In Grenzach wurde im Jahr 1863 auf der Suche nach Steinsalz eine Bitterwasserquelle angebohrt, die damals vom namhaften Professor Bunsen als Heilwasser klassifiziert wurde. Grenzach machte sich auf den Weg, Bad Grenzach zu werden. Doch dieser Weg endete, wie wir heute wissen in einer Sackgasse. Nun, 155 Jahre später, wurde mit der Einweihung des Museums „Emilianum“ im ehemaligen Quellenhäuschen im Emilienpark dieses Stück Grenzacher Geschichte dokumentiert.

Von Manfred Herbertz

Grenzach-Wyhlen. Rund 150 Menschen waren am Sonntag zu der festlichen Einweihung des kleinen Museums im Emilienpark gekommen. „Dieser Ort, der Emilienpark, ist nach meiner Überzeugung sehr wichtig für die Gemeinde Grenzach-Wyhlen“, sagte Museumsinitiator Kurt Paulus bei seiner Begrüßung. Paulus hat mit viel Herzblut und Energie die Ausstellung zusammengetragen, die ab sofort öffentlich zugänglich ist. Der Emilienpark sei ein wunderbarer Platz zur Erholung für die Bürger, er sei zudem für das Seniorenzentrum unabdingbar, Kinder spielten Fußball, besetzten die Spielgeräte und Sandkasten, und der Park habe eine bunte Geschichte. „Hier können sich die Bürger mit ihrer Gemeinde identifizieren, hier finden sie die eigene Geschichte in der Vergangenheit“, sagte Paulus.

Der rührige Betreiber des „Zeitzeugen“-Projekts hatte mit Akribie Dokumente und Artefakte aus der Vergangenheit zusammengetragen, die Bezug zum Grenzacher Heilwasser haben. Paulus freute sich dabei über so manche Gabe aus Privatbesitz. „Jeder hatte seine Geschichte dazu“, sagte er.

Gar nicht so „heilsam“

Paulus schilderte in seinem unterhaltsamen Vortrag die Gesichte von „Bad Grenzach“ und des Heilwassers, von dem man heute weiß, dass es gar nicht so sehr die heilende Wirkung hatte, die man ihm nachsagte. Es sei eher Glaubersalz-Wasser mit abführender Wirkung, stellte Paulus schmunzelnd fest.

Bürgermeister Tobias Benz sagte, nachdem im vergangenen November die Sanierung der Bausubstanz des alten Quellenhäuschens abgeschlossen wurde, folgte nun der zweite Schritt mit der Eröffnung des Museums „Emilianum“. Mit Hingabe habe Paulus hier ein Stück Grenzacher Geschichte gesichert. Viele Projekte der Orts- und Dorfgeschichte warten noch auf ihre Erweckung. Mit der Ausstellung wurde ein erster Baustein geschaffen, sagte Benz, der zusicherte, dass auch die Grenzacher Zehnttrotte gegenüber dem Quellenhäuschen im Rosengarten einen würdigen Platz finden werde: „Der Bau des Schutzdaches ist gesichert.“

Cornelius Wittal, Pressesprecher von Roche Pharma, die das Projekt „Emilianum“ mitfinanziert hat, sagte, es habe Spaß gemacht zu erleben, wie eine Idee zur Realität wird. Dies sei auch einem hochmotivierten Kurt Paulus zu verdanken, der hier etwas Historisches geschaffen habe. Roche fühle sich in Grenzach sehr wohl, und man habe immer an den Standort geglaubt. Das zeige sich in der über 120-jährigen Geschichte des Unternehmens am Ort und der Tatsache, dass Roche weiter in Grenzach investiert und ausbaut.

Paulus betonte, es sei ihm ein persönliches Anliegen, neben dem Quellenhaus eine Erweiterung des Emilianums anzustreben: „Eine Trinkhalle, wie sie historisch hier stand, eine Konzertmuschel, wie sie schon 1970 projektiert war, dazu endlich die große Trotte von Friedrich Richter, um die sich der Verein für Heimatgeschichte schon lange bemüht.“ Um diese Träume Wirklichkeit werden zulassen, will Paulus einen Förderverein ins Leben rufen, wie er ankündigte.

Das „Alcina Quartett“, 14- bis 16-jährige Nachwuchsmusiker in der Besetzung Jonathan Zipperle (Violine), Minami Dettweiler (Violine), Lea Erni (Viola) und Johannes Liesum (Violoncello) umrahmte musikalisch den Festakt zur Einweihung des „Emilianums“. Der AWO-Ortsverein sorgte mit vielen ehrenamtlichen Helfern für die Bewirtung der Besucher.

Weitere Informationen: Das Museum „Emilianum“ ist während der Sommermonate jeweils sonntags ab 15 Uhr geöffnet.