Grenzach-Wyhlen Kamerafahrt unter die Straße lohnt sich für die Verwaltung

Martin Weiß (links) erläutert den nächsten Abschnitt der Kanaluntersuchung in Grenzach-Wyhlen. Foto: Rolf Rombach Foto: Die Oberbadische

Von Rolf Rombach

Grenzach-Wyhlen. Der regelmäßige Kamerablick in das Kanalsystem lohnt sich. Spart die Gemeinde so aufwendige Arbeiten. In den vergangenen Wochen sah man des Öfteren zwei rote Fahrzeuge an Grenzachs Straßen stehen. Daneben Martin Weis vom ortsansässigen Ingeniersbüro betaplan mit einem Klemmbrett und einigen Plänen. Der Wyhlener begleitete das Untersuchungsteam eines externen Dienstleisters bei der Überprüfung des Grenzacher Abwassersystems. Doch das ist nur die halbe Arbeit, wie man im Gespräch mit Weis erfährt.

Seit 1989 gilt in Baden-Württemberg die „Verordnung über die Eigenkontrolle von Abwasseranlagen“, kurz EKVO. Was zunächst bürokratisch klingt, hat für die meisten Bürger weitreichende, meist positive Folgen. Die Abwasserbetriebe sind darin angehalten, regelmäßig das öffentliche Leitungssystem zu überprüfen, um Defekte und Behinderungen in den Kanälen zu orten und nebenbei die Anlagen zu reinigen. „Seit immer mehr Wasser gespart wird, reicht es an manchen Orten nicht mehr zur natürlichen Reinigung“, erklärt Weis.

Andererseits wären einige Rohrleitungen auf Grund der Vielzahl an neuen Anschlüssen nicht mehr in der Lage, die großen Wassermengen, wie sie vor Jahrzehnten noch üblich abgegeben wurden, aufzunehmen. Zwischen zehn und 240 Zentimeter Durchmesser haben hier die Leitungen, die allesamt zur Kläranlage in der Köchlin­straße führen.

Die EKVO schreibt eine Prüfung von Misch- und Schmutzwasserkanälen alle zehn bis 15 Jahre vor. Bei reinen Regenwasserkanälen alle 15 bis 20 Jahre. Inzwischen ist man in Grenzach-Wyhlen in der zweiten Runde angelangt, nach der Auswertung des letzten Grenzacher Abschnitts geht es 2020 an die Sanierung der Gebiete. Die Drittinspektion in Wyhlen soll 2021 beginnen. „Wir fangen dann voraussichtlich wieder in der Siedlung an und arbeiten uns über die Jahre über den Rührberg gen Westen bis zum Hörnle“, erklärt Weis den Ablauf.

Zwar stören die Untersuchungen manchmal den laufenden Verkehr, wie Weis zugibt, doch bleibt das Untersuchungsteam nur kurz an einer Stelle zwischen zwei Kanalschächten. Durch die regelmäßige Kontrolle werden kleine und große Schäden häufig frühzeitig erkannt, wodurch man diese unterirdisch beheben kann. Zeitaufwendigere Grabungsarbeiten mit größeren Verkehrshindernissen und höheren Kosten werden so oft vermieden. Außerdem wird dadurch verhindert, dass Schmutzwasser in das Grundwasser gelangt.

Die Maßnahme dient dem funktionierenden Abwassersystem. Dennoch haben manche Bürger ihre Probleme mit den kurzzeitigen Hindernissen. Bei der Untersuchung in der vergangenen Woche in der Uhlandstraße mussten die Untersuchungsfahrzeuge durch Halten im temporären Halteverbot einige Umstände hinnehmen. „Schlimmer finde ich allerdings, wenn die Autos zügig an uns vorbeirasen“, klagt Weis. „Wenn ich Leute an der Straße arbeiten sehe, fahre ich doch langsamer.“

Nach dem Abschluss der Untersuchungsmaßnahmen geht es mit dem Foto- und Videomaterial nun ins Büro, wo die nach einem EU-Bewertungssystem erfassten Daten ausgewertet werden. Anschließend werden die notwendigen Arbeiten ausgeschrieben und ausgeführt.

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