Grenzach-Wyhlen „Das DRK ist kein Taxi“

Der DRK-Ortsverein Grenzach-Wyhlen beim Einsatz am Nachtumzug. Fürs Foto lässt sich eine Hexe bereitwillig von Rolf Rombach verarzten. (Archivfoto) Foto: Tim Nagengast

Grenzach-Wyhlen - Die heiße Phase der Fasnacht bedeutet für die ehrenamtlichen Sanitäter des DRK-Ortsvereins Grenzach-Wyhlen viel Arbeit. Zwischen Donnerstag und Rosenmontag galt es fünf Dienste sanitätsdienstlich abzudecken um bei Bedarf zügig medizinische Hilfe vor Ort zu haben. Via Facebook haben die Helfer am Dienstag ihr Fazit mit einer kleinen Kritik zur Zivilcourage gezogen. Unser Redakteur Tim Nagengast hat sich mit Notfallsanitäter Rolf Rombach darüber unterhalten.

Herr Rombach, immer wieder gibt es Meldungen, dass Sanitäter im Einsatz behindert und angegriffen werden. Haben Sie solche Erfahrungen bei der Fasnacht machen müssen?

Angegriffen wurden wir zum Glück nicht. Aber bei einem Vorfall nach dem Nachtumzug in Wyhlen mussten sich unsere Helfer plötzlich rechtfertigen, warum wir eine Patientin nicht in den ehrenamtlich besetzten Rettungswagen gebracht haben. Ein Passant mischte sich in die Versorgung ein und musste dann von der Polizei auf Abstand gebracht werden. Bis er mit dem Zug wegfuhr, kommentierte der Mann die Situation. Ein DRK-Kamerad versuchte, dem Herrn zu erklären, dass wir als Rotes Kreuz nach dem Maß der Not helfen, wie es unsere Grundsätze gebieten. Aber das wollte er nicht hören oder verstehen.

War das „Maß“ also nicht voll?

Nein, die Dame, um die es ging, hatte zwar Alkohol getrunken, aber das alleine ist noch kein Grund für einen Transport mit dem Rettungswagen in ein Krankenhaus. Woandershin fährt der Rettungsdienst aber in der Regel nicht als in eine Klinik. Wenn es nach Hause gehen soll, muss man eben auch mal das Geld für ein Taxi investieren. Man muss sich immer vor Augen halten: Wenn ein Rettungswagen belegt ist, fehlt er für den nächsten Notfall, bei dem es vielleicht um Leben und Tod geht.

Tut es das nicht immer beim Rettungsdienst?

Zum Glück nicht. Manchmal sind es gesundheitliche Probleme, die im Krankenhaus abgeklärt werden müssen, weil beispielsweise dem Hausarzt die Ausrüstung fehlt. Ein Rettungswagen hat bessere Möglichkeiten zur medizinischen Überwachung eines Patienten als ein Krankentransportfahrzeug. Außerdem können Notfallsanitäter und Rettungsassistenten aufgrund ihrer Ausbildung im Notfall erste ärztliche Maßnahmen einleiten, sollte sich der Zustand verschlechtern. Wäre der Rettungswagen aber mit einer „Taxifahrt“ beschäftigt, wären Patienten und Angehörige eines weiteren Einsatzes zunächst sich selbst überlassen, bis Hilfe da ist, die vielleicht weiter weg stationiert ist.

Zurück zu den Einsätzen an der Fasnacht: Müssen sich die DRK-Helfer öfter mal gegenüber Passanten für ihre Entscheidungen rechtfertigen?

Dass wir, wie am Rosenmontag, „angemacht“ wurden, war für mich persönlich das erste Mal. Ein Einzelfall bis jetzt. Was dagegen immer öfter vorkommt, sind Einsätze, die völlig umsonst sind und im Sande verlaufen.

Zum Beispiel?

Es kann sein, dass wir alarmiert werden, weil da jemand unter einem Baum liegt. Und ein paar Minuten später kommt dann die Meldung: „Leute, ihr könnt abdrehen. Der Bewusstlose ist aufgestanden und weggelaufen.“

Wie bitte?

Ja, das gibt es immer öfter.

Wie das?

Die Menschen trauen sich offenbar immer weniger, jemanden einfach anzusprechen, der beispielsweise auf einer Wiese liegt. Aber es kann doch sein, dass er oder sie zum Beispiel einfach nur das schöne Wetter genießen möchte. Stattdessen wird gleich ein Alarm ausgelöst.

Worauf führen Sie dieses Verhalten zurück?

Einmal liegt es wohl daran, dass heute jeder ein Handy in der Tasche hat. Dann dürfte es aber auch an gestiegener Angst liegen. Vielleicht ist es aber auch ein Stück weit gesteigerte Ordnungsliebe, die da zum Tragen kommt, nach dem Motto: Der hat da nicht herumzuliegen.

Also ruft man die Sanis.

Oder direkt die Polizei. Und die schickt dann uns raus. Dann kommen wir an, und niemand ist mehr da. Oder man spricht uns an und sagt: „Der Typ ist schon weg.“

Wie lief der Rosenmontagsumzug denn sonst aus Sicht des DRK?

Gut, wirklich gut. Es war vergleichsweise ruhig. Eben die vorhin genannte Dame, dann gab es einen Flaschenwurf und noch einen Teenager mit Bauchweh. Das Mädchen war angetrunken und klagte. Als wir sie wegen der Schmerzen dann ins Krankenhaus fahren wollten, lehnte sie aber ab und ging wieder. Sonst haben wir noch ein paar Pflaster verteilt, dies vorzugsweise an Helfer beim Umzug, die sich beispielsweise an irgendetwas geschnitten hatten.

Waren denn viele betrunkene Jugendliche unterwegs?

Angetrunken waren einige Minderjährige. Die meisten benötigen zum Glück nicht unsere Hilfe. Es ist dennoch erschreckend, wie selbstverständlich das für manche ist.

Sie möchten alle Nachrichten aus Ihrer Gemeinde lesen?
Dann testen Sie unser ePaper – 3 Wochen völlig gratis und unverbindlich! Klicken Sie HIER.

  • Bewertung
    2

Newsticker

blank

Umfrage

<!-- 'image.alt' is undefined -->

Bundestrainer Joachim Löw hat die Fußballnationalmannschaft verjüngt und die Spieler Müller, Boateng und Hummels ausgetauscht. Finden Sie das gut?

Ergebnis anzeigen
loading