Grenzach-Wyhlen Flatterband gegen das „Fensterln“ im Seniorenheim

Grenzach-Wyhlen - Um die Bewohner von Alten- und Pflegeheimen vor einer Ausbreitung des Coronavirus zu schützen, gilt für diese Einrichtungen derzeit ein Besuchsverbot. Doch nicht überall wird es akzeptiert. Um den Grenzacher Emilienpark musste sogar Absperrband gespannt werden.

Die Tür zum Seniorenheim Emilienpark ist verschlossen. Wer hinein will, muss sich vorher anmelden. Ein Einlass erfolgt nur im äußersten Notfall – so will es die Verordnung des Landes Baden-Württemberg.

Angehörige versuchen, ins Gebäude einzusteigen

Nichtsdestotrotz haben Angehörige von Bewohnern des Grenzacher Pflegeheims offenbar versucht, über geöffnete Fenster Kontakt aufzunehmen beziehungsweise ins Gebäude einzusteigen. Entsprechende Vorfälle hätten sich am vergangenen Donnerstag ereignet, wie Hausleiterin Liliane Ober auf Anfrage bestätigt.

„Es ist wirklich traurig, dass einige Menschen immer noch nicht verstanden haben, dass Maßnahmen wie das Besuchsverbot dem Schutz der Bewohner, die eine Risikogruppe sind, dienen“, klagt Ober. Man habe, um ein Fensterln zu verhindern, dann die entsprechenden Rollläden herunterlassen müssen. Eine „absolute Erstmaßnahme, denn wir mussten handeln“. Dies habe nichts mit Freiheitsberaubung, zu tun, wie Ober klarstellt. „Und selbst dann, wenn wir einen Rollladen herunterkurbeln müssen, sitzt bei uns niemand im Dunkeln, denn wir haben Lichtschalter.“

Gemeindewerkhof spannt Absperrband

Am Freitagmittag habe jemand trotzdem erneut versucht, über ein Fenster im Erdgeschoss in den Emilienpark einzusteigen, um Angehörige zu besuchen. „Da haben wir dann aber ganz deutliche Wort gefunden. Ich hätte so etwas echt nicht erwartet“, berichtet die Leiterin des Emilienparks. Um die Sperrung des Seniorenheims deutlich zu machen, spannten Mitarbeiter des Gemeindewerkhofs daraufhin rot-weißes Flatterband auf. „Am Wochenende kam es dann zum Glück zu keinen weiteren Vorfällen“, sagt Liliane Ober.

Dass Angehörige ihre im Pflegeheim lebenden Verwandten besuchen wollten, sei absolut verständlich. „Aber jetzt geht es um die Gesundheit aller, und wir alle müssen mit Einschränkungen leben. 99 Prozent der Menschen verstehen das auch“, hält Ober fest.

Auch die betagten Hausbewohner zeigten überwiegend größtes Verständnis für das wegen der Corona-Ausbreitung geltende Besuchsverbot im Emilienpark. „Wir sprechen mit den Menschen darüber. Viele Ältere berichten uns dann, dass sie schon ganz andere Zeiten mitgemacht und überstanden hätten“, weiß die Heimleiterin aus Gesprächen.

Und doch sind die Zeiten schwer. Die Sorge, dass Mitarbeiter und Hausbewohner gleichermaßen gesund bleiben, stehe bei der täglichen Arbeit über allem, bekräftigt Ober.

Blumen und Süßigkeiten liegen vor der Tür

Sie freut sich gemeinsam mit ihrem Team dabei über großen Zuspruch von außen. „Viele Angehörige unserer Bewohner rufen hier an, bedanken sich, sprechen uns Mut zu oder schreiben aufmunternde E-Mails“, sagt die Leiterin des Emilienparks dankbar. Besonders schön sei, dass einige Angehörige Blumen oder Süßigkeiten als kleine Aufmerksamkeit vorbeibringen. „Für uns werden Sachen vor die Tür gelegt – das ist wirklich nett.“

Liliane Ober hofft inständig, dass die Coronakrise bald vorbeigeht und der Alltag wieder Einzug halten kann. Denn soziale Kontakte zu Freunden und Angehörigen seien das A und O für die betagten Hausbewohner. „Ich kann den Unmut über die Besuchsverbote wirklich verstehen. Es ist doch für jeden von uns schwer, dass die sozialen Kontakte derzeit so eingeschränkt sind“, sagt sie.

Benz ist informiert

Auch Bürgermeister Tobias Benz hat Kenntnis von den „Zutrittsversuchen“ im Seniorenheim Emilienpark. Ein paar Anrufer hätten sich bei der Gemeinde telefonisch darüber beschwert, dass ihre Angehörigen im Emilienpark „eingesperrt“ worden seien, berichtet Benz auf Nachfrage. Die Hausleitung habe ihm dann bestätigt, dass man die Rollläden heruntergelassen habe – als erste Maßnahme. Eingesperrt worden sei aber niemand, „und das glaube ich der Heimleitung auch“.

Die Gemeinde habe bewusst sehr frühzeitig ein Besuchsverbot in den Heimen erlassen – vier Tage, bevor der entsprechende Erlass des Landes in Kraft trat. „Und dazu stehen wir auch“, bekräftigt Benz, „denn Alte und Pflegebedürftige sind Hochrisikogruppen. Ich kann nur an die Vernunft aller appellieren.“

Wie lange das Absperrband am Emilienpark noch gespannt bleiben wird? Niemand weiß das derzeit.

Liliane Ober und Pflegedienstleiterin Tatjana Kahrsch sind ihrem Team, das in der gegenwärtigen Ausnahmesituation noch mehr als sonst leisten muss, jedenfalls sehr dankbar. Sie haben gestern Nachmittag zwei große Transparente am Seniorenheim Emilienpark aufgehängt – mit einem Dank und einem Herzen darauf.

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