Grenzach-Wyhlen - Die immer wieder aufflammende Schneeballschlacht zwischen Gemeinde Grenzach-Wyhlen und Regierungspräsidium Freiburg (RP) aufgrund der Verzögerungen beim Weiterbau der „B 34 neu“ im Abschnitt Wyhlen geht in die nächste Runde. Sowohl Regierungspräsidentin Bärbel Schäfer als auch Bürgermeister Tobias Benz sind „irritiert“ und beharren auf ihren unterschiedlichen Positionen.

Wie in unserer Donnerstagsausgabe unter der Überschrift „Das war’s dann einstweilen“ berichtet, rechnet das RP bis zur Fertigstellung des Bauabschnittes Wyhlen mit einer Verzögerung von wenigstens drei Jahren. Alternativ hat die Freiburger Behörde angeboten, die Wyhlener Umfahrung nun in zwei Bauabschnitte zu teilen und parallel dazu den Abschnitt Grenzach vorzuziehen. Eine Idee, die weder im Rathaus noch im Gemeinderat auf Gegenliebe stößt. Stattdessen fordert das Gremium per Resolution, den Bau der neuen Bundesstraße wie ursprünglich geplant bei Wyhlen in einem Zuge vorzunehmen (wir berichteten ausführlich).

Sichtweise des Regierungspräsidiums

In einem Brief, der unserer Zeitung vorliegt, nimmt RP-Chefin Bärbel Schäfer Stellung zur Resolution des Gemeinderates und zu den in diesem Zusammenhang gefallenen Äußerungen von Bürgermeister Tobias Benz. Dieser hatte die Probleme beim Weiterbau der Straße vor allem auf einen Personalmangel beim RP zurückgeführt.

„Die von Ihnen zitierten Ausführungen irritieren mich doch sehr“, schreibt Schäfer an Benz. Sie verweist auf ein Gespräch mit ihm in Freiburg, bei dem sie „sehr deutlich gemacht“ habe, „dass die von Ihnen nunmehr so in den Vordergrund gestellte Personalsituation den Ablauf der B 34 nur marginal tangiert“. Hauptgrund für die Verzögerung sei vielmehr die „vorgefundene Baugrundsituation, die so nicht zu erwarten war“. Anstelle einer Versickerung des Oberflächenwassers müssten stattdessen „umfangreiche Entwässerungsanlagen und zusätzliche Bauwerke“ geplant werden, was „sehr zeitintensiv“ sei. „Die Situation am Markt der von uns beauftragten Ingenieure tut das Ihre dazu“, stellt die Regierungspräsidentin klar. Im Übrigen habe sie im Gespräch mit Benz „sehr deutlich gemacht“, dass die Doppelgemeinde „aufgrund ihrer späten Planungsentscheidungen“ selbst zu Verzögerungen beigetragen habe.

Des Weiteren bekräftigt Schäfer, dass die vom RP vorgeschlagene Alternative, den Bauabschnitt Wyhlen in zwei Teilen zu realisieren, natürlich nur umgesetzt werde, wenn Grenzach-Wyhlen dies auch so wünsche. So hätten wenigstens die Menschen im westlichen Teil der Ortsumfahrung bereits im Jahr 2022 „eine deutliche Entlastung“. Schäfer schreibt abschließend: „Ich bedauere sehr, dass diese Chance, zu einer schnelleren Entlastung eines großen Teils der Bevölkerung zu kommen, nun nicht ergriffen wird.“

Sichtweise des Bürgermeisters

Genau diese Theorie weist Benz im Gespräch mit unserer Zeitung vehement zurück. Für ihn beziehungsweise den Gemeinderat sei eine Aufsplittung in zwei Bauabschnitte „eben keine Option“. Mit dem Bau eines ersten Abschnittes zwischen Gmeiniweg und „Am Wasserkraftwerk“ werde überhaupt keine Entlastung der an der Wyhlener Ortsdurchfahrt wohnenden Bürger erreicht. Niemand werde so einen Umweg in Kauf nehmen, sondern wie gewohnt mitten durch den Ort fahren, hält Benz fest. Überdies fürchtet er, dass der vom RP angeregte zweite Bauabschnitt zwischen „Siedlung“ und Altrhein dann womöglich niemals mehr realisiert werde. Außerdem kollidiere die vom RP angeregte und vom Gemeinderat abgelehnte Planung mit der Realisierung des ersten Bauabschnitts des Neubaugebietes „Kapellenbach-Ost“.

Der Brief aus Freiburg habe ihn „echt irritiert“, sagt Benz. Er habe mehrfach nachgewiesen, dass die Planungen der Gemeinde Grenzach-Wyhlen (Stichwort: zusätzliche Unterführung in Höhe der Rheinstraße) eben nicht, wie in Freiburg behauptet, mit ein Grund für die Bauverzögerungen seien. „Es war immer alles mit dem RP abgesprochen. Es gibt dazu Protokollnotizen. Ich kann das alles belegen“, beharrt Benz auf seinem Standpunkt. Dass Schäfer dies nun anders darstelle, „wundert mich sehr“. Es sei Tatsache dass beim RP im Ingenieurbereich lediglich eine Mitarbeiterin das Straßenbauprojekt begleite; überdies habe ein Projektverantwortlicher die Freiburger Behörde verlassen.

Dass es im Bereich Wyhlen mit der Bundesstraße nicht weitergeht, liegt seiner Meinung nach an drei Problemen: am Personalmangel beim RP, an der Entwässerung sowie an der Bodenbeschaffenheit in Höhe Altrhein. Er sehe daher keinen Anlass, irgendwelche Äußerungen zurückzunehmen. Benz diplomatisch: „Wenn man sich das mal vor Ort anschauen würde, würde man sehen, dass das so mit zwei Bauabschnitten überhaupt keine Entlastung bringen wird. Die Bürger warten seit Jahrzehnten darauf, dass endlich etwas geht.“ Das RP müsse „jetzt alle Register ziehen“ und das Projekt vorantreiben, fordert der Rathauschef. „Was Freiburg da vorgeschlagen hat, ist keine Option für uns“, resümiert er. Es sei schade, dass das RP die auftretenden Schwierigkeiten „anders akzentuiert als wir“. Gleichwohl müsse er die Interessen der Gemeinde vertreten, schließt Benz seine Ausführungen.

FDP-Abgeordneter Hoffmann schaltet sich ein

Nach dem Landtagsabgeordneten Rainer Stickelberger (SPD) meldet sich auch der FDP-Bundestagsabgeordnete Christoph Hoffmann in der Sache zu Wort. Hoffmann schreibt, eine Bauverzögerung um drei Jahre sei „nicht hinnehmbar“. „Die Begründung mit angeblichem Personalmangel deutet vielmehr auf ein Management-Problem hin.“ Hoffmann will daher beim Bundesverkehrsministerium nachhaken, „inwieweit dies hinzunehmen ist und aus Sicht des Ministeriums in Ordnung geht“.