Grenzach-Wyhlen Karte bietet Gesprächsstoff

Die Oberbadische
Wyhlen aus Sicht der behinderten Bewohner der Außengruppe Himmelspforte: Tabea Schöni (v.l.), Ruth Knauff, Siegfried Knauff, Felix Nußbaumer, Thorsten Ridder, Sandra Merkle und Regionalteamleiter Ralf Zwettler-Modrok. Foto: Jutta Schütz Foto: Die Oberbadische

Grenzach-Wyhlen (jut). Ein großer „Smiley“, abgebildet auf einer vom benachbarten Geschäft ausgeliehenen Fußmatte, war der Hingucker und Hinweis auf eine große Karte: Smileys fanden sich auch vielfach auf dem Stadtplan, den geistig behinderte Menschen der vom Sankt Josefshaus unterstützten Außengruppe Himmelspforte im Rahmen des Projekts „In Wyhlen zuhaus“ (wir berichteten), angefertigt hatten.

Die Karte war dann am Samstag auch Gesprächsaufhänger beim Aktionstag der Aktion Mensch zum Thema Inklusion. Der Stand der behinderten Menschen an der Straßenecke Abtsmatten/Gartenstraße war gut besucht – direkt nebenan ergänzte ein Stand des DRK, an dem Jugendliche Kuchen verkauften, das Kaffeeangebot der „Himmelspforte“.

Der neue Regionalteamleiter des Wohnverbunds Grenzach-Wyhlen, Ralf Zwettler-Modrok, hatte zusammen mit den Betreuerinnen Kathrin Vollmer und Edith Kemmerling gut zu tun. Gemeinsam mit den Bewohnern der Wohngemeinschaften Ruth und Siegfried Knauff, Thorsten Ridder, Felix Nußbaumer, Tabea Schöni, Leo Jankovits und Sandra Merkle nahm er Kontakt zu vorbeikommenden Passanten auf.

Schnell war klar: Das Thema Inklusion, also die Integration behinderter Menschen in den Alltag Nicht-Behinderter, ist in Wyhlen schon angekommen. Vielfach nämlich wurden die Wohngruppen-Repräsentanten persönlich mit Namen begrüßt. Trotzdem bot die Karte mit den Punkten, die für die Behinderten im Ort wichtig sind, Gesprächsstoff.

Zwar überwog die Zahl der lachenden Smileys – aber es gab auch die mit heruntergezogenen Mundwinkel – die Nicht-Smileys. So unterschieden sich die Kriterien bei zwei Lebensmittelläden im Ort deutlich: „Das Personal ist in beiden Läden absolut supernett, aber der eine Laden kommt bei uns besser weg, weil er viel billiger ist“, erzählte Thorsten Ridder. „Geld ist natürlich ein Thema, denn viel verdienen unsere Behinderten nicht, da muss man rechnen können“, ergänzte Zwettler-Modrok.

Wo kann man sich am besten über Fußball unterhalten, welcher Friseur ist der netteste, wo gibt es einen gefahrlosen Radweg, wo ein tolles technisches Denkmal? So unterschiedlich wie die Hobbies und persönlichen Vorlieben, sind die auf dem Stadtplan per Foto abgebildeten, für die Behinderten wichtigen Orte, die von ihnen kritisch beleuchtet wurden. „Wie bei jedem Menschen bleiben positive und negative Erlebnisse hängen – wir hatten eine Wohngruppenbewohnerin, die uns heute nicht zum Stand begleitet hat, weil sie der festen Meinung war, dass Behinderte dort ausgelacht werden – und da kommt sicherlich bei allen positiven Erfahrungen in Wyhlen dann auch etwas Negatives zum Tragen“, erzählte Zwettler-Modrok.

Dass zum Beispiel ausgerechnet bei der Polizeistation die Sprechanlage für kleine Personen oder Menschen im Rollstuhl zu hoch angebracht ist, wurde bemängelt. Kurios auch folgende Beobachtung: Noch nach zehn Jahren – so lange leben die Behinderten schon in der Himmelspforte – verbinden Wyhlener das Gebäude nur mit dem Seniorenheim. „Warum machen wir nicht mal einen Tag der offenen Tür?“, schlug Ruth Knauff vor. Auch das wäre ein Beitrag zur Inklusion.

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