Grenzach-Wyhlen „Jetzt mal die Kirche im Dorf lassen“

Neuer Treffpunkt für „Assis“ in Grenzach? Foto: Tim Nagengast

Grenzach-Wyhlen - Nicht klein beigeben möchte Gregor Anthony mit Blick auf die von der Gemeinde am Schlösslibrunnen aufgestellte Sitzbank. Der Besitzer des Grenzacher Schlosses befürchtet bekanntlich Nachteile für sich. Beispielsweise hat er Angst, die Sitzbank könnte ungebetene Gäste anziehen. Das sieht Bürgermeister Tobias Benz anders. Die Fronten zwischen Schlossherr und Rathausspitze sind verhärtet.

„Überall in der Gemeinde freut man sich, wenn Bänke aufgestellt werden – nur hier nicht“, schüttelte Benz im Gemeinderat den Kopf. Zu dessen jüngster Sitzung am Dienstagabend war Anthony als Zuhörer erschienen. Der Musiker stammt ursprünglich aus Großbritannien und hatte daher einen Bekannten gebeten, aus sprachlichen Gründen für ihn die Fragen an die Verwaltung zu richten.

Unter anderem wollte der Schlossbesitzer von Benz wissen, weshalb ein Großteil der Bepflanzung am Schlösslibrunnen, der nahe dem Eingang zu seinem Privatareal steht, gerodet worden sei. Auch für die inzwischen fest im Boden verankerte Bank – Anthony hatte sie vor einiger Zeit eigenmächtig entfernt (wir berichteten) – habe er an dieser Stelle weiterhin kein Verständnis. „Sie ist nicht historisch“, ließ Anthony mitteilen. Es gebe abends schon genügend Probleme mit Lärmbelästigungen im und um den Emilienpark. Eine weitere Sitzbank locke doch nur Personenkreise an, von denen Probleme ausgehen könnten. Überdies hatte der Schlossbesitzer vor einiger Zeit 37 Unterschriften gegen die Bank am Brunnen an die Gemeinde übergeben (wir berichteten).

Benz: „Wir weichen nicht zurück“

Bürgermeister Benz hörte sich all dies sichtlich ungehalten an. Dabei bekräftigte er, dass Brunnen und Bank beide auf öffentlichem Grund stünden. Laut Flächennutzungsplan handele es sich genauer gesagt sogar um eine öffentliche Grünfläche, welche die Gemeinde eben wieder herrichten wolle. „Warum mein Amtsvorgänger Ihnen angeblich versprochen haben soll, eine öffentliche Grünfläche eben nicht zu pflegen, ist nicht nachvollziehbar. Es gibt dazu auch keine Aufzeichnungen“, sagte Benz in Richtung von Gregor Anthony, der von einer entsprechenden Abmachung aus früherer Zeit gesprochen hatte.

Obendrein sei dem Ordnungsamt bisher noch kein einziger Fall von Lärmbelästigung im Bereich des Schlösslibrunnens gemeldet worden, hielt der Rathauschef fest, der nicht glaubt, „dass das dort ein Brennpunkt wird“. Sollte es aber tatsächlich Probleme geben, „dann werden wir auch handeln“, versicherte Benz. Gleichzeitig bat er Anthony aber darum, „jetzt mal die Kirche im Dorf zu lassen“. Dass die Bank kürzlich eigenmächtig entfernt wurde, sei nämlich „Sachbeschädigung und Diebstahl“.

Anthony verlässt den Saal

Anthonys Reaktion auf Benz’ Antwort fiel kurz aus. Nachdem dieser dessen Frage „Darf ich etwas dazu sagen?“ verneint hatte, stand der Schlossherr auf und verließ den Saal. Benz: „Wenn wir überall zurückweichen würden, wogegen es aus der Bürgerschaft Bedenken gibt, dann würde hier gar nichts mehr gehen.“

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