Grenzach-Wyhlen - Der Grenzübergang zwischen Grenzach und Riehen/Basel konnte am heutigen Donnerstag nicht wie geplant um 5.30 Uhr in der Früh für den Verkehr freigegeben werden. Grund waren statische Probleme der neuen Dachkonstruktion. In der Folge brach am Morgen ein Verkehrschaos aus.Seit 16 Uhr fließt der Verkehr wieder störungsfrei in beide Richtungen.

Pendler standen frühmorgens im Stau, eine Zeit lang ging in Grenzach-Wyhlen gar nichts mehr. Etliche Menschen sind zu spät zur Arbeit gekommen. Dies galt auch für Busfahrgäste in Richtung Basel, denn für sie war weiterhin am „Rippel“ Schluss. Wer weiterfahren wollte, musste einen knappen Kilometer zum Hörnli-Friedhof laufen, wo die 38er-Busse nach Basel bereitstanden. Auch in den sozialen Netzwerken brach der Frust sich Bahn.

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Was war passiert?

Wie Bürgermeister Tobias Benz auf Nachfrage berichtet, bekam er kurz vor Mitternacht einen Anruf, dass der Grenzübergang nicht geöffnet werden könne. Denn beim Aufsetzen der stählernen Dachkonstruktion auf die beiden tragenden Betonsäulen seien Risse entdeckt worden. Aus Sicherheits- und Statikgründen musste die 13 Tonnen schwere Stahlkonstruktion daher am Haken des Schwerlastkrans bleiben.

Bürgermeister Benz und Ordnungsamtsleiter Jürgen Käuflin sprangen aus ihren Betten und eilten zum Zollamt, um sich das Problem anzuschauen. Käuflin blieb bis 4.30 Uhr vor Ort, kam aber zwei Stunden später wieder, denn aufgrund der entgegen allen Ankündigungen fortbestehenden Vollsperrung des Grenzübergangs war im morgendlichen Pendlerverkehr das Chaos ausgebrochen.

„Wir haben als Ortspolizeibehörde dann durchgesetzt, dass der Verkehr wenigstens einspurig in Richtung Basel abfließen konnte“, sagt Benz  und kocht  vor Wut. „Denn das Staatliche Hochbauamt als Bauherr wollte einfach gesperrt lassen. Ganz nach Gutsherrenart. Das war für uns so nicht akzeptabel. Ich kann echt nur noch den Kopf schütteln.“ Zudem sei ab 6 Uhr kein Sicherheitspersonal mehr verfügbar gewesen, um den chaotischen Verkehr zu regeln. „Die hatten keinen Plan B“, legt Benz nach, „und das ärgert mich maßlos. Man muss sich das mal überlegen: Herr Käuflin war fast die ganze Nacht vor Ort, da wir uns als Gemeinde verantwortlich fühlen. Dabei ist das gar nicht unsere Baustelle!“

Polizei will nicht helfen

Benz griff also zum Telefon. Er rief bei der deutschen und der Schweizer Polizei sowie bei der Bundespolizei an und bat um Hilfe. Alle drei Stellen hätten ihm aber eine Abfuhr erteilt, schimpft der Bürgermeister. Und ergänzt: „Sie sagten alle, sie hätten dafür jetzt keine Kapazitäten und seien ohne nicht dafür zuständig – man fasst es nicht!“ Die Gemeinde Grenzach-Wyhlen dürfe nun den offensichtlichen Fehler des Staatlichen Hochbauamtes ausbügeln. Benz: „Es ist zum Haare­raufen!“

Schließlich gelang es, eine Baustellenampel zu organisieren, sodass ab 8.30 Uhr der Weg in Richtung Basel auf „Grün“ stand. Zumindest für Autos. Die  Buslinie 38 blieb weiterhin zwischen „Rippel“ und Hörnli-Friedhof unterbrochen.

Situation am Spätvormittag

Als unsere Zeitung heute gegen 10 Uhr am Hörnle-Zoll eintraf, war die Situation unverändert. Verkehrsleitpersonal fing auf Schweizer Seite den Verkehr ab und leitete die Autos via Hörnli-Friedhof nach Riehen. Aus Richtung Grenzach-Wyhlen aber war ein Durchkommen möglich, die Ampel stand auf „Dauergrün“. Die Dachkonstruktion hing am mobilen Kran. Dessen Fahrer leistete dabei Millimeterarbeit, denn Stück für Stück wurde das Stahldach wieder von den Betonsäulen abgehoben, wie zu beobachten war. Arbeiter schoben dann vorsichtig Holzkeile zwischen Beton und Stahl, wohl stets in der Hoffnung, dass die Säulen nicht weiter beschädigt würden.

An den beiden Bushaltestellen auf deutscher Seite am Hörnle standen derweil – überwiegend betagte – Bürger und warteten vergeblich auf ihre Busse. Denn an den Haltestellen fehlte am Vormittag noch jeglicher Hinweis darauf, dass die Linie weiterhin gekappt sei. „Ich weiß jetzt gar  nicht, ob ich es mit meinem Wägeli bis vor zum Rippel schaffe“, sagte eine alte Dame, als der Autor dieser Zeilen sie auf die Vergeblichkeit ihres Wartens hinwies. Nach kurzer Debatte setzte sich schließlich ein Grüppchen älterer Menschen Richtung des mehrere hundert Meter entfernten „Rippel“ in Marsch.

Gegen 12 Uhr schließlich wurde der Autoverkehr in beide Richtungen freigegeben, jedoch nur einspurig mittels Ampelregelung. Nachdem die Stahlkonstruktion abgehoben war, konnte der Verkehr gegen 16 Uhr in beiden Fahrtrichtungen und auf beiden Spuren freigegeben werden.

Wie geht es weiter?

Im Rathaus gab es gegen 10.30 Uhr eine Krisensitzung mit allen beteiligten Stellen. Das Ergebnis fällt für Benz ernüchternd aus. Wie der Bürgermeister berichtet, musste die Stahldachkonstruktion tatsächlich wieder entfernt werden, damit eine eingehende statische Begutachtung erfolgen kann. Das Staatliche Hochbauamt hatte dafür einen Schwerlastkran angefordert, der die 13 Tonnen Stahl noch heute Nachmittag auf die Seite hieven soll, um sie im Schweizer Zollhof zwischenzulagern.

Dafür soll der Grenzübergang voraussichtlich zwischen 14.30 und 15.30 Uhr für rund 30 Minuten komplett gesperrt werden. Um den Takt des Basler Busnetzes nicht durcheinanderzubringen, blieb die Linie 38 heute bis etwa 16 Uhr getrennt.

Laut Benz will das Staatliche Hochbauamt nach erfolgter technischer Prüfung einen neuen Termin für die Endmontage der Dachkonstruktion festlegen. „Von Seiten der Gemeinde haben wir darauf gedrängt, dass das zum einen zwingend mit uns abzustimmen und zum anderen rechtzeitig zu kommunizieren ist.“ Benz will außerdem, dass  die Arbeiten nachts oder am Sonntag vorgenommen werden.

Benz schreibt Rechnung

Wegen der fortgesetzten Sperrung musste die SBG vier zusätzliche Busse im Einsatz lassen. Die Rechnung dafür bekommt die Gemeinde Grenzach-Wyhlen. „Die Rechnung reiche ich dann ans Staatliche Hochbauamt weiter“, kündigt Benz an, „Das Geld wollen wir zurückhaben. Schließlich war das alles nicht unser Fehler.“