Grenzach-Wyhlen Kaltes Wasser für heiße Händlerfüße

Grenzach-Wyhlen - Sie ist rechteckig, aus Plastik, voll mit kühlem Wasser und wird mit Argusaugen bewacht: eine rote Plastikschüssel. Diese steht im Marktstand von Christian Mauch und hat nur einen einzigen Zweck: heiße Händlerfüße kühlen. Denn am gestrigen ersten Tag des Grenzacher Johannimarktes kratzte die Quecksilbersäule an der 35-Grad-Marke.

Der rote Plastikzuber gehört Mauch übrigens gar nicht. Ein Anwohner des Johannimarktes hat ihm die Schüssel zur Verfügung gestellt. Wegen der Hitze. „Da kann ich mal reinstehen, wenn’s zu heftig wird“, grinst Mauch. „Dass man so etwas bekommt, ist echt nicht selbstverständlich“, ergänzt der aus der Ortenau stammende 42-Jährige.

Zeitlebens ist er auf Märkten unterwegs, um Gürtel, Hosenträger, Stofftaschentücher, Gürtelschnallen, ­„Buckles“ und Schneidbrettchen unters Volk zu bringen. Landauf, landab. Und besonders gern kommt er nach Grenzach, wie er bekundet. „Weil’s hier Sache gibt, wo halt net selbstverständlich sin’“, sagt er. Eine dieser „Sachen“ ist der Artikel aus unserer Zeitung über den Johannimarkt vom vergangenen Jahr. „Den hat mir glei’ heut’ Morge’ ein Kunde mit’bracht“, strahlt Mauch.

Gemeint ist der Artikel über seinen überstürzten Aufbruch. Denn wir erinnern uns: Am zweiten Johannimarkttag 2018 war Mauch am Nachmittag Hals über Kopf davongestürzt, da bei seiner Frau die Wehen eingesetzt hatten. Söhnchen Aaron („mein Johannikind“) wollte nicht mehr warten, bis der Grenzacher Markt zu Ende war. Vor wenigen Wochen nun ist Aaron getauft worden. Von einem Schausteller-Pfarrer – mitten auf dem Markt in Ichenheim.

„Wenn i da zurückdenke tu! Hier in Grenzach war scho’ alles g’regelt: Ein Marktkollege hat mir im Vorfeld angeboten, mich mit dem Auto eines Anwohners aus Grenzach bis heim zu fahren, falls das Baby kommt. Mit dem Auto von einem Anwohner, dessen Namen ich nicht mal kenne! Das muss man sich mal vorstellen!“, berichtet Mauch aufgeregt. „Des mein’ ich mit: Des sin’ ebe’ so Sache hier! Wahnsinn!“ Und auch die Gemeinde Grenzach-Wyhlen sei sehr „schaustellerfreundlich eingestellt“, freut sich der dreifache Familienvater. „Wir dürfen zum Beispiel schon am Markt-Vorabend hier reinfahren. Es ist nicht selbstverständlich, dass so etwas geduldet wird. Darunter leiden ja schließlich auch die Anwohner.“

Und diese kommen reichlich, wie auch beim Gespräch am Mauch’schen Stand zu erleben ist. Eine Frau nimmt gleich sechs Gürtel und einige Taschentücher mit. Kaum ist sie bedient, preist „de Christian“, wie er sich nennt, „hier noch die letschde Gürtel vor der Autobahn“ an.

Was in Grenzach am besten läuft? „Ja, alles, was i mitbring! Hier geht alles“, lacht Christian Mauch und flitzt zu einem Herrn, der sich für einen Gürtel interessiert. „Des Modell hab’ i au auf 50-Meter-Rolle. Also, du kannsch esse’, bis de platz’sch“, raunt Mauch mit sonorer Stimme. Sein Kunde bricht in schallendes Gelächter aus – und nimmt einen der Hüftriemen mit.

Weitere Informationen: Der Johannimarkt hat heute noch einmal von 9 bis 19 Uhr geöffnet.

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