Grenzach-Wyhlen Gemeinde will Emilienpark verkaufen

Archivfoto: Rombach Foto: Die Oberbadische

Die Gemeinde Grenzach-Wyhlen plant, das Seniorenzentrum Emilienpark zu veräußern. Dazu führt sie bereits Gespräche mit dem Pächter der Pflegeeinrichtung, dem AWO-Bezirksverband Baden (Arbeiterwohlfahrt). Welche Summe im Raum steht, war nicht in Erfahrung zu bringen.

Von Tim Nagengast

Grenzach-Wyhlen. Sowohl Bürgermeister Tobias Benz als auch AWO-Bezirksverbandsgeschäftsführer Klaus Dahlmeyer bestätigten gestern entsprechende Informationen unserer Zeitung. Benz zufolge ist der Besitz einer Seniorenpflegeeinrichtung einerseits „keine kommunale Kernkompetenz“, andererseits beweise die AWO seit Jahrzehnten ihre Kompetenz im und mit dem Emilienpark.

Dass die Kommune den „Emi“, wie ihn der Volksmund nennt, abstoßen will, hat aber auch mit anstehenden Sanierungen und Investitionen zu tun, wie Benz unumwunden einräumt. „Was da gemacht werden müsste, bekämen wir als Gemeinde nie wieder refinanziert“, sagt der Rathauschef. Die AWO habe da ganz andere Möglichkeiten, wenn sie das Haus selbst besäße.

Gemeinde will AWO als Betreiberin

Dahlmeyer zufolge laufen die Gespräche zwischen der in Karlsruhe sitzenden AWO Baden und der Gemeinde Grenzach-Wyhlen sehr konstruktiv. Im Grunde genommen wollten beide Seiten nämlich dasselbe: eine gesicherte Zukunft für den Emilienpark. „Wenn wir als AWO das Haus nicht nur betreiben, sondern auch besitzen, können wir die anfallenden Investitionen ganz anders steuern“, hält Dahlmeyer fest. „Das vereinfacht viele Dinge.“ Zudem besitze die AWO das Gros der Häuser, welche sie betreibe, selbst.

Heime als Renditeobjekte

Ob die AWO Mitbewerber hat, was den Kauf des Emilienparks angeht? „Ich weiß von nichts“, sagt Dahlmeyer, räumt mit Blick auf die europaweiten „Einkaufstouren“ von Großinvestoren aber ein, dass Seniorenheime als Renditeobjekte gegenwärtig sehr gefragt sind. „Wir sind aber kein privater Betreiber. Wir haben zum Glück keine Aktionäre, für die wir eine Rendite erwirtschaften müssten“, stellt der Bezirksverbandsgeschäftsführer klar. Überhaupt sei das Verhältnis zur Gemeinde Grenzach-Wyhlen „hervorragend“. Und darauf wolle man aufbauen.

Dies sieht auch Benz so. Die AWO habe bereits Investitionsbereitschaft signalisiert. Es sei daher klar, dass die Kommune mit dem bisherigen Pächter spreche, „denn wir wollen das Haus in guten Händen wissen“. Obendrein solle der Emilienpark im Falle des Verkaufs an die AWO „mit Betriebsgarantie weitergeführt“ werden.

Gerüstet für die Zukunft

Was den von der Landesheimbauverordnung geforderten Umbau von bisherigen Zwei- zu Einbettzimmern angeht, ist der „Emi“ nach erfolgreichem Antrag auf Befreiung bereits auf der sicheren Seite. Von den 18 Doppelzimmern mussten nur sechs umgewandelt werden. „Diese gefundene Lösung gilt bis ins Jahr 2035“, weiß Dahlmeyer, der für die Grenzacher Seniorenpflegeeinrichtung eine technische Modernisierung in Aussicht stellt. So sollen die Pflegekräfte dank neuer Software und iPads von jeder Menge Papierkram –­ und Lauferei – entlastet werden: „Die Pflegedokumentation läuft dann künftig direkt auf dem iPad und wird automatisch übertragen.“ Das Suchen nach Ordnern und Ausfüllen von Formularen sowie der händische Eintrag von beim Bewohner erbrachten Leistungen soll dann der Vergangenheit angehören.

Weitere Informationen: Das „AWO-Seniorenzentrum Emilienpark“ wurde im Jahr 1987 eröffnet, anno 2009 saniert und gleichzeitig um ein Gebäude erweitert. Es stehen aktuell 100 Pflegeplätze zur Verfügung. Die AWO Baden beschäftigt im „Emi“ 95 Mitarbeiter sowie elf Auszubildende. Weitere wertvolle Hilfe leisten etliche ehrenamtliche Helfer. Das im Haus integrierte Café „Quellenstüble“ wird vom AWO-Ortsverein Grenzach-Wyhlen betrieben.

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