Grenzach-Wyhlen Kampf für ein Stück Alt-Wyhlen

Grenzach-Wyhlen - Auf dem großen Grundstück zwischen „Brunnen-Apotheke“, Garten- und Rheinstraße soll im Zuge der Schaffung der Neuen Mitte Wyhlen unter anderem ein zentraler „Dorfplatz“ entstehen. Das Anwesen Rheinstraße 15 – ein alter Bauernhof – soll dafür der Abrissbirne zum Opfer fallen. Einige Gemeinderäte sind damit nicht einverstanden. Sie fordern, den historischen Bau in den geplanten Platz zu integrieren.

Wie die Neue Mitte Wyhlen gestaltet werden könnte, haben Rat und Verwaltung bisher stets nur hinter verschlossenen Türen ausgetüftelt. Dass das Thema nun früher als von der Rathausspitze gewünscht an die Öffentlichkeit gelangt, ist einem gemeinsamen Antrag von Peter Weber (Freie Wähler) und Alexander Drechsle (CDU) zu verdanken.

Sie baten am Ende der Sitzung des Technischen Ausschusses am Dienstagabend darum, die vom Büro Baldauf für die Neue Mitte Wyhlen erarbeiteten zwei städtebaulichen Entwürfe in einer öffentlichen Sitzung vorzustellen und zu diskutieren – und zwar noch vor der für den 28. März geplanten öffentlichen Planungswerkstatt zum Thema (siehe Infokasten). Denn keiner der Entwürfe sieht einen Erhalt des alten Hofes vor.

Haus als Platzabschluss?

Kernforderung von Weber und Drechsle ist die kurzfristige Ausarbeitung einer weiteren Planungsvariante, welche den Erhalt des Anwesens Rheinstraße 15 samt eventueller Neunutzung vorsieht. Das einst landwirtschaftlich genutzte Anwesen samt zugehöriger Fläche zwischen Rhein- und Gartenstraße gehört seit etwa zwei Jahren der Gemeinde. Sie hatte das für die Schaffung einer echten Wyhlener Ortsmitte nötige große Schlüsselgrundstück erworben, um dort im Zuge des Gesamtkonzepts – neben weiteren Nutzungen – einen „Dorfplatz“ anzulegen.

Das betroffene, optisch marode Gebäude stammt laut dem 1999 erschienenen Buch „Beiträge zur Geschichte von Grenzach-Wyhlen und Umgebung“ (Dr. Erhard Richter, Seite 489) aus dem Jahr 1871. Es unterliegt nicht dem Denkmalschutz. Laut Drechsle und Weber ist es für das im genannten Bereich sonst wenig attraktive Ortsbild aber „so wertvoll, dass es nicht ad hoc überplant werden kann“. Die Kommune sei hier in der Verantwortung, die dort kaum mehr vorhandene historische Bausubstanz nicht leichtfertig zu opfern. Weber: „Wir nennen es Dorfplatz, aber drumherum stehen fast nur Bauten aus den 1970er Jahren, die nicht so schön sind.“ Ein Abbruch des alten Bauernhofes wäre aus seiner Sicht daher „sehr, sehr unglücklich“. Vielmehr sollte das Anwesen als Platzabschluss in die Planungen aufgenommen werden.

Historischer Doppelkeller

Und zwar nicht nur des oberirdisch sichtbaren Teiles wegen. Weber berichtete im Ausschuss nämlich noch von einem Keller mit Tonnengewölbe und Bruchsteinwänden unter dem Haus. Der Keller ist 15,50 Meter lang und sechs Meter breit. Dazu kommt ein Vorkeller von 3,70 mal 4,90 Metern. Die Höhe beträgt 3,20 bis 3,70 Meter. Eine beträchtliche Nutzfläche.

Dieses Gewölbe, vermutet Weber, ist wohl wesentlich älter als der darüber stehende Bauernhof. Er bezieht sich dabei auf Angaben aus Richters Buch. Dieser schreibt – ebenfalls auf Seite 489 –, dass die Keller eventuell vom ehemaligen Gasthaus „Krone“ stammen könnten, von dem letztmals im 19. Jahrhundert die Rede war und dessen einstiger Standort heute nicht mehr bekannt ist. Richter schreibt: „Zudem lebt in der Hausbesitzerfamilie die Überlieferung, dass diese (Keller) früher zu einem Gasthaus gehört haben.“ Aktuell befinden sich in dem Bruchsteingewölbe unter anderem schöne alte Fässer und Holzzuber. Das Besondere: Der Doppelkeller hat sogar zwei Zugänge: einen Richtung Rheinstraße, einen zum geplanten Dorfplatz hin.

Benz fühlt sich überfahren

Bürgermeister Tobias Benz tat sich sichtlich schwer mit dem Antrag der beiden Gemeinderatsmitglieder. Der Gemeinderat habe die beiden städtebaulichen Entwürfe für die Neue Mitte Wyhlen seit November mehrfach nichtöffentlich diskutiert. „Besonders von einem Entwurf waren die meisten von Ihnen hier begeistert“, sagte Benz mit Blick ins Ratsrund. Niemand könne nun erwarten, dass das Büro Baldauf zwei Wochen vor der öffentlichen Planungswerkstatt ruck, zuck noch einen dritten Entwurf erarbeite. Man dürfe „das bisher Besprochene doch jetzt nicht so abblasen“, ärgerte sich der Rathauschef.

Er werde das Planungsbüro aber bitten, zu prüfen, ob das Anwesen Rheinstraße 15 – zur Gänze oder in Teilen – erhalten werden könnte. „Sie müssen aber auch bedenken: Das strategisch wichtige Grundstück war kein Schnäppchen. Außerdem bekämen wir bei einem Erhalt des Hauses ein Problem mit der geplanten Tiefgaragenzufahrt.“

Im Rahmen der Planungswerkstatt könne man das alles gerne diskutieren. Entschieden sei ja noch nichts. Benz: „Aber wir müssen dann auch die Frage der Wertminderung bei einem teilweisen Erhalt stellen.“

Wie Weber und Drechsle bekundeten, haben sie ihren Antrag als Einzelpersonen gestellt. Man habe keine Zeit mehr gehabt, die eigenen Fraktionen einzubinden, warben sie um Verständnis für ihren Vorstoß.

Heinz Intveen (SPD) sprang Drechsle und Weber bei: „Vernichtet haben möchte ich das nicht.“ Man solle auf jeden Fall mit dem Denkmalamt sprechen, riet er.

Zur Thema Neuen Mitte Wyhlen findet am Donnerstag, 28. März, eine öffentliche Planungswerkstatt statt. Den Bürgern werden die Planungen für den Kreuzungsbereich Abtsmatten/Gartenstraße vorgestellt und die städtebaulichen Entwürfe präsentiert. Beginn ist um 18.30 Uhr in der Aula der Lindenschule. Die dort gesammelten Ideen, Kritik- und Diskussionspunkte sollen als Grundlage für die nächsten Planungsschritte in den Prozess einfließen.

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