Grenzach-Wyhlen Für die Dorfgeschichte sehr wertvoll

Grenzach-Wyhlen - Es ist ein beeindruckendes Ensemble und prägt das Wyhlener Ortsbild wie kaum ein anderes: das Kloster Himmelspforte mit der davor liegenden Klostermühle. Seit dem Tode des letzten Müllers, Franz Mutter, der vor fünf Monaten im gesegneten Alter von 96 Jahren starb, steht die Klostermühle leer und soll jetzt verkauft werden. Ihr Ursprung reicht ins 14. Jahrhundert zurück.

Wer vor der Klostermühle steht, kann dort über dem Türsturz die Jahreszahl 1329 lesen. Und wer das altehrwürdige Gebäude betritt, den umweht tatsächlich die Geschichte aus fast 700 Jahren. Auch wenn das Anwesen in den Jahrhunderten vielfach um- und nach einem Brand auch wieder neu aufgebaut wurde, wird man kaum ein Gebäude in der Gemeinde finden, welches auf eine längere Geschichte verweisen kann.

Historische Mahlstube

Fast ehrfurchtsvoll blickt man als Besucher auf dicke Bruchsteinwände, die, könnten sie reden, unzählige Geschichten erzählen würden. Die zum Dorf gewandte Giebelseite lässt noch das alte Fachwerk durchschimmern.

Die Mahlstube macht den Eindruck, als wäre der Müller nur mal kurz vor die Tür getreten, um auf die Anlieferung der Getreide- und Kornsäcke zu warten. In der Stube steht, neben den Walzenstühlen von anno 1950, auch noch ein Mahlgang mit zwei Mühlsteinen. Jeder hat einen Durchmesser von 130 Zentimetern. Die Mahlstube wurden zunächst von einem Wasserrad und später von einer Wasserturbine angetrieben, die aus dem noch heute vorhandenen Mühleteich gespeist wurde.

In der Wohnstube steht ein großer grüner Kachelofen, der – inzwischen erkaltet – trotzdem die Behaglichkeit ahnen lässt, die er in der kalten Jahreszeit ausstrahlt. Ein großer Backofen und Keramiken aus alter Zeit lassen beim Besucher beinahe einen musealen Eindruck aufkommen.

Für mögliche Neubesitzer ein echtes „Projekt“

Ein zur Klostermühle gehörendes Ökonomiegebäude wurde 2014 aus dem Denkmalschutz herausgenommen und abgerissen. Damals waren bereits Stimmen laut geworden, die ein Engagement der politischen Gemeinde und des Vereins für Heimatgeschichte anmahnten. Beide hatten jedoch betont, die damit einhergehende finanzielle Last nicht schultern zu können. Ähnliche Stimmen könnten auch heute wieder laut werden, denn das denkmalgeschützte Anwesen steht zum Verkauf. Doch bei aller Schönheit des Hauses hatte schon Franz Mutter eingeräumt: „Es zu erhalten, kostet sehr viel Zeit und Geld.“

1329 als „muhla ze wilon“ erstmals erwähnt

Felix Mutter, der das Anwesen zusammen mit seiner Schwester Johanna Braun besitzt, weiß von einer wechselvollen Geschichte der Klostermühle zu berichten.

Eine erste urkundliche Erwähnung findet die Mühle, die sich über Jahrhunderte im Besitz der Himmelspforte befand, im Jahr 1329 („…von der muhla ze wilon…“). Eine weitere Urkunde aus dem Jahr 1344 berichtete von einem Eigentumsstreit. Damals beanspruchte ein Konrad Brenner aus Neuenburg die Mühle. Dies wurde jedoch durch den ersten urkundlich erwähnten Bürgermeister Wyhlens, Gerung Sydinman, abgewiesen. Zwischen 1400 und 1600 liegt die Geschichte der Mühle im Dunkeln; die Chroniken geben über diese Zeit nichts her. Während des 30-jährigen Krieges (1618 bis 1648) brannte die Klostermühle ab, wurde aber 1659 wieder aufgebaut. Die Äbte von Bellelay verpachteten die Mühle dann als Erblehen.

Zu Beginn des 19. Jahrhunderts wurde das Priorat Himmelspforte aufgelöst, das Kloster wurde versteigert, und ein Fridolin Weber kaufte 1810 die Klostermühle für 3300 Gulden. Im Jahr 1890, nach mehreren Eigentümerwechseln, kaufte Josef Mutter die Mühle einem Johann Baptist Baur aus Wittelsheim (Elsass) ab. Damit legte er den Grundstein für die Familientradition.

Bis 1971 drehten sich die Mühlsteine in dem historischen Gemäuer, dann standen sie für immer still. Letzter Betreiber war Franz Mutter, der im vergangenen November verstorben ist. Mutter hatte die Mühle 1956 nach dem Tod seines Vaters übernommen. Nach dem Ende des Mahlbetriebs führte er bis Ende der 1970er Jahre noch im Nebenerwerb einen Land- und Futtermittelhandel.

Betrieb der Klostermühle endete im Jahr 1971

Franz Mutter – ein echtes Wyhlemer Original – hatte sich stets mit viel Engagement für soziale und kulturelle Belange in Wyhlen eingesetzt. Die ehemalige Mahlstube wurde zu einem gern genutzten Begegnungsort. Unter Franz Mutters Regie fand vor 31 Jahren auch eine fachgerechte Renovierung statt, in die auch das Landesdenkmalamt miteinbezogen war. 2018 schließlich übertrug Franz Mutter die Klostermühle an seine Kinder Johanna Braun und Felix Mutter.

Keine Frage: Es steckt viel Arbeit darin, den Neun-Zimmer-Bau und die dazu gehörenden 9000 Quadratmeter Land zu erhalten.

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