: „Die Musik. “

Ein bisschen viel des Guten

Daran anknüpfend ließe sich für das Bühnengeschehen differenzieren: Die Musik im Original wäre wohl ganz gut gewesen. Werner Thomas Mifunes Bearbeitungen hingegen entwickelten kein dramaturgisches Eigenleben und setzten stattdessen lediglich auf den vermeintlich humoristischen Wiedererkennungswert seiner schräg zusammenmontierten Originalzitate. Als Klangtapete für einen bunten Mix zwischen kalauernden Bratscherwitzen und skurrilen Komponistenanekdoten mag das passen. Die musikalischen und szenischen Qualitäten des Ensembles aber animierten das Publikum zu starkem Beifall.

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