Grenzach-Wyhlen Als die Grenze plötzlich sichtbar war

Die Oberbadische
Sprach über die Zeit des Ersten Weltkriegs in und um Basel: Dr. David Tréfás. Foto: Willi Vogl Foto: Die Oberbadische

Von Willi Vogl

Grenzach-Wyhlen. Einen interessanten Vortrag zum Thema „Der Erste Weltkrieg in der Region“ veranstalteten kürzlich der Verein für Heimatgeschichte und die Volkshochschule Grenzach-Wyhlen. Vor zahlreichen Zuhörern sprach Dr. David Tréfás, Fachreferent für Geschichte an der Universitätsbibliothek Basel.

Anhand eines fotografischen Stadtrundgangs durch Basel machte der Historiker Befindlichkeiten von damals lebenden Personen sichtbar, stellte ihre Lebensläufe in den Kontext der kriegerischen Unausweichlichkeit, beleuchtete regionale gesellschaftliche und politische Besonderheiten und skizzierte die Einbindung ortsansässiger Firmen in die nationalen und internationalen Wirtschaftskreisläufe.

Als thematische Kristallisationspunkte dienten Basler Plätze, etwa eine kleine Kirche mit dem Vereidigungsplatz davor, der Badische Bahnhof, der aus Sicht des damaligen Schweizer Generalstabschefs als Achillesferse der Verteidigung galt, die Ausgabestelle für Essensmarken an der Schiffslände oder der Grenzposten nach Saint-Louis.

Kriegsbegeisterung wurde auch in Basel inszeniert. Der Blick auf ein Foto mit singenden Männern in Marschformation, jedoch ohne Gepäck, verweist auf die damals vor allem in den Städten verbreitete Propaganda.

Um 2 Uhr am 1. August 1914 schließlich begann man auch in Basel den Krieg zu spüren. Die Grenzen wurden geschlossen. Schweizer Kinder durften nicht mehr mit französischen Kindern spielen. Ausländische Feriengäste reisten aus den Basler Hotels ab, und selbst wohlhabende Urlauber mussten zu Fuß zum nächsten Grenzbahnhof laufen. Ihr Geld wurde nicht mehr akzeptiert.

Ein bemerkenswerter Teil der damals 220 000 Schweizer Soldaten bezog innerhalb weniger Tage in Basel Posten, speziell am Badischen Bahnhof. Man befürchtete, die Deutschen könnten den Bahnhof besetzen und als Brückenkopf für einen Angriff nutzen. Damit wäre die Schweiz gezwungen gewesen, ihre Neutralität aufzugeben und sich am Krieg zu beteiligen. Mit der Präsenz signalisierte man den möglichen Feinden Frankreich und Deutschland Kampfbereitschaft.

Man versuchte die beiden Nationen gegeneinander auszuspielen und gab vor, im Falle eines Übergriffs auf der Seite der jeweiligen anderen Nation zu stehen. Inwieweit diese Taktik von Frankreich und Deutschland ernst genommen wurde, kann man schwer feststellen, schließlich hätten die Schweizer im Ernstfall lediglich für drei Tage Munition gehabt, berichtete Tréfás.

Zu Anfang des Krieges passierte viel, danach bis zum Ende kaum noch etwas. Basel war die einzige Schweizer Stadt, die den Krieg aufgrund der 30 bis 40 Kilometer entfernten Front im Elsass auch als akustisches und visuelles Ereignis erlebte.

Im Bereich der Wirtschaft gab es Gewinner und Verlierer. So lieferte die Firma Sandoz nicht nur die feldgraue Farbe für Schweizer, sondern auch für französische, deutsche und italienische Uniformen. Für Hoffmann-La Roche verlief es weniger günstig – und man darf staunen, wie diese Firma den Ersten Weltkrieg überhaupt überstanden hat. Bereits vor dem Krieg international tätig, brachen ihr nämlich wichtige Märkte weg. Mit dem französischen Zusatz im Firmennamen war ihr – trotz eines Sitzes in Grenzach – der deutsche Markt verschlossen.

Die allgemeine Not war mit dem Ende des Krieges allerdings nicht vorbei. Die Basler Lebensverhältnisse können jedoch im Vergleich mit den Lörracher und noch mehr mit den Elsässer Lebensverhältnissen als paradiesisch bezeichnet werden.

Der kurzweilige und kompetente Vortrag von Tréfás mündete schließlich in einen lebendigen Austausch mit den zahlreichen Zuhörern.

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