Grenzach-Wyhlen Bund gibt 13,5 Millionen dazu

Mithilfe der Bundesförderung von 13,5 Millionen Euro soll die Wyhlener Wasserstofferzeugungsanlage massiv ausgebaut werden. Geplant ist eine Verfünffachung der Leistung. Das Foto zeigt den im Inneren befindlichen Elektrolyseur. Foto: zVg

Grenzach-Wyhlen - Der Bund fördert den Ausbau der von Energiedienst (ED) in Wyhlen betriebenen Power-to-Gas- Anlage („P2G“) als „Reallabor der Energiewende“ mit rund 13,5 Millionen Euro. Für Bürgermeister Tobias Benz sind das „sehr gute Nachrichten“. Die das Projekt mit Argusaugen betrachtende „BI Wasserkraftwerk am Altrhein“ sieht sich dagegen in ihrer Kritik bestätigt.

Ziel des Projekts ist es, die bestehende Anlage um fünf Megawatt elektrische Leistung zu erweitern sowie mit Industrie, Gewerbe, örtlichem Wärmenetz und Verkehr weitere regionale und internationale Kunden zu gewinnen.

Aktuell hat die „P2G“-Anlage eine Elektrolyseleistung von einem Megawatt. Sie produziert seit 2019 Wasserstoff. Der dafür benötigte Strom stammt aus dem benachbarten Wasserkraftwerk Wyhlen. „Das Reallabor ist eine Riesenchance, weitere Einsatzmöglichkeiten unseres grünen Wasserstoffs zu erproben und dabei diverse Aspekte klug zu verknüpfen, um den CO2-Ausstoß zu senken“, wird Jörg Reichert, Vorsitzender der Geschäftsführung der Energiedienst Holding AG, in einer Pressemitteilung zitiert.

Das sagt der Betreiber

„Vor allem ist es unser Ziel, den Nahverkehr mit grünem Wasserstoff zu versorgen und den Wasserstoff in Industriesektoren einzusetzen. Die bei der Elektrolyse entstehende Abwärme soll zum Beheizen von Wohnquartieren in der Umgebung genutzt werden und dadurch zur Wirtschaftlichkeit des Gesamtkonzepts beitragen,“ präzisiert es Reihaneh Zohourian, Projektleiterin Forschung und Entwicklung bei EnBW.

Als weitere Aktivitäten schließt das Projekt Angewandte Elektrolyseforschung unter Federführung des ZSW (Zentrum für Sonnenenergie- und Wasserstoff-Forschung Baden-Württemberg) mit ein. Ein weiterer Kooperationspartner ist die Dialogik gGmbH als Spezialistin für Partizipation und gesellschaftliche Technikforschung. Projektpartner Messer übernimmt den regionalen Transport sowie die Verteilung des Wasserstoffs.

Das sagt der Bürgermeister

„Für Grenzach-Wyhlen sind das sehr gute Nachrichten: Wir haben die Realisierung der Power-to-Gas-Anlage, angefangen von der ersten Projektidee, nach Kräften gefördert, da es ein innovative Projekt im Rahmen der Energiewende ist und die Gemeinde auf vielfältige Weise profitiert“, freut sich Bürgermeister Tobias Benz.

Er zielt damit unter anderem auf das Nahwärmenetz für das geplante Neubaugebiet „Kapellenbach-Ost“, die Versorgung der örtlichen Industrie und des neuen Gewerbegebiets „Fallberg“ mit Wasserstoff und eine mögliche Umstellung der Buslinien auf Brennstoffzellenbetrieb ab. „Es ist etwas Besonderes, einen solchen bundesweiten Leuchtturm der Energiewende in unserer Gemeinde zu haben“, hält Benz fest.

Das sagen die Kritiker

Michael Kempkes, Sprecher der die „P2G“-Anlage sehr kritisch begleitenden „BI Wasserkraftwerk am Altrhein“, sieht sich durch die Förderzusage des Bundes bei gleichzeitiger Verfünffachung der Anlagenleistung nun bestätigt. Für ihn und seine Mitstreiter sei von Anfang an klar gewesen, „dass da mal mehr kommt“. Insofern überrasche ihn diese Nachricht nicht sonderlich.

Wert legt Kempkes aber auf die Feststellung, dass die von ihm geführte BI sich nicht gegen eine P2G-Anlage oder gegen die Forschung im Zusammenhang mit Wasserstoff stelle. „Aber hier ist und bleibt das der falsche Standort. Was dort gemacht wird, ist an sich ein interessantes Thema – aber hier am falschen Ort und mit den falschen Leuten“, erneuert Kempkes, der direkt oberhalb der Anlage wohnt, seine Kritik. Er fragt sich: „Wenn das klassische Geschäft wegzubrechen droht und man die Subventionsschiene für sich entdeckt hat, ob da mal nicht zu viel Steuergeld in die falsche Idee investiert wird?“

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