Grenzach-Wyhlen Energiedienst baut in Wyhlen die größte Power-to-Gas-Anlage im süddeutschen Raum

Die Oberbadische

Die von der Firma Energiedienst (ED) auf ihrem Kraftwerksgelände in Wyhlen geplante weitere Wasserstofferzeugungsanlage mit fünf Megawatt Leistung soll mit Beginn des Jahres 2025 den Betrieb aufnehmen. Sie wäre – Stand heute – die größte ihrer Art in Süddeutschland. Im Gemeinderat stößt das Projekt auf große Gegenliebe, zumal ED-Vertreter im Gremium versicherten, die nebenan befindliche „Liegewiese“ nicht anzutasten.

Von Tim Nagengast

Grenzach-Wyhlen. „Wir haben keinerlei Absicht, das eingezäunte Werksgelände zu verlassen“, die benachbarte Wiese, die ED gehört, sei „unantastbar“, versicherte Peter Trawitzki (Senior Manager Unternehmensentwicklung bei ED) am Dienstagabend im Gemeinderat auf mehrfaches Nachhaken aus dem Gremium. Alles, was ED in Wyhlen vorhabe, werde sich innerhalb des eingefriedeten Bereichs abspielen, sagte Trawitzki. Die bei Freizeitnutzern – etwa zum „Sünnele“ – beliebte Wiese unterhalb des Parkplatzes soll somit frei zugänglich bleiben.

Wollte der Energieerzeuger dereinst doch etwas anderes mit seiner Rasenfläche anstellen, wäre ein Bebauungsplan nötig. „Und dieser würde hier doch bestimmt niemals durchgehen – was ich auch sehr gut verstehe“, sagte Andreas Bittner vom ED-Projektpartner EnBW.

Nichts ändert sich auch beim Kraftwerksteg, dem beliebten Grenzübergang für Radfahrer und Spaziergänger hinüber nach Augst. Der Übergang zur Schweiz werde von den Bauarbeiten der neuen „Power-to-Gas“-Anlage („P2G“) zu keiner Zeit tangiert. „Der bleibt auch unangetastet. Außerdem ist der Wehrübergang Deutschland-Schweiz sogar Teil der Kraftwerkskonzession“, führte Trawitzki aus.

Bund fördert das Projekt mit 13,5 Millionen Euro

Energiedienst will seine Kapazitäten zur Wasserstofferzeugung in Wyhlen deutlich ausbauen. Geplant ist die Errichtung einer weiteren „Power-to-Gas/P2G“-Anlage neben dem Wyhlener Wasserkraftwerk. Der Bund fördert das „Reallabor H 2-Wyhlen“ mit insgesamt rund 13,5 Millionen Euro.

Die geplante Anlage soll die fünffache Kapazität im Vergleich zu bestehenden haben. Fünf Megawatt ist die Minimalgröße, damit ED und seine Projektpartner die entsprechende Fördersumme bekommen können. Der Grund, warum der Bund derart tief in die Tasche greift, ist, dass der Wasserstofftechnologie aus Bundessicht im Sinne von CO 2-Ausstoßreduzierung und Klimaschutz eine Schlüsselrolle zufällt.

Projekte wie das in Wyhlen sollen als „Reallabore“ aufzeigen, wie tragfähige Geschäftsmodelle und Betriebsstrategien in obengenanntem Sinne entwickelt und dabei auch qualifizierte Arbeitsplätze geschaffen respektive erhalten werden können. Außerdem soll die Wasserstoff-Elektrolyse weiterentwickelt und auch die öffentliche Akzeptanz derselben im Zuge der Energiewende gestärkt werden.

Bestehende Anlage ist seit Juni außer Betrieb

Am Wasserkraftwerk Wyhlen ist seit rund zwei Jahren eine „P2G“-Anlage in Betrieb. Sie erzeugt aus dem direkt vor Ort produzierten grünen Strom normalerweise eine Elektrolyseleistung von einem Megawatt. Seit einem Zwischenfall Ende Juni, als Kalilauge-Nebel austrat (wird berichteten ausführlich), ist die Anlage allerdings stillgelegt.

Wie Trawitzki am Dienstag im Gemeinderat berichtete, sei es aufgrund von „Materialversagen“, einer Undichtigkeit im Zuge von Korrosion, zu dem Vorfall gekommen. Im Bereich Februar, März des kommenden Jahres wolle ED den reparierten Elektrolyseur wieder in Betrieb nehmen.

Fraktionen signalisieren Zustimmung

Damit ED die neue Fünf-Megawatt-Anlage bauen kann, ist ein vorhabenbezogener Bebauungsplan notwendig. Er dient als Grundlage, um die weiteren Planungsschritte abzusichern. Nichtsdestotrotz ist damit noch keine formelle Zustimmung des Gemeinderates verbunden, denn die Planungshoheit bleibt bei der Gemeinde Grenzach-Wyhlen. Mit dem Abschluss eines städtebaulichen Vertrages zwischen der Firma Energiedienst und der Kommune hat der Gemeinderat am Dienstagabend aber erste wichtige Weichen gestellt. Zahlreiche Wortmeldungen aus dem Gremium signalisierten zudem, dass sämtliche Fraktionen das Vorhaben von ED in dessen Grundzügen mitzutragen bereit sind.

Lastwagen mit höherer Kapazität geplant

Wie bisher schon soll der Wasserstoff via Lastwagen abtransportiert werden. ED rechnet Trawitzki zufolge mit etwa einem Dutzend Fahrten pro Tag, wenn die neue Fünf-Megawatt-Anlage ab 2025 im Regelbetrieb ist. In der Praxis werde sich die Zahl der Lkw-Fahrten aber wohl noch deutlich reduzieren, weil zukünftig Trailer mit bis zu 350 Bar Druckkapazität zum Einsatz kommen sollen. Die derzeitigen haben 200 Bar. Bittner dazu: „Wir wollen keinen Lärm machen, sondern guten Wasserstoff.“

Bis die weitere „P2G“-Anlage in Wyhlen den Betrieb aufnimmt, fließt noch viel Wasser den Rhein hinab. Die Vertreter von ED sicherten im Gemeinderat aber zum wiederholten Male ein so transparentes Vorgehen wie möglich zu. Man wolle alle Beteiligten, darunter natürlich die Anwohner, regelmäßig an einen Tisch holen. Auch werde es einen Bürgerinfoabend geben, in dessen Rahmen man Fragen beantworten und die Pläne detailliert darlegen werde.

Laufende Klage hat keinen Einfluss

Keine aufschiebende Wirkung hat übrigens die laufende Klage gegen den Bundesimmissionsschutzgesetz-Bescheid vor dem Freiburger Verwaltungsgericht. Die bestehende Genehmigung, die ED für den Betrieb seiner „P2G“-Anlage hat, könne parallel geändert werden, ohne dass man den Entscheid der Richter abwarten müsse.

Fotovoltaik und Abwärmenutzung

Die Firma ED will ihr Kraftwerk samt Gelände in Wyhlen möglichst effizient nutzen. Neben Strom durch Wasserkraft und darüber produziertem grünen Wasserstoff soll auch verstärkt Fotovoltaik zum Einsatz kommen. Unter anderem sollen an der schrägen Niveaukante des Areals (frühere Kohlenschütte) Solarpanels angebracht werden. Außerdem will ED zu gegebener Zeit Nutzungsmöglichkeiten für die vor Ort entstehende Abwärme ausloten.

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