Müssen die Grundwasserströme in der Hirschackergrube wirklich nicht mehr überwacht werden? Um diese Frage beantworten zu lassen, hatte die Gemeindeverwaltung von Grenzach-Wyhlen zur Bürgerinformation eingeladen.

Von Rolf Reißmann

Grenzach-Wyhlen. Thomas Osberghaus, Leiter der Lörracher Niederlassung der Recyclingfirma HPC gab den leider nur wenigen Interessierten eine Übersicht zu den bisherigen Überwachungen der Wasserströme in den vergangenen Jahren. Zunächst stellte er die komplizierte geologische Situation dar. Die Hirschackergrube lag auf einem hoch gewachsenen Fels, so dass der Muschelkalk relativ nah an der Oberfläche steht. So transportierte nach dem Abkippen der Industrieabfälle das Grundwasser ausgewaschene Schadstoffe in tiefere Lagen des Felsen. Dort verblieben sie auch nach dem Aushub der darüber gelagerten Abfallmengen. Ebenso wie sie vom Wasser dorthin getragen wurden, gelangten sie mit den Tiefeinströmungen nun wieder in andere Areale.

„Allerdings sind in den zurückliegenden Jahren doch die größten Mengen der Schadstoffe bereits auswaschen worden, so dass es sich nunmehr nur noch um minimale Anteile handelt“, erklärte Osberghaus. Beachtenswert sind diese Strömungen deshalb, weil sich nur etwa 400 Meter entfernt die Trinkwasserfassung der Gemeinde befindet. Das war auch der Grund, warum seit dem Ende des Aushubs ab 2010 das Grundwasser auf Schadstoffe kontrolliert wurde. Insgesamt konnten bei den Kontrollen aus den sechs Entnahmebrunnen 196 bekannte und unbekannte Schadstoffe nachgewiesen werden. Inzwischen, und das bekräftigte Osberghaus, liege deren Konzentration deutlich unter allen Grenzwerten. So nannte er für leicht flüchtigen, halogenierten Kohlenwasserstoff maximal vier Mikrogramm pro Liter Grundwasser, der Grenzwert liegt bei 20 Mikrogramm. Wurden vor dem Aushub rund 40 Gramm Schadstoffe pro Tag ausgeschwemmt, so sind es heute nur noch sechs Gramm.

Zweifel treten auf

Die fachliche Bewertung von Osberghaus fand dennoch nicht die ungeteilte Zustimmung der Zuhörer. Der Basler Umweltspezialist Martin Forter erkundigte sich nach der künftigen Überwachung des Zustroms in Richtung Trinkwasserfassungen. Er vertrat die Meinung, dass auch aus den Tiefenauswaschungen wegen der geringen Entfernung immer noch hohe Konzentrationen dort ankommen könnten.

Auf seine Frage, wie oft die großen Untersuchungen durchgeführt wurden, sagte Osberghaus, dass es mehr als 40 umfangreiche Screenings gewesen seien. Dass die Schadstoffkonzentration künftig aus den Tiefenauswaschungen nochmals zunehme, sei nicht anzunehmen, da im Bereich der Trinkwasserfassung doch ein erheblicher Anteil Rheinuferfiltrat einfließe.

Peter Donath, langjähriger Umweltbeauftragter des früheren Ciba-Konzerns zweifelte an, dass nur knapp 200 Schadstoffe festgestellt wurden. „Damals sind gerade aus der Pigment- und Farbenproduktion nahezu ungezügelt Abfälle dort verkippt worden, da dürften 196 identifizierte Schadstoffe bei weitem nicht ausreichen“, meinte er. Bürgermeister Tobais Benz sagte, die Sanierung der Hirschackergrube sei wegen ihrer sehr vielfältigen Schadstoffstrukttur von weitreichender Bedeutung. „Aushub und Nachkontrollen wirken weit über unsere Region hinaus“, sagte Benz. Er sah die Vorstellung der Ergebnisse in einer Bürgerinforation wirksamer als nur in einer Gemeinderatssitzung, leider sei aber das Interesse nicht sehr groß gewesen.

Viel gelernt

Georg Lutz vom Landratsamt Lörrach bestätigte, dass die Arbeit an der Sanierung der Hirschackergrube zu vielfältigen Erkenntnissen geführt habe, „Wir haben viel daran gelernt.“ Auch wenn die Bewertungskommission die Abschaltung der kontinuierlichen Messungen beschlossen haben, blieben die Kontrolleinrichtungen in Bereitschaft, um bei neuen Belastungen wieder in Betrieb zu gehen.