Werner Richter, Grenzacher Original, alemannisches Urgestein und Heimatdichter, ist am vergangenen Freitag im Alter von 89 Jahren gestorben (wir berichteten kurz). Geboren wurde Richter am 10. Februar 1929, „am Fasnachtssunndig-Nomittag ischs gsi“, wie er selbst in seinem Gedicht „Mii frohe Lebensweg“ geschrieben hat.

Von Manfred Herbertz

Grenzach-Wyhlen. Richter wuchs in Grenzach an der Hebelstraße auf. Zuletzt lebte er im Seniorenheim „Emilienpark“. Seine Kindheit verbrachte Richter als „Nescht­höckerle“ mit einer Schwester und zwei Brüdern. Im Jahr 1944, kurz vor Ende des Krieges, wurde er noch eingezogen.

Nach dem Krieg begann Werner Richter eine Schuhmacherlehre. In Basel brachte er es bis zum Werkstattmeister. Nebenher betätigte er sich als Hobbylandwirt, und auch der Sport fesselte ihn zeitlebens. Besonders Leichtathletik und Turnen hatten es ihm angetan. 1960 heiratete Richter seine Jugendliebe Yvonne, die er bereits 1950 kennengelernt hatte. Yvonne Richter ist vor kurzem erst ihrem Mann vorausgegangen.

In den 1960er Jahren begann „Werni“, wie er von seinen Freunden genannt wurde, auch zur „Feder zu greifen“: Der Heimatdichter war geboren. Seine unbändige Liebe zur Heimat, zur Regio und besonders zu „seinem“ Grenzach zeichnete ihn aus. Diese Liebe fand auch immer wieder ihren Niederschlag in seinem dichterischen Schaffen. 1975 erschien sein erster Gedichtband unter dem Titel „Hornfelsewind“, dem zahlreiche weitere Veröffentlichungen, darunter sein wohl bekanntestes Werk „Erdguu“ (1980), folgten. Das Buch „Wenn man an einer Grenze wohnt“ war seine zwölfte und letzte Veröffentlichung. „E Dutzend wird jo wohl länge“, hatte Richter anlässlich seines 80. Geburtstags schelmisch lächelnd gesagt.

Richter hat aber auch die Narretei entscheidend geprägt. Unter anderem war er 22 Jahre lang bei den Grenzacher Zunftabenden aktiv. Er hat mit dazu beigetragen, die Zunftabende zu dem zu machen, was sie heute sind. Eine Vielzahl von alemannischen Abenden bestritt er, jeweils verfolgt von einer großen Fangemeinde.

Zahlreiche Ehrungen wurden Werner Richter zuteil, darunter die Ehrenadel des Landes für seine Verdienste im Ehrenamt. 1987 erhielt er die Hebel-Plakette in Hausen. 1998 folgte die Auszeichnung mit der „Johann-Peter-Hebel-Medaille“ der Muettersproch-Gsellschaft Hegau.

Eine Sonderehrung im Bereich Sport und Kultur gab es für Werner Richter noch im Jahr 2015 durch die Gemeinde Grenzach-Wyhlen. Im Bereich Sport hatte sich „Werni“ Richter im TV Grenzach und im Markgräfler-Hochrhein-Turngau (MHTG) über Jahrzehnte betätigt. Im MHTG gilt er auch als „Vater des Turnens für Jedermann“, sagte damals Bürgermeister Benz in seiner Laudatio.

Werner Richter ist auch auf dem „Feldberger Dichterwegli“, einem Lehrpfad, auf dem 20 Tafeln mit Versen alemannischer Mundartdichter zu sehen sind, vertreten. Mehr als 37 Jahre lang schrieb Richter zudem im Markgräfler Tagblatt die Kolumne „De Ohrechrübler“.

Sein Gedicht „Mii frohe Lebensweg!“ schließt mit den Zeilen: „Mii Jugendzit heißt truurig: Hungerliide! / Dochs Frohsii het mii all zuem Guete gemahnt / und Schicksal het au ohni Samt und Siide / e frohe Lebensweg mir glücklich bahnt!“

Weitere Informationen: Die Trauerfeier für den verstorbenen Heimatdichter findet am Freitag, 23. März, ab 16 Uhr in der Abdankungshalle auf dem Friedhof in Grenzach statt. Die Urne wird zu einem späteren Zeitpunkt im Familienkreis beigesetzt.