Grenzach-Wyhlen - Wieder einmal hat das Landesjugend-Barockorchester Baden-Württemberg seine Konzertreise im Neuen Jahr in der katholischen Kirche St. Michael in Grenzach eröffnet. Auf dem Programm des 2015 von Gerd-Uwe Klein gegründeten Klangkörpers standen Werke aus England.

„Die jungen Musiker spielen einen halben Ton tiefer als in modernen Orchestern üblich“, stimmte der Veranstalter und Geiger Helmut Bauckner das Publikum auf das weichere Klangbild des Landesjugend-Barockorchesters Baden-Württemberg ein. Darmsaiten bei den Streichern, ein Spiel ohne Schulterstütze oder eine zur Mitte hin orientierte Bogenhaltung sind weitere Merkmale einer Musizierweise, mit der sich die jungen Musiker im Alter von 13 bis 21 Jahren der klingenden Barockzeit annäherten. Betreut wurden sie in der jüngsten Arbeitsphase von Gerd-Uwe Klein, Daniela Helm, Ulrike Kaufmann, Juris Teichmanis und Carsten Lorenz, der in einigen Werken einfühlsam auch den exponierten Cembalopart übernahm. Das Orchester musizierte stilgemäß durchweg ohne Dirigent.

Gleich zu Anfang konnte der versierte Hörer von Barockmusik ungewöhnliche Klänge wahrnehmen. So verblüffte William Lawes in der Fantasia seiner Suite Nr. 1 in c-Moll mit gewagten Dissonanzbildungen. Zupackende Tuttiklänge und intonationssichere Hörner waren in den Ecksätzen von Karl Friedrich Abels Symphonie Op. 10 Nr. 5 in D-Dur zu hören.

Beachtliche Gestaltungsqualitäten

Die besten Beschränkungen sind die, welche man sich selber auferlegt. Dieses methodische Prinzip gilt für Komponisten aller Zeiten. So ist es etwa eine Kunst, über einen einzigen Ton ein ganzes Werk zu komponieren, ohne dabei einen öden Klangwurm zu generieren. Meister Henry Purcell bereitete mit seiner „Fantasia upon One Note“ dem Publikum einen augenzwinkernden Genuss.

Das in der Barockzeit äußerst beliebte melodisch-harmonische Satzmodell „La Folia“ regte auch Francesco Geminiani zu einem vielgestaltigen Concerto grosso an. Im Concertino überzeugten Clara Maier, Esther Danckaert (Violinen), Maxi Lorenz (Violoncello) und Anna Zimmermann (Cembalo) bereits mit beachtlichen Gestaltungsqualitäten. Da hörte man forsch rhythmisierte Lebendigkeit und gleichermaßen schmachtend gestrichene Getragenheit. Dabei konnte man allzeit deutlich zwischen solistischem Vorder- grund und dezent begleitendem Hintergrund unterscheiden. In Johann Christian Bachs Sinfonie F-Dur op. 8 Nr. 4 gefiel das Orchester durch gut koordiniertes Figurenwerk im Allegro, elegische Holzbläserintonation im Andante und einem markant artikulierten Menuett. Das gedruckte Programm schloss mit zwei kunstvollen polyphonen Sätzen von William Lawes.

In der gesungenen Zugabe hörte man, dass die jungen Musiker nicht nur auf ihr Instrument fokussiert sind, sondern danach streben, sich barocke Musik in einem umfassenderen Sinne anzueignen. Heinrich Schütz‘ Psalmvertonung „Aller Augen warten auf dich“ lieferte den rein klingenden Beleg hierzu.