Grenzach-Wyhlen Homogen und ausdrucksstark

Die Oberbadische, 10.10.2016 22:57 Uhr

Der Erlös des am Sonntagabend für den Helferkreis „Amiko“ in der Kirche St. Michael veranstalteten Benefizkonzertes mit Lesung soll die Integration der vornehmlich aus dem arabischen Raum stammenden Asylbewerber in der Gemeinde fördern. Sprecherin Irene Blaha deutete dabei in ihrer Begrüßung diverse Aktivitäten wie die Begleitung von Arztbesuchen, Behördengänge und Sprachkurse an.

Grenzach-Wyhlen. Initiiert wurde das Konzert von der in Grenzach-Wyhlen lebenden Sopranistin Monika Mauch. Die programmatische Konzeption mit barocker Musik sowie Bibeltexten und Texten von zeitgenössischen Schriftstellern stammte vom Organisten Wolf-Eckart Dietrich.

Deutlich und mit zurückgehaltener Emotion brachte Andrea Bettini die Texte zu anregender Anschaulichkeit. Nicht nur die zeitgebundenen Elegien „im Heulen fröhlich sein“ des Psalms 137, Wolfgang Goethes „Die Flüchtenden“ oder Nelly Sachs’ „Chor der Waisen“ berührten.

Gegenwartsbezug

Vor allem die zeitgenössischen Texte aus dem Roman „Gehen, ging, gegangen“ von Jenny Erpenbeck und Auszüge aus der Rede Navid Kermanis zur Verleihung des Friedenspreises des Deutschen Buchhandels schafften einen hautnahen Bezug zum aktuellen Flüchtlingsthema. Erpenbecks gesprächsweise Schilderung einer bisweilen grotesken Fluchtsituation gelangte in ihrem nüchternen Duktus zu großer Glaubwürdigkeit.

Kantige Musizierweise

Kermani schilderte vor dem Hintergrund von Gewalt und Zerstörung eine Utopie im Zusammenleben zwischen Christen und Muslime und rief zum Gebet auf.

Wolf-Eckart Dietrich eröffnete in kantiger Musizierweise mit einem Präludium in D von Dietrich Buxtehude und zeigte sich in einer vielgestaltigen Passacaglia desselben Komponisten mit sprechenden Artikulationen und bewegter wie bewegender Tempoführung.

Mystische Momente

In Arcangelo Corellis Sonata da Chiesa f-Moll op. 3 No. 9 zelebrierten die Violinistinnen Elisabeth Weber und Natalie Carducci mit lustvollem Schmerz die Dissonanzen im Praeludio Grave, während Bruno Hurtado Gosalvez auf der Viola da Gamba im Allegro wie selbstverständlich mit flinkem Bogen beeindruckte. Figürliche Koketterie über einem Orgelpunkt und ein kühn modulierendes Adagio gab Natalia Carducci mit einem Satz aus Johann Sebastian Bachs Sonata in e-Moll zum Besten. Schlichte Kleingliedrigkeit war in der Sonata No. VI „Christus am Ölberg“ von Heinrich Ignaz Franz Biber zu hören. Elisabeth Weber verstand es mit erlesener Artikulationskunst, dem Werk auch starke mystische Momente zu entlocken.

Psalmvertonung

Die Psalmvertonung „Aus der Tiefe rufe ich, Herr zu dir“ von Christoph Bernhard sowie die Cantaten „Singet dem Herrn ein neues Lied“ und „Herr wenn ich nur dich habe“ von Dietrich Buxtehude schließlich brachten auch textliche Aussagen zum Klingen. Monika Mauch überzeugte in den Melismen der Psalmvertonung mit impulsiver Tongebung und schmachtendem Schmelz. In Buxtehudes Cantata zum Konzertende bildete vor allem ihre glockenreine Höhe das hoffnungsfördernde klingende Pendant zur jubelnden Textaussage.

Paul Kieffer an der Theorbe war ein weiterer exzellenter Musiker dieses stilistisch homogen wie ausdrucksstark musizierenden Ensembles.