Grenzach-Wyhlen Große Oper im kleinen Wyhlen

Begeisterndes Musizieren mir Tamás Vásárhelyi (v.l.): Georg Dettweiler, Inga Piwowarska, Francesco Negrini und Sacha Schönhaus. Foto: Willi Vogl Foto: Die Oberbadische

Das neunte Festival „Klassikanderswo“ fand dieses Malunter dem Motto „Uf de Gass“ in der Wyhlener Ortsmitte statt. Als Konzertsaal diente die ursprünglich als Festsaal erbaute Turnhalle der ehemaligen Hebelschule.

Von Willi Vogl

Grenzach-Wyhlen. Die Halle war ursprünglich für 600 Menschen geplant. Aktuell waren beide Konzerte mit identischem Programm und einer Konzertbestuhlung von 199 Stühlen ausverkauft.

„Sie hören Stücke aus der Zeit Chagalls oder von Komponisten, die den Maler bewegt haben“, machte der künstlerische Leiter Georg Dettweiler neugierig auf die kombinierte Präsentation von Musik und der Bilder Chagalls, die mittels Leinwandprojektion mit der Klangkunst korrespondierten. Dabei konnte sich das Publikum immer wieder etwa in den Zusammenhang zwischen dem bunt-melancholischem Motiv von Chagalls Geiger und frisch musizierter Klezmer-Musik einträumen.

Mit Sergei Prokofjews Ouvertüre über hebräische Themen wurde der Konzertreigen um den französischen Malerpoeten mit russisch-jüdischer Herkunft eröffnet. Statt der Originalbesetzung mit Klarinette, Klavier und Streichquartett erklang das Werk in einer Bearbeitung mit Francesco Negrini (Klarinette), Daniela Timokhine (Klavier), Tamás Vásárhelyi (Violine), Georg Dettweiler (Violoncello), Inga Piwowarska (Akkordeon) und Konstantin Timokhine (Horn).

Das Ensemble erzeugte einen schwelgerischen heterophonen Melodiestrom in feinster kammermusikalischer Qualität, angereichert mit trockenen Staccati und gegliedert durch knackige Abschlüsse. Besonders beeindruckten Klarinettist Francesco Negrini mit äußerst differenzierter Artikulation und Konstantin Timokhine durch seine delikate Tongebung auf dem Horn.

Eingestreute Titel der Klezmertradition

Aus Timokhine Feder stammten auch die verschiedenen Bearbeitungen des Abends, in denen er sich als Multiinstrumentalist an der Trompete, dem Klavier und der kleinen Trommel einbrachte. In Jerzy Petersbursgis Tango „Ermüdende Sonne“ übernahm er im Wechsel mit seinem fein näselnden Spiel auf der gedämpften Trompete gar die Rolle eines charmanten russischen Tangosängers.

In den gesamten Programmfokus zwischen melodischem Schmelz und klanglichem Fingerzeig auf das Jenseits fügten sich auch das Lacrimosa aus Mozarts Requiem oder die Arie „Erbarme Dich mein Gott“ aus Johann Sebastian Bachs Matthäuspassion aufs Schönste ein.

In dieser steuerte Sacha Schönhaus freie figurative Kommentare zum meditativen Fluss der Bach’schen Vorlage auf dem Sopransaxofon bei. Hier wie in den eingestreuten Titeln der Klezmertradition bezaubert Schönhaus auch als Klarinettist genrekonform mit rezitativisch sprechenden Gesten zwischen wattig gehauchten Trillern, knautschiger Expressivität und impulsivem Schluchzen.

Im Gedenken an Chagalls Pariser Zeit konnte man vor dem Klanghintergrund eines französischen Chansons das von ihm gestaltete Deckengemälde in der Pariser Oper bewundern. Große Oper war auch im Festsaal der ehemaligen Hebelschule mit dem akkurat von der kleinen Trommel geführten Bolero von Maurice Ravel und einem Prelude von George Gershwin angesagt.

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