Grenzach-Wyhlen In Wyhlen wird Wasser gespaltet

Die beiden „Stacks“ sind der Kern der Anlage, darin wird Wasser in Sauerstoff und Wasserstoff zerlegt. Foto: Rolf Reißmann Foto: Die Oberbadische

Die künftige Wasserstofferzeugung in Wyhlen durchläuft gerade die Phase der Inbetriebnahme. Dazu gehören zahlreiche Prüfungen und Abgleichungen. Ziel sind klare Nachweise, dass die Anlage so läuft wie vorgesehen und dass sie in jeder Phase volle Sicherheit gewährleistet.

Von Rolf Reißmann

Grenzach-Wyhlen. „Dabei ist jedes Detail zu prüfen, vor allem unter Belastung,“ erklärte Projektingenieurin Dagmar Kaiser. „In diesen Wochen fahren wir die Anlage in sehr unterschiedliche Belastungsstufen, auch unter Vollast.“ Technisch gesehen ist der Bau der Anlage also abgeschlossen. Die Lage der Wasserstofferzeugung auf dem Gelände des Kraftwerkes Wyhlen ist besonders günstig. Wasser kann auf kurzem Wege direkt aus dem Rhein entnommen werden. Der notwendige Strom wird direkt aus dem Kraftwerk zugeführt.

In zwei „Stäcks“ wird das Wasser „gespaltet“

Kernstück der Anlage sind zwei sogenannte „Stacks“ mit jeweils 112 Zellen, in denen die alkalische Elektrolyse, also das Zerlegen des Wassers in Wasserstoff und Sauerstoff, erfolgt. In der Mitte jeder Zelle sind Kathode (Minuspol) und Anode (Pluspol) angebracht. Beim Vorbeifluss spaltet sich das Wasser dabei in seine Bestandteile Sauerstoffstoff und Wasserstoff auf. Der sich an der Kathode ansammelnde Wasserstoff wird in das Leitungssystem geführt, der Sauerstoff in die Atmosphäre abgeleitet. Er wird die „Qualität 5.0“ erreichen, das heißt mit einem technischen Reinheitsgrad von 99,999 Prozent. Damit ist er für alle technischen Abläufe, die sauberen Wasserstoff benötigen, geeignet.

Ausgeklügeltes Messystem

Anschließend wird der Wasserstoff in die Verdichterstation geleitet. Diese ist baulich von der deutlich größeren Erzeugerstation getrennt. Die Verdichterstation ist auch der einzige Raum, in dem Explosionsgefahr entstehen könnte, falls Leitungen undicht und so die Konzentration von vier Prozent Wasserstoff in der Luft erreicht würde. Doch ein ausgeklügeltes Messsystem schlägt bereits bei deutlich niedrigeren Wasserstoffanteilen an. Sollte an irgendeiner Stelle eine Störung eintreten, schaltet die gesamte Anlage automatisch ab.

Gelagert wird der Wasserstoff unter einem Druck von 300 Bar in Stahlflaschen, in drei Sektoren sind insgesamt 300 davon außen angeordnet. Letztes Element der Anlage ist die Abfüllstation, die drei Stände für Tankfahrzeuge sind durch Betonwände voneinander getrennt.

Wenn die Lastwagen rückwärts eingefahren sind, werden sie geerdet, dann erfolgt je nach Tankinhalt der bis zu 90 Minuten andauernde Ladevorgang.

TÜV überprüft alle Elemente

Alle Element wurden bereits durchgelüftet, nun geht es um das Zusammenwirken. Die notwendigen Prüfungen nimmt der Technische Überwachungsverein (TÜV) vor. Die Genehmigung für den Betrieb erteilt anschließend das Regierungspräsidium Freiburg. Da allerdings jedes einzelne Prüfungsergebnis für sich bewertet wird, zieht sich die Inbetriebnahme noch einige Zeit hin. Dann erst beginnt ein vierwöchiger Probebetrieb.

Anfangs Chemieindustrie als Hauptabnehmer

Anfangs wird wohl der Großteil des hier hergestellten Wasserstoffes noch von der chemischen Industrie abgenommen, wegen seiner Reinheit ist er aber auch für Autos mit Brennstoffzellenantrieb geeignet. Sobald diese Technologie in die Massenproduktion geht, können dann neu entstehende Tankstellen für Autos mit Wasserstoff aus Wyhlen beliefert werden. Derzeit fasst der Tank eines solches Fahrzeug rund vier Kilogramm Wasserstoff und kann damit etwa 460 Kilometer zurücklegen.

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