Grenzach-Wyhlen (art). Das Thema „Trauerfall Syrien“ stand im Mittelpunkt der Gedenkveranstaltung anlässlich des Volkstrauertages, die gestern im katholischen Gemeindehaus in Wyhlen stattfand. Bürgermeister Jörg Lutz konnte zahlreiche Besucher zu dieser Gedenkstunde begrüßen. Musikalisch stimmungsvoll umrahmt wurde die Gedenkfeier vom Musikverein Grenzach unter der Leitung von Daniel Frank.

Am Volkstrauertag wird alljährlich der Toten und Opfer von Krieg und Gewaltherrschaft gedacht. Lutz erinnerte daran, dass der Volkstrauertag zum Gedenken an die Kriegstoten des Ersten Weltkrieges eingeführt wurde. Die erste offizielle Feierstunde fand 1922 statt. Bei den Nazis sei der Volkstrauertag zum Heldengedenktag missbraucht worden. Seit 1952 wird der Volkstrauertag immer zwei Wochen vor dem ersten Advent begangen.

Henning Kurz, Leiter der Volkshochschule, sprach das Totengedenken. Mirko Novák, Professor für Vorderasiatische Archäologie an der Universität Bern, hielt einen Vortrag zum Thema „Trauerfall Syrien – Ursachen, Realitäten und Perspektiven“. Novák ist durch seine Ausgrabungen und Reiseleitertätigkeiten seit 25 Jahren eng mit Syrien verbunden.

Syrien sei traditionell ein offenes, tolerantes Land mit einer großen Vielfalt ethnischer und religiöser Gruppierungen, die über viele Jahrhunderte friedlich zusammengelebt hätten, so Novák. Wie kam es dazu, dass sich dies vor drei Jahren schlagartig änderte? Novák erläuterte, wie der „Arabische Frühling“ auch Syrien ergriff. Wurde zunächst für mehr Freiheit und Demokratie demonstriert, so sei daraus durch das rücksichtslose Vorgehen des Regimes inzwischen ein Bürgerkrieg entstanden zwischen vielen verschiedenen konfessionellen, religiösen, ethnischen Interessen und auch unterschiedlicher Interessen von außen. Wie tragisch die Situation ist, verdeutlichte Novak mit Schilderungen über persönliche Schicksale, aber auch mit einigen Zahlen: 120 000 Tote und zwei Millionen Menschen, die ins Ausland geflohen sind. Hinzu komme noch eine große Anzahl von Menschen, die innerhalb des Landes auf der Flucht sind.

Das Schlimmste, was die Menschen in Syrien fürchten, sei „das Gefühl, vergessen zu werden“, so Novák. Helfen könne man auch über Hilfsorganisationen. Flüchtlinge aufzunehmen sei eine Möglichkeit der ersten Hilfe, aber keine dauerhafte Lösung. Abschließend verwies er auf den Verein „Syrienhilfe“, in dem er sich engagiert.