Grenzach-Wyhlen Die Spreu vom Weizen getrennt

Die Oberbadische, 15.11.2017 00:02 Uhr

Von Tim Nagengast

Rund 35 Teilnehmer kamen am Montagabend in der Mensa der Bärenfelsschule zur zweiten Planungswerkstatt im Rahmen der Erstellung des Integrierten Verkehrskonzeptes für die Gemeinde Grenzach-Wyhlen zusammen.

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Grenzach-Wyhlen. Exakt 56 Vorschläge von Bürgerseite hatte das Moderatorenteam Roland Fritz, Gisela Wachinger und Piet Sellke von der ersten Planungswerkstatt im Juli mitgenommen. Diese Anregungen waren danach ausformuliert, konkretisiert und der Verwaltung zur Auswertung überlassen worden. Daraus resultierten teils umfangreiche Stellungnahmen und Kommentare von Fachleuten, Planern und Rathausmitarbeitern, worauf Bürgermeister Tobias Benz am Montagabend ausführlich einging. Eine erste Priorisierung diente dabei als Richtschnur für die weitere Diskussion am Montagabend.

Großer Zuspruch

Lediglich zwölf Bürger hatten sich angemeldet, fast dreimal so viele kamen aber schlussendlich zur Planungswerkstatt. Entsprechend groß waren die beiden Arbeitsgruppen, in denen weitere Priorisierungen ausgearbeitet, abgestimmt und konkretisiert wurden. Diese wurden abschließend im Plenum vorgestellt. Eine daraus noch zu erstellende „Wunschliste“ wird dem Gemeinderat als Empfehlung vorgelegt.

Was davon aber schlussendlich wann und wie umgesetzt wird, bleibt allein Sache des Gemeinderates. „Dieser entscheidet am Ende“, stellte Bürgermeister Tobias Benz vorab klar und dämpfte damit vielleicht manche Hoffnung, dass das eine oder andere Partikularinteresse im Rahmen des Integrierten Verkehrskonzeptes einfließen kann. Ziel sei ein größtmöglicher Konsens, hielt der Rathauschef fest.

Neben dem Moderatorenteam standen am Montagabend auch Fachleute zur Beantwortung von Fragen bereit: Dies waren unter anderem Ordnungsamtsleiter Jürgen Käuflin sowie Kurt Sänger (Rapp Regioplan) und Wolfgang Wahl (Rapp Trans).

Prioritätenliste

Beide Arbeitsgruppen legten am Schluss eine konkret formulierte Prioritätenliste vor. Hier nun zusammengefasst die Ergebnisse, die dem Gemeinderat als Empfehlung an die Hand gegeben werden:

Ortsdurchfahrten

Im Zuge des geplanten Rückbaus der bisherigen Ortsdurchfahrten (B 34) tun sich nach Fertigstellung der Ortsumfahrung neue Möglichkeiten auf. Hier kommt von Bürgerseite der Wunsch, im veränderten Straßenraum genügend Bäume zu pflanzen – und zwar größere, damit die ersten Jahre nicht nur dürres Geäst für spärliches Grün entlang der Straßen sorgt.

Neue Mitte Grenzach

Bisher sieht die Planung für die Neue Mitte Grenzach („Stadthain“) die Anfahrt der vorgesehenen Tiefgarage über den Seidenweg vor. Nun soll geprüft werden, ob dies auch über die alte B 34 möglich wäre (Machbarkeits- und Kostenfrage).

„Scherbentelefon“

Das von Bürgerseite angeregte „Scherbentelefon“ soll noch in diesem Monat an den Start gehen. Gefordert wird nun eine breitgestreute Information der Bevölkerung inklusive der Schüler (siehe Extra-Bericht auf dieser Seite).

Fahrradverkehr

Dem Radfahren soll mehr Raum gegeben werden als bisher. Gewünscht werden unter anderem mehr Radschutzstreifen – und diese sollen so breit wie möglich sein. Auch kam der Ruf nach der Ausweisung von „Fahrradstraßen“ auf. Zudem soll die Gemeinde das Radschnellwegenetz des Landkreises „proaktiv begleiten“.

Parkraumbewirtschaftung

Die Gemeinde Grenzach-Wyhlen plant die Einführung einer großflächigen, umfassenden Parkraumbewirtschaftung in beiden Ortsteilen. Hier wurde nach einem Parkraum-Management gerufen, das auf eine Zukunft mit möglichst wenigen Autos abzielt – jedoch ohne ebenerdigen Parkraum ganz zu verdrängen, da es Menschen gibt, die weiterhin darauf angewiesen sind, beispielsweise Geschäfte möglichst direkt anzufahren.

Grüngürtel und Bahnhof

Der im Bebauungsplan für das BASF-Areal enthaltene Grünzug vom Grenzacher Dorfkern hinab zum Rhein soll, so der Wunsch der Teilnehmer, möglichst attraktiv gestaltet werden.

Der Bahnhof Grenzach ist nicht barrierefrei. Hier wurde der Ruf nach dem Bau von Rampen laut. Bürgermeister Benz hofft, dass man im Rahmen des IBA-Projektes „Attraktive Bahnhöfe“ im Schulterschluss mit weiteren daran beteiligten Gemeinden bei der Deutschen Bahn eventuell mehr als alleine erreichen kann.

Busverkehr im Ort

Gewünscht werden günstigere Fahrkarten für den Innerortslinienverkehr in der Doppelgemeinde. Hier verwies Benz allerdings auf die schon jetzt sechsstelligen Zuschüsse, die die Kommune jährlich für den „Busverkehr auf Großstadtniveau“ (Benz) ausgebe. Zudem gebe es – wie in Schopfheim und Rheinfelden – ja bereits den reduzierten „Citytarif“.

Um noch mehr Menschen zum Umsteigen auf den Bus zu bewegen, kommt von Bürgerseite der Wunsch, den Preis für das Parken im Ort als „Steuerungsinstrument“ zu benutzen. Angeregt wird zudem ein Kleinbus, der über das Wasserkraftwerk fährt.

Bus in Richtung Lörrach

Aufgenommen hat die Gemeinde auch den Ruf nach einer besseren Busanbindung Richtung Lörrach. Hier besteht mit der Linie 7301 zwar bereits eine durchgehende Verbindung, zwischen 15 und 18.30 Uhr klafft allerdings ein Loch im Fahrplan – und samstags fahre gar nichts, wurde bemängelt.

Barrierefreiheit

Das Thema Barrierefreiheit soll weiterhin verstärkt im Fokus bleiben.

Infoabend am 22. März

Von der Planungswerkstatt wird nun ein Protokoll erstellt, wie Moderator Roland Fritz ankündigte. Bevor es an alle Teilnehmer weitergereicht wird, wird es von einer Bürgerin, die sich freiwillig meldete, noch gegengelesen. Für den 22. März plant die Gemeindeverwaltung dann einen umfassenden öffentlichen Informationsabend zum Integrierten Verkehrskonzept.

 
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