Grenzach-Wyhlen Alle sind so langsam am Limit

Rolf Rombach
„Das Gebot der Stunde lautet: Impfen, impfen, impfen!“, sagt Mediziner Andreas Fluck.Symbolfoto: dpa/Sebastian Gollnow Quelle: Unbekannt

Täglich erreichen die Corona-Infektionszahlen neue Höchststände. Nachimpfen („Boostern“) gilt als Gebot der Stunde. Das Drumherum ist allerdings nicht einfach – weder für die Patienten noch für Ärzte, die die Hauptlast schultern sollen. Die Stimmung ist nicht gut, wie unsere Zeitung in Grenzach-Wyhlen und Rheinfelden erfahren hat.

Von Rolf Rombach

Grenzach-Wyhlen/Rheinfelden. Spontane Impfaktionen im Landkreis waren zuletzt sehr gut besucht. Allerdings mussten Impfwillige zum Teil mehrere Stunden lang anstehen. Die Bundesregierung verweist dabei auf die Hausärzte, welche aber schon häufig an ihren Belastungsgrenzen sind.

Hausärzte in Grenzach-Wyhlen bemühen sich nach Kräften

„Die Patienten sind zunehmend aggressiv. Noch ertragen es meine medizinischen Fachangestellten tapfer“, beklagt beispielsweise der Wyhlener Hausarzt Andreas Fluck. Plötzlich gestrichene Impfstofflieferungen verschärften das Problem. Dem können seine Kollegen Anja Spahr und Andreas Mölkner nur zustimmen: Die Hausärzte sollen impfen, testen und müssen bei positiven Ergebnissen auch noch annähernd eine Rechtsberatung der Patienten machen, da das Gesundheitsamt nicht mehr hinterherkommt.

Immer wieder Diskussionen

Der plötzliche Wechsel der Impfstoffe sei ebenfalls nicht so leicht, wie es sich das Gesundheitsministerium vorstelle, gibt Fluck außerdem zu bedenken: „Die Fertigstellung des Impfstoffs unterscheidet sich und braucht hohe Konzentration und Genauigkeit. Auch wechseln Patienten nur ungern den Impfstoff, was Mehraufwand bei der Terminvergabe und unnötige Diskussionen mit sich bringt.“

Dauernd verändert sich die Rechtslage

Ein weiteres Problem ist für die Hausärzte die sich inzwischen fast täglich ändernde Rechtslage. „3G“, „2G plus“ – kaum ist die Richtlinie innerhalb der Praxen kommuniziert, wird sie schon wieder durch eine andere ersetzt. Das kostet zusätzlich Ressourcen, die viele Ärzte nicht mehr haben. Von der zusätzlichen Verwaltungsarbeit ganz zu schweigen. Dabei wäre das Gebot der Stunde „impfen, impfen, impfen“ wie Andreas Fluck sagt. Er bedauert, dass Ärzteorganisationen den Apotheken diese Möglichkeit absprächen.

Sozialstation verhängt Aufnahmestopp

Bereits am Mittwoch hat die kirchliche Sozialstation Grenzach-Wyhlen den Hausärzten mitgeteilt, dass ein Aufnahmestopp für neue Klienten verhängt worden sei. Durch Impfdurchbrüche und Kinderbetreuungsbedarf herrschten aktuell Personalmangel und Überlastung im Team, was die Einrichtung zu diesem Schritt geführt habe, heißt es in einem Schreiben.

MVZ Rheinfelden startet große Impfoffensive

Räumlich andere Möglichkeiten als die Grenzach-Wyhlener Kollegen hat das medizinische Versorgungszentrum (MVZ) in Rheinfelden. Die neue Praxis im Hochrheincenter hat deutlich mehr Platz, weswegen Allgemeinmediziner Tibor Bojti einen ungewöhnlichen Weg beschreitet: Über das soziale Netzwerk Facebook suchte er vergangene Woche Fachkräfte, die eine von ihm initiierte und über Monate angelegte Impfaktion unterstützen sollen. Rund 50 Personen – darunter Krankenpfleger, medizinische Fachangestellte, Apotheker, teils in Ruhestand, zum Teil in Elternzeit – haben sich darauf bei ihm gemeldet und unterstützen seit heute in der Praxis.

„Ich hätte gerne mehr Entgegenkommen vom Finanzamt. Wir haben hier viele gute Kräfte gewonnen, die nun hier nebenbei arbeiten. Aber die Freibeträge sind begrenzt, auch wenn die Leute mehr Zeit hätten, zu helfen“, bedauert Bojti die rechtlichen Rahmenbedingungen. Dadurch werde ein besseres Impfangebot behindert. Zwei dreiköpfige Teams unterstützen mit einem Arzt in Vier-Stunden-Schichten täglich die Praxis im Parallelbetrieb. „Mein eigenes Praxisteam hat Hervorragendes geleistet in der Ausbildung der neuen Mitarbeiter. Ein beispielhaftes Zusammenspiel in der Bekämpfung der Pandemie!“, lobt der Arzt Mitarbeiterinnen. Er hebt hervor, dass sich sogar Personen bei ihm gemeldet haben, die bei der Impfaktion ehrenamtlich mithelfen wollen und beispielsweise am Eingang bei der Überprüfung aller notwendigen Unterlagen behilflich sind. „Ich bin sehr optimistisch, dass wir viel erreichen können“, gibt Bojti sich zuversichtlich.

Am heutigen Samstag soll im Rheinfelder MVZ die 1000. Impfung in dieser Woche verabreicht werden. Sind alle neuen Mitarbeiter eingelernt, will Bojti mit seinem Team Kapazitäten von bis zu 2000 Impfungen in der Woche möglich machen – sofern genügend Impfstoff vorrätig ist. Termine werden täglich neu im Internet eingestellt – je nach Verfügbarkeit von Personal und Impfstoff.

Weitere Informationen: Die Terminvergabe für das Impfen im MVZ Rheinfelden findet ausschließlich über die Internetseite www.mvz-rheinfelden.de statt, nicht per Telefon. Außerdem gibt es morgen eine mobile Impfaktion im Gemeindehaus St. Josef in Rheinfelden (siehe untenstehenden Bericht).

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