Grenzach-Wyhlen Baugenossenschaft spricht Klartext

Heinz Vollmar
Aufsichtsratsvorsitzender Thomas Merle (von links), die ausscheidende Aufsichtsrätin Vera Zimmermann, die neu ins Gremium gewählte Sarah Werda und BGGW-Geschäftsführer Daniel Kuny. Foto: Heinz Vollmar

Bei der Versammlung der Baugenossenschaft Grenzach-Wyhlen wurde Kritik laut an überbordender Bürokratie. Das Bauen bezahlbarer Wohnungen sei unter den jetzigen Gegebenheiten kaum mehr möglich. Ins Kontor schlagen auch die Kosten für archäologische Sondierungen.

Die Baugenossenschaft Grenzach-Wyhlen (BGGW) ist für viele Menschen seit Jahren ein Garant für gutes und preisgünstiges Wohnen. Doch auch für die BGGW werden die allgemeinen Preissteigerungen und die politischen Rahmenbedingungen immer unberechenbarer, wie an der Mitgliederversammlung der Genossenschaft am Mittwochabend zu hören war.

Rückblick: Im Bericht des Vorstandes, den Geschäftsführer Daniel Kuny verlas, bezog sich dieser auch auf die aktuellen Rahmenbedingungen, aufgrund derer keine konkreten Neubauten in Planung seien. „Bei Baukosten von über 4000 Euro pro Quadratmeter sehen wir derzeit wenig Potenzial, Wohnungen zu bezahlbaren Preisen zu bauen.“ Die BGGW besitze im Neubaugebiet Kapellenbach-Ost zwar ein Grundstück, das mittelfristig bebaubar wäre. Dies werde aber erst geschehen, wenn die Rahmenbedingungen es zuließen und das Risiko vertretbar sei. Leider sehe es noch nicht danach aus, sagte Kuny.

Archäologische Untersuchungen: Klartext sprach er im Hinblick auf die Erdmassen, die im Kapellenbach-Ost seit Monaten bewegt werden. Dort werde gar nicht gebaut, sondern das Landesdenkmalamt führe dort archäologische Untersuchungen durch. Eventuelle Funde zum Beispiel aus der Römerzeit würden dokumentiert, fotografiert und dann wieder zugeschüttet. Dies koste etwa drei Millionen Euro, die eins zu eins auf die Eigentümer umgelegt würden. Allein für die Genossenschaft werde so ein Anteil von rund 130 000 Euro fällig, rechnete Kuny vor. Was da gerade geschehe, sei ein typisches Beispiel dafür, wie durch staatliche Auflagen das Bauen von dringend benötigten Wohnungen erschwert oder gar verhindert werde.

In Bezug auf die Instandhaltung mit Investitionskosten in Höhe von 984 000 Euro im Jahr 2023 und auch der Modernisierung des Bestandes zog Daniel Kuny indes eine positive Bilanz.

Ausblick: Im Hinblick auf Modernisierungsmaßnahmen kündigte er die energetische Sanierung der Häuser Hutmattenstraße 10/12 für dieses Jahr an. Für die Versorgung mit Kabelfernsehen verwies Kuny auf gesetzliche Änderungen zum 1. Juli, die dazu führen, dass Mieter frei entscheiden dürfen, welchen Anbieter sie auswählen möchten.

Finanzen: Die Finanz-und Ertragslage der Baugenossenschaft bezeichnete Kuny mit einem Jahresüberschuss in Höhe von 716 000 Euro, einer Bilanzsumme in Höhe von über 50 Millionen Euro und einer Eigenkapitalquote von 38,1 Prozent als sehr gut. Gleichzeitig verwies er darauf, dass die Genossenschaft in den zurückliegenden 20 Jahren in den Neubau und in die Modernisierung des Bestandes mehr als 40 Millionen Euro investiert habe.

Bilanzgewinn: Für den Aufsichtsrat lobte Vorsitzender Thomas Merle die gute Zusammenarbeit mit dem Vorstand der Baugenossenschaft. So auch in Bezug auf die Genehmigung des Jahresabschlusses 2023.

Im Hinblick auf die ordnungsgemäße Geschäftsführung, die Feststellung des Jahresabschlusses beziehungsweise die wirtschaftlichen Verhältnisse verwies er auf den Bericht über gesetzliche Prüfung des Geschäftsjahres 2023 durch den Verband baden-württembergischer Wohnungs- und Immobilienunternehmen. Demnach sei die Baugenossenschaft allen ihren gesetzlichen und satzungsmäßigen Verpflichtungen nachgekommen.

Den Bilanzgewinn in Höhe von 53 189,45 Euro (zwei Prozent) empfahl Merle als Bardividende auszuschütten.

Aufsichtsratswahl: Neu in den Aufsichtsrat gewählt wurde Sarah Werda. Aus dem Gremium ausgeschieden sind Vera Zimmermann und Ulrike Löwe (in Abwesenheit). In den Aufsichtsrat der Baugenossenschaft wiedergewählt wurde Elke Fendler.

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