Grenzach-Wyhlen Brüstle will den Spagat schaffen

Heinz Vollmar
Im Zuge der Neuordnung soll sich das katholische Kirchenleben künftig in Wyhlen konzentrieren. Die Grenzacher Kirche St. Michael würde dafür aufgegeben. Foto: Heinz Vollmar

Grenzach-Wyhlen. Im Zuge des Entwicklungskonzepts 2030 steht die katholische Kirche vor einer strukturellen Neuordnung. Die Kirchengemeinde Grenzach-Wyhlen etwa wird in diesem Kontext Teil einer Großgemeinde werden, die sich mit dem Dekanat Wiesental deckt. Die absehbaren Folgen treiben die Gemeindemitglieder vor Ort um, wie am Mittwoch in der Kirchengemeinderatssitzung zu spüren war.

Pfarrer Andreas Brüstle, Leiter der Seelsorgeeinheit, reflektierte zunächst noch einmal die Dezember-Pfarrversammlung, bei der es vor allem um die Neuordnung des Gebäudebestands samt einer Teilabgabe gegangen war (wir berichteten). Diese Zusammenkunft habe vieles in Bewegung gesetzt, resümierte Brüstle. Daraus erwüchsen aber auch neue Perspektiven, resümierte er.

Zusammenhänge verstehen

Brüstle hat nach eigenem Bekunden seither viele Briefe, E-Mails und Rückmeldungen erhalten. Er sei sich aber nicht sicher, ob er bereits alle Emotionen gehört habe. Brüstle will sich daher Zeit lassen und auch die Protokolle und Akten der jeweiligen Pfarrgemeinderatssitzungen und weiterer Gremien-Zusammenkünfte bis 15 oder 20 Jahre weit zurückverfolgen. Auf diese Weise wolle er alle Zusammenhänge besser verstehen lernen, sagte Brüstle. Einhergehen solle dies mit einer hohen Transparenz für alle – eine Transparenz, die es bisher ganz offenbar nicht gegeben hat, wie auch Pfarrgemeinderätin Gertrud Wittek feststellte. Die Kirche hätte bezüglich des Kirchenentwicklungskonzepts 2030 viel früher in die Öffentlichkeit gehen müssen.

Die Gläubigen wurden derweil aufgerufen, noch bis Ende dieses Monats ihre Wünsche, Sorgen und Anregungen an den Pfarrgemeinderat zu richten oder an den in beiden katholischen Kirchen aufgestellten Stellwänden anzubringen.

„St. Michael abreißen“

Ein Besucher der Pfarrgemeinderatssitzung verschaffte sich kräftig Luft hinsichtlich der Kirchenentwicklung und des damit verbundenen Vorgehens. Der Zuhörer wollte von Pfarrer Brüstle wissen, was denn überhaupt vorliege, dass er 15 bis 20 Jahre in der Vergangenheit liegende Akten und Protokolle lesen wolle: „Muss denn nach einer Leiche im Keller gesucht werden?“ Brüstle widersprach und erwiderte, dass er sich selbst diesen Zeitraum gesetzt habe, um die Entwicklung und auch etwaige Beschlüsse der damals noch eigenständigen Kirchengemeinden von Wyhlen und Grenzach besser verstehen und einordnen zu können.

Ein anderer Besucher wurde noch deutlicher. Er plädierte dafür, die katholische Kirche St. Michael in Grenzach – sie soll laut Konzept aufgegeben werden – einfach abzureißen. Die noch übriggebliebenen katholischen Gläubigen könnten doch gemeinsam mit den Protestanten in der evangelischen Kirche in Grenzach Gottesdienst feiern.

Hinter all den Fragen und Überlegungen, den Sorgen und den kursierenden Vermutungen kommt der Rolle von Andreas Brüstle als Leiter der Seelsorgeeinheit eine besondere Rolle zu. Er muss den Spagat zwischen den Anliegen der Gläubigen vor Ort und den Vorgaben der Erzdiözese schaffen, wie er auf Nachfrage bestätigte. Er formulierte seine Rolle jedoch so, indem er sich selbst als Spurensucher und Pfadfinder auf der Suche nach Ideen und Lösungen im Rahmen der Kirchenentwicklung bezeichnete.

Gräben zuschütten

Sowohl bei der Pfarrgemeinderatssitzung am Mittwochabend als auch im Dezember wurde aufgrund von Wortmeldungen deutlich, dass es auch noch immer darum geht, nach wie vor bestehende „Gräben“ zwischen den Gläubigen aus Wyhlen und Grenzach zu überwinden. Als Beispiel dienen soll hier die Bemerkung eines Grenzacher Mitglieds der Kirchengemeinde nach der Sitzung des Pfarrgemeinderats. Der Mann bekräftigte, dass es seiner Ansicht nach sehr wohl „Leichen im Keller“ gebe. Konkretisieren wollte er diese Aussage jedoch nicht. Dafür hatte er einen Fragebogen für den Pfarrgemeinderat erstellt, um Antworten zu erhalten.

Weitere Informationen: Nächste Pfarrversammlung ist am 22. März, 18 Uhr, im katholischen Gemeindehaus in Wyhlen.

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