Grenzach-Wyhlen Keine Winterruhe an der Keßlergrube

Die Oberbadische, 02.03.2015 23:03 Uhr

Grenzach-Wyhlen (tn). Die Keßlergrube kennt keinen Winterschlaf. Auch während der kalten Monate laufen die vorbereitenden Arbeiten zur Sanierung der Bodenaltlast am Grenzacher Rheinufer auf Hochtouren. Aktuell sieht beispielsweise die provisorische Slipstelle ihrer Fertigstellung entgegen.

Auch das für die Großbaustelle nötige Containerdorf ist mittlerweile fertig aufgebaut. Aktuell erhalten die Container ihr „Innenleben“, so beispielsweise das ebenfalls in einem Container untergebrachte Informationszentrum. Darin sollen sich Besucher dereinst über das schon aufgrund seiner Dimensionen deutschlandweit einzigartige Sanierungsprojekt informieren können.

Fleißig gearbeitet wird aktuell auch am respektive im Rhein, denn Ende dieses Monats soll die Slipstelle für Kleinboote fertiggestellt sein. Sie wurde um rund 80 Meter flussabwärts verschoben. Dies jedoch nur als Provisorium, das nach Abschluss der Keßlergrubensanierung – voraussichtlich im Jahr 2021 – rückgängig gemacht werden soll.

Mit den Bauarbeiten im Umfeld des Salzländewegs sowie der Alternativtrasse wird die eigentliche Sanierung von Perimeter 1 (Roche) überhaupt erst ermöglicht. Denn damit werden die technischen und logistischen Grundlagen für die Sanierung geschaffen. Dazu gehören auch einige Rodungsarbeiten auf dem Werksgelände der BASF, die von Roche vor wenigen Wochen in Auftrag gegeben wurden (wir berichteten).

Firma Herzog erweitert

Doch nicht nur an und auf der Keßlergrube wird geschafft. Auch in unmittelbarer Nachbarschaft sind Arbeiter am Werk. Die Halle der kunststoffverarbeitenden Firma Herzog, welche sich direkt neben Perimeter 1 befindet, wird gegenwärtig erweitert.

Zum Hintergrund: Die Firma Roche beabsichtigt den westlichen Teil der Keßlergrube (Perimeter 1), für den sie verantwortlich ist, vollständig auszuheben und das Aushubmaterial extern thermisch zu entsorgen. Roche will überdies einen Teil von Perimeter 3 in die Sanierung von Perimeter 1 miteinbeziehen. Die Sanierung des Roche-Anteils der Keßlergrube wird voraussichtlich 239 Millionen Euro kosten und von dem Pharma-Riesen selbst finanziert und soll im Jahr 2021 vollendet sein

Perimeter 2 der Bodenaltlast fällt in den Zuständigkeitsbereich der Firma BASF. Das Unternehmen plant im Gegensatz zu Roche eine Einkapselung (Umspundung) seines Teils der Keßlergrube. Für ein und dieselbe Bodenaltlast kommen also gleichzeitig zwei vollkommen verschiedene Sanierungsverfahren zum Einsatz – dies dürfte in Deutschland seinesgleichen suchen.

Weitere Informationen: www.kesslergrube.de

Bei der Altablagerung Keßlergrube handelt es sich um mehrere ehemalige Kiesgruben im Ortsteil Grenzach der Gemeinde Grenzach-Wyhlen, die zwischen 1913 und 1969 angelegt und betrieben wurden. Ab den 1950er Jahren erfolgte bis 1976 eine Wiederauffüllung mit Erdaushub, Bauschutt, Hausmüll und Abfällen der chemisch-pharmazeutischen Industrie.