Grenzach-Wyhlen Der „Narrevatter“ verlässt die Bütt

Die Oberbadische, 12.02.2018 22:02 Uhr

Mehlsuppe und Zibelewaie haben wieder gemundet am gestrigen Rosenmontag im Haus der Begegnung. Gewürzt durch närrische Zutaten in Form von allerlei Gereimten, wurde das traditionelle „Mählsuppe-Löffle“ wieder zu einer lecker-leichten Mahlzeit. Da wurde viel gelacht, und das ist bekanntlich gesund.

Von Manfred Herbertz

Grenzach-Wyhlen. Anno 1978 wurde die Veranstaltung von der „Zwetschgehuuser-Clique“ ins Leben gerufen, inzwischen aber liegt sie in den Händen der Grenzacher Zunftspieler. Beim Mählsuppe-Löffle geht es entspannt zu, ein festes Programm gibt es nicht. Nach dem Motto „Wer kann, der darf“ steht die Bütt jedermann – und natürlich auch jederfrau – offen.

Einen Wermutstropfen gab es: „Narrevatter“ Rolf Schaller, Fasnachts-Urgestein aus Wyhlen, verabschiedete sich mit den Worten „nooch 45 Johr isch Schluss, wil eimol Schluss sy mueß“ aus der Bütt. Mit viel Applaus wurde Schaller verabschiedet. Der Wyhlener „Narrevatter“ sprach von „gscheite und andere Lütt“, streifte die große Politik, und da das neue Rathaus nach Wyhlen kommen soll, tröstete er die Grenzacher: „Ihr mient nit hüle.“

Als erste jedoch wagte sich die von Heinz Weiß mit blumigen Worten angekündigte Frau Bächle (Siegfried Grether), die vom Rührberg her die weiteste Anreise hatte, auf die Bühne. In seinen Versen ließ „Sieger“ nahezu jedes Motto der vergangenen Fastnachtskampagnen Revue passieren. Und siehe da, auch heute haben manche Mottos verflossener Tage keinen Grünspan angesetzt: „Ab uff d’Bäum, solang‘s no het“ aus den 1970er-Jahren ist wieder sehr aktuell. „Sparen sott me – aber was“, eine Frage, die sich heute so mancher Gemeinderat stellt. „Am Beschte isch er vorm Z‘Nüni, der Grether Sieger uff de Bühni“, reimte Heinz Weiß spontan seinen Dank an den Redner.

Eine inzwischen alte Bekannte ist Annette Grether, sie kam wieder als Markgräflerin und beschäftigte sich mit dem, was ihre Mitmenschen von ihr als Gemeinderätin fordern: „Vor minere Tür das isch schlecht, bauet des bim Nochber, dann isch’s mir recht!“

Moritaten gab es diesmal nur von den Freibänklern in Form der „Schlachtplatte“, denn die Wyhlemer Schnitzelbänkler mussten aufgrund gesundheitlicher Probleme eines ihrer Mitglieder alle Termine absagen: Genesungswünsche gab’s von den Besuchern durch reichlichen Applaus.

Die Schlachtplatte war gespickt mit allerlei Bissigem, und auch die Gemeindefinanzen fanden ihren Niederschlag: „D’Gmei mueß jetzt de Gürtel enger schnalle. Im Burgi Benz wird das nid gefalle. Doch Finanzierig isch nid einerlei. De Pleitegeier luegt scho vorbei“.

Zum Abschluss blickte Uwe Eckert gen Italien und der missglückten Fußball-WM-Quali. „Italien isch nur groß mit de Schnuure und bim Amore.“ Damit es mit der nächsten Quali klappt, rät Eckert den Italienern, nur gegen Lego-, Phantasia- und Helgoland zu spielen.

Und bevor die Mehlsuppe, gespendet von Celal Ari vom Gasthaus Kraftwerk, und die Zibelewaie, gespendet von „Sieger“ Grether, serviert wurde, gab‘s ein Schlusswort von Heinz Weiß: „Mir schieße bi de Zunftöbe ab und zue spitzi Pfiil in Richtig Wyhle, dann gits Buhruf vo de Wyhlemer Cliqun, aber wenn e Versli über de Carruba chunnt, dann freue sich alli.“