Grenzach-Wyhlen Kesslergrube „ein Sonderfall“

Die Oberbadische, 25.07.2014 23:02 Uhr

Von Tim Nagengast

Grenzach-Wyhlen. Um ihre Argumente für einen Totalaushub statt der von BASF geplanten Einkapselung von Perimeter 2 der Kesslergrube zu untermauern, hatte die Bürgerinitiative Zukunftsforum zur Pressekonferenz geladen. Kernaussage der BI-Vertreter: Die BASF dürfe sich nicht aus der Verantwortung stehlen. Zudem gehe es um einen „Sonderfall“.

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Dieser Begriff zog sich wie ein roter Faden durch die Argumentationslinie von BI-Sprecher Prof. Manfred Mutter. Schließlich sei die Altablagerung Kesslergrube nicht irgendeine Giftmüllkippe in der sprichwörtlichen Pampa, „sondern sie liegt mitten im Dorf – das ist deutschlandweit einmalig, auch vom Giftigkeitsgrad her“. Nämlich 400 Meter Luftlinie von der „Neuen Mitte“ und nur einen halben Steinwurf vom Rheinufer entfernt. Man müsse die spezifische Lage und die Besonderheiten beachten.

Für erstaunte Blicke bei den anwesenden Medienvertretern – darunter auch Printmedien und ein Fernsehteam aus der Schweiz – sorgte indes ein Maulkorb, der auf dem Dr. Helmut Dörr zugedachten Platz lag. Dieses Utensil sei wörtlich zu nehmen, deutete Prof. Mutter. Zwar hätten die Gemeinde Grenzach-Wyhlen und das Landratsamt den Ersteller des Nachhaltigkeitsgutachtens von dessen Verschwiegenheitspflicht entbunden – dies gelte allerdings nicht für die BASF, bedauerte Mutter. „Deshalb kann Dr. Dörr heute hier keine Stellung nehmen. Er hat einen Maulkorb bekommen“, sagte er.

Als „einmalig“ bezeichnete der BI-Sprecher auch die Tatsache, dass die beiden Besitzer der Kesslergrube – Roche und BASF – für ihren jeweiligen Anteil verschiedene Sanierungskonzepte anwenden wollten. Die Firma Roche sei darüber „wohl nicht gerade glücklich, will sich aber nicht einmischen“, mutmaßte Mutter.

Zugleich betonte der Sprecher der Bürgerinitiative, dass BASF „eine gute Firma“ und weltweit bekannt sei für vorbildliches und nachhaltiges Handeln. Diesem selbstgestellten Anspruch müsse das Unternehmen daher auch in Grenzach-Wyhlen gerecht werden. Als Beleg zog er einige Zitate der BASF heran. Überdies sagte Mutter, dass die BI mittlerweile rund 1000 Unterschriften für einen Totalaushub von Perimeter 2 beisammen habe und diese in Kürze an Dr. Georg Lutz, Fachbereichsleiter Umwelt im Landratsamt, übergeben werde. Des Weiteren habe die Grenzach-Wyhlener Gruppe einen Gesprächstermin bei Regierungspräsidentin Bärbel Schäfer.

Ihren „Ärger über eine vertane Chance“ bekundete danach Dr. Carola Lambelet. Als Ärztin und Mutter dreier Kinder verspüre sie „Angst“ bei dem Gedanken daran, auch in Jahren noch vom Fenster aus auf eine Giftmüllkippe zu blicken. „Scham“ empfinde sie, dass Deutschlands Umweltgesetzgebung etwas wie die geplante Einkapselung der Altlast überhaupt zulasse.