Grenzach-Wyhlen Fast alle hoffen auf eine „Ampel“

Die meisten Menschen haben am Sonntag in den Wahllokalen ihr Kreuzchen bei den Grünen gemacht. Foto: Manfred Herbertz

Das Ergebnis der Landtagswahl vom Sonntag kommt für die Vorsitzenden der Grenzach-Wyhlener Parteien keineswegs unerwartet. Interessant ist dabei allerdings ihr Blick voraus nach Stuttgart: Während Grünen-Chefin Katharina Nobs gerne ein Neuauflage von Grün- Schwarz sähe, würden die Vorsitzenden von SPD, FDP und sogar der CDU die Bildung einer Ampelkoalition befürworten.

Von Tim Nagengast

Grenzach-Wyhlen. Jubel bei den Grünen und der FDP, Nachdenklichkeit bei der CDU und – trotz historisch schwachem Ergebnis – Optimismus bei den Sozialdemokraten: So lässt sich die Stimmungslage bei den Grenzach-Wyhlener Parteivorsitzenden wohl am besten zusammenfassen.

Katharina Nobs, Vorsitzende des Ortsverbandes der Grünen, gibt sich angesichts von 37,4 Prozent der Wählerstimmen für ihre Partei in Grenzach-Wyhlen selbstbewusst: „Wir sind eine grüne Gemeinde und hier auch tief verwurzelt.“ Die Grünen hätten sich immer bemüht, einen Ausgleich zu finden zwischen den Erfordernissen einer solidarischen Gesellschaft, Ökologie und Ökonomie, sagt Nobs. Mit diesem Konzept habe man bereits bei der Kommunalwahl 2019 sehr gut punkten können.

Dass die Grünen im Wahlkreis Lörrach so erfolgreich sind, schreibt die Grenzach-Wyhlener Ortsvorsitzende nicht zuletzt dem Landtagsabgeordneten Josha Frey zu: „Er ist unheimlich rührig, immer dabei, wo es geht, spricht mit den Leuten und kümmert sich. Das erreicht die Menschen.“

Mit Blick nach Stuttgart sähe Nobs „in der gegenwärtigen Situation“ am liebsten eine Wiederauflage der grün-schwarzen Koalition, „denn in einer Ampel müssten drei Partner sich erst finden“. Sollte Grün-Schwarz fortgesetzt werden, müsste, so Nobs, „dann aber das grüne Element noch mehr durchschimmern“.

Genau entgegengesetzt fällt hier die Meinung von Felix Kohler aus. Der junge Vorsitzende der örtlichen CDU ist vom Wahlsonntag, wie er unumwunden einräumt, „komplett enttäuscht“. Seine Partei sollte sich nach dem Debakel „sammeln und das Profil schärfen“. Und dies am besten auf der Oppositionsbank, „zumindest einmal für diese neue Wahlperiode“.

Die Unzufriedenheit der Menschen im Kontext der Corona-Pandemie sei jedoch nur ein Punkt, welcher der CDU geschadet habe. Der andere sei die Maskenaffäre, ärgert sich Kohler. Gerade letzterer Punkt habe die Union noch einmal Stimmen gekostet, wie man nicht zuletzt an höherer Zustimmung bei den Briefwählern ablesen könne. „Und am tollen und engagierten Wahlkampf unserer beiden Kandidaten Christof Nitz und Anja Herzog kann es nicht gelegen haben“, ist Kohler überzeugt.

Auch die FDP sei traditionell stark in Grenzach-Wyhlen und habe mit Felix Düster als Kandidaten obendrein „einen echten Heimvorteil“ gehabt, wie der CDU-Vorsitzende anerkennt.

Felix Düster selbst ist „stolz auf unseren Riesenerfolg in Grenzach-Wyhlen“. Klar habe es mit ihm einen „Heimvorteil“ für die Liberalen gegeben, „aber das ist trotzdem nicht selbstverständlich“. Die FDP habe sich in der Region im Vergleich zur Landtagswahl 2016 sogar noch um rund vier Prozentpunkte gesteigert, freut sich der Vorsitzende des Grenzach-Wyhlener Ortsverbands. Dass es für ihn nicht für ein Mandat in Stuttgart gereicht hat, ist für Düster kein Beinbruch. Das gute Ergebnis von 16 Prozent für seine Partei und seine Person sporne ihn jedoch mit Blick in die Zukunft durchaus zu „weiteren politischen Optionen“ an, sagt Düster. Dies hänge aber auch von seiner privaten und beruflichen Situation ab. Er selbst wolle sich auf jeden Fall weiter im Gemeinderat engagieren und mehr junge Mitglieder für die FDP gewinnen.

Mit Blick nach Stuttgart ist für den Hotelier vom Rührberg klar: „Die CDU ist abgewählt worden.“ Es gelte nun, über die Bildung einer grün- gelb-roten Ampelkoalition zu verhandeln.

„Glücklich, dass es mit einem Mandat für Jonas Hoffmann geklappt hat“, ist derweil Grenzach-Wyhlens SPD-Vorsitzender Frederik Maletzki. Dieses Mandat müsse „ein erster Schritt“ sein, „denn es gibt viel zu tun“. Die SPD müsse an und mit sich arbeiten, ihr Profil wieder schärfen und zu den Themen klar Stellung beziehen, schreibt der 23-Jährige seiner Partei ins Stammbuch.

Das desaströse Ergebnis der SPD von 11,2 Prozent auf Landes- und sogar nur 10,7 Prozent auf Gemeindeebene führt Maletzki nicht zuletzt auf die politische Arbeit im Bund zurück. „Von dort her strahlt vieles bis zu uns aus“, weiß er. Die Sozialdemokraten müssten nun ihre Energiereserven aktivieren und auch gerade vor Ort in Grenzach-Wyhlen in den Bereichen Bildung, Infrastruktur und sozialer Wohnungsbau konsequent das Heft in die Hand nehmen und sich dafür starkmachen, fordert Maletzki.

Was die nächste Stuttgarter Koalition angeht, würde er die Ampel bevorzugen. Sie böte „eine interessante Mischung“, ist er überzeugt.

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