Grenzach-Wyhlen Ein klares Zeichen setzen

Tim Nagengast

Das aus der Musical Company des Lise-Meitner- Gymnasiums (LMG) Grenzach-Wyhlen entstandene deutsch-russische Jugend-Friedensprojekt „Musik für den Frieden“ wächst und stellt sich breiter auf. Seit gestern ist das neue Musikvideo „Du bist stärker als dein Schatten“ bei Youtube abrufbar. Außerdem wurde als Unterbau für das Projekt ein Verein gegründet, der in Müllheim sitzt. Im Herbst erhält „Musik für den Frieden“ den Göttinger Friedenspreis.

Von Tim Nagengast

Grenzach-Wyhlen/Müllheim. Schwarze Umhänge und Kapuzen, weiße Masken. Die Grundatmosphäre im neuen Musikvideo „Du bist stärker als dein Schatten“ wirkt zu Beginn äußerst düster und bedrohlich. Immer wieder nähern sich auch Verführung und Verlockung den jungen Menschen. Die Schlange, bündelweise Rubel-Geldscheine, Drogen, Kalaschnikow-Sturmgewehre, Schlagworte und Mobbingszenen.

Schnitt! Der sich zunächst unaufhaltsam anbahnende Showdown auf der grünen Wiese wird zum gemeinsamen Tanz. Junge Menschen machen Party, feiern gemeinsam, lachen, haben Spaß, machen Sport, helfen und mögen sich.

Es sind hochprofessionelle Szenen, mit denen das neue gemeinsame Video der am Projekt „Musik für den Frieden“ beteiligten Ensembles „MIR“ und Theater „Premier“ zu begeistern weiß. Der Songtext ist mal deutsch, mal russisch, mal englisch. Doch die Botschaft versteht man, auch ohne die Sprache des anderen zu sprechen. Und genau darum geht es.

„Musik für den Frieden“ verbindet junge Menschen, Schüler, Studenten, Musiker und Theaterleute von hier mit Menschen aus Russland. Musik bringt sie zusammen, überwindet spielend leicht Grenzen, löst Gedankenschranken auf, schafft Verständnis und Frieden.

Kontrapunkt zu politischer Wetterlage

Gerade in diesen Tagen, in denen die politische Großwetterlage zwischen Deutschland beziehungsweise Westeuropa und Russland sich sehr verschlechtert, wolle man „gemeinsam ein klares Zeichen setzen“, wie „MIR“-Projektleiter Thomas Vogt am Donnerstagabend in einer Online-Pressekonferenz bekundete. Zugeschaltet waren neben einigen Akteuren und dem Projektleiter-Duo Ulrike und Thomas Vogt auch die Freunde vom Theater „Premier“ aus der russischen Stadt Twer an der Wolga Direktor mit Andrey Korjakow. Eine Dolmetscherin sorgte für die reibungslose Kommunikation.

„Mit unserem Projekt liegen wir im Moment ganz richtig“, sagte Ulrike Vogt. Es gelte auf zivilgesellschaftlicher Ebene ein Zeichen zu setzen“. „Nicht über Politik diskutieren, sondern gemeinsam etwas sinnvolles Künstlerisches erschaffen“ sei die Intention von „Musik für den Frieden“.

Neun Monate lang glühten dafür zwischen Müllheim, Grenzach-Wyhlen, Freiburg, Berlin und Twer die Drähte. Es wurde konferiert, komponiert, arrangiert, eingespielt, gesungen, gefilmt, geschnitten, vertont, hin und her geschickt, bis „Du bist stärker als dein Schatten“ fertig war. Die Arbeit in diesem Friedensprojekt helfe beim gegenseitigen Abbau von Vorurteilen und mache einfach auch Riesenspaß, bekundete Korjakow.

Auch Cosimo Petruzzi meldete sich bei der Pressekonferenz zu Wort. Als Schüler am Grenzach-Wyhlener LMG engagierten er und andere sich mit Begeisterung in der damaligen Musical Company, wurden Teil des daraus erwachsenen deutsch-russischen Friedensprojekts. Petruzzi gehört nun sogar dem Vorstand des Vereins an, der fortan einen Teil des „Musik für den Frieden“-Fundaments bilden soll. „Wir sprechen selbst kaum russisch und die anderen kaum deutsch, aber wir verstanden uns von Anfang an“, blickte Petruzzi zurück auf gemeinsame Auftritte des Ensembles in Twer, Moskau und Deutschland, als Corona noch kein Thema war. Oder, um es mit den Worten der Dolmetscherin und Deutschlehrerin Viktorija Sergejewa zu sagen: „Wir arbeiten wie ein Team, auch wenn wir weit auseinander sind.“

Gemeinsame Auftritte im Herbst als Ziel

Alle Beteiligten sind sich einig, dass die Pandemie dem gemeinsamen Projekt auf keinen Fall Hemmschuhe aufs Gleis werfen soll. Auch wenn man sich derzeit nicht besuchen, gemeinsam arbeiten und vor allem zusammen auftreten kann, bleibt das Seil zwischen Rhein und Wolga dick und gespannt.

Während Korjakow in Twer mit seinem Ensemble weiterhin fleißig arbeitet und den Draht nach Müllheim hält, legen Ulrike und Thomas Vogt ebenfalls keineswegs die Hände in den Schoß. Das Ehepaar – er LMG-Musiklehrer und Pädagoge im Ruhestand, sie Musikerin und Leiterin des Ensembles – ziehen weiterhin fleißig neue Drähte und bauen „MIR“ aus. Insgesamt ist „Musik für den Frieden“ so auf mehr als 100 Beteiligte angewachsen, davon 70 auf deutscher Seite. Unter anderem konnten Vogts neu 20 Schüler der Müllheimer Waldorfschule und einige Studenten der PH Freiburg für das am Projekt beteiligte Ensemble „MIR – Music for International Relations“ gewinnen.

Ensemble "MIR" und Förderverein

Das Ensemble, das Ulrike und Thomas Vogt in Müllheim aufgebaut haben, trägt den Namen „MIR – Music for International Relations“. „Mir“ ist außerdem das russische Wort für „Frieden“. Die Formation nutzt einen Proberaum am Müllheimer Bahnhof und freut sich über weitere Stimmen.

Organisiert wird das Projekt über den neuen Verein „Musik für den Frieden“ mit Sitz ebenfalls in Müllheim.

Verleihung des Göttinger Friedenspreises im Herbst

Das aus der Musical-Company des Lise-Meitner-Gymnasiums (LMG) Grenzach-Wyhlen hervorgegangene deutsch-russische Jugendprojekt „Musik für den Frieden“ erhält im Herbst den Göttinger Friedenspreis. Die Preisverleihung ist am 10. September im Deutschen Theater in Göttingen. Laudator ist der frühere brandenburgische Ministerpräsident Matthias Platzeck.

Geplante Termine

Unter dem Dach von „Musik für den Frieden“ wollen die Ensembles „MIR“ und „Premier“ – so Corona es zulässt – wieder gemeinsam auftreten. Geplant sind Konzerte in der Gedächtniskirche in Berlin (11. September), in der Martinskirche in Müllheim (18. September) und auf der Landesgartenschau in Neuenburg (1. Oktober).

Projektseite und Kontakt: www.musik-fuer-den-frieden.de

Youtube-Kanal: www.youtube.com/channel/UCIHKsOslMKVbHnruep3Ewhg

Zum Video geht es hier: https://youtu.be/iZmp8Ov7RxQ

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