Grenzach-Wyhlen Kirche zu den Menschen bringen

Chemielaborantin Katja Friedlin erläuterte Landesbischof Jochen Cornelius-Bundschuh (Mitte) sowie Wirtschafts- und Sozialpfarrer Andreas Bordne die Produktionsprozesse. Foto: Willi Vogl Foto: Die Oberbadische

Der Austausch mit sozialen Einrichtungen aber auch mit Industriebetrieben steht regelmäßig auf der Agenda des Landesbischofs Jochen Cornelius-Bundschuh. Zum Besuch bei der Grenzacher DSM wurde er von Pfarrer Christian Mack und Wirtschafts- und Sozialpfarrer Andreas Bordne begleitet.

Von Willi Vogl

Grenzach-Wyhlen. „Wir müssen als Kirche an die Menschen herankommen und das fängt mit den Betrieben an“, erklärte er seinen Gastgeber. Er war von Geschäftsführer Martin Häfele, Petra van Veen vom Projektmanagement und Kommunikation sowie die Betriebsräte Michael Mattes und Klaus Kessner empfangen worden.

Laborantin fühlt sich wohl in ihrem Beruf

Laborantin und Betriebsrätin Katja Friedlin gab einen Einblick in die Produktionsprozesse. Sie erläuterte das Wirkungsprinzip der zehn Test-Fermenter, die im 10-Liter-Maßstab in kleinen Mengen die nachfolgende Großproduktion des Vitamins B2 simulieren. Um unerwünschte Nebenprodukte zu minimieren und Kontamination zu vermeiden, ist die Einhaltung von detaillierten Protokollen zu beachten. Gleichermaßen sei man jedoch in kritischen Situationen auch auf Kreativität angewiesen. Zunehmend gewännen dabei computergesteuerte Abläufe und das damit geforderte technische Wissen gegenüber der klassischen Laborarbeit an Bedeutung. „Die Arbeit ist keine Routine und jeden Tag neu“, bekennt Friedlin und ist überzeugt, als Chemielaborantin die bestmögliche Berufswahl getroffen zu haben. „Ein Teelöffel reicht aus, um damit ein ganzes Schwimmbad gelb zu färben“, erläutert der stellvertretende Betriebsratsvorsitzende Klaus Kessner die enorme Wirkung von Riboflavin, dass für gewöhnlich im Lebensmittelbereich zum Einfärben von Eidottern oder Lachsfleisch Verwendung findet.

Branche insgesamt ist sensibilisiert

Einschneidende Vorfälle wie der Seveso-Unfall 1976 oder der Großbrand von Schweizerhalle 1986 haben die Chemiebranche insgesamt sensibilisiert. Im Vortrag von Denis Schlender, dem Leiter der Umweltabteilung, wird deutlich, dass die Aktualisierung nationaler und europäischer Sicherheitsstandards wie etwa die Legionellen-Verordnung gerade in einem 120 Jahre alten Traditionsbetrieb in der Umsetzung eine stetige Herausforderung darstelle. Hier hinke man notgedrungen immer der Gesetzgebung hinterher. Im Bereich der Nachhaltigkeit hingegen hätte man die Chance, eine Vorreiterrolle einzunehmen.

Öko-Ideen der Mitarbeiter propagiert

So nutzte man den diesjährigen globalen „Earth Day“, um Mitarbeiterideen zur Nachhaltigkeit im eigenen Umfeld zu propagieren. So konnten sich die 600 Standortmitarbeiter etwa Strommesser ausleihen, regionales Gemüse aus der Box beziehen, ein Firmenfahrrad leasen oder sich an einer Mitfahrergemeinschaft beteiligen. „Der Übergang zu Porzellangeschirr wurde erst durch die Verteuerung der Pappbecher Realität“, deutete Schlender die Diskrepanz zwischen Einsicht in allgemein umweltgerechtes Handeln und persönlicher Trägheit an.

„So sauber war der Rhein noch nie. Heute kann man etwas Gutes machen und gleichzeitig gewinnen“, bringt Geschäftsführer Martin Häfele die einstigen Gegensätze Gewinnoptimierung, Nachhaltigkeit und Umweltschutz als vereinbare Firmenziele auf den Punkt. Bei aller Sorge um die Konkurrenzsituation mit Firmen aus China, offenen Infrastrukturfragen oder dem Fachkräftemangel gäbe es am Standort Grenzach viel Positives.

18 Nationalitäten würden durch die vertrauensvolle gemeinsame Arbeit am Produkt zu einer Wertegemeinschaft über Firmenbelange hinaus. Die DSM kommt aus dem Bergbau. „Die dort gepflegte Solidarität spürt man im Unternehmen noch“, erläuterte Betriebsrat Klaus Kessner.

Bischof ist beeindruckt von Standards

Landesbischof Jochen Cornelius-Bundschuh war beeindruckt von den hohen Standards in den Herstellungsprozessen aber auch von den Kommunikationsmechanismen in einer Belegschaft, die jenseits des notwendigen Profitstrebens Toleranz und Diversität im Blick hat. Hier würde die Arbeit nicht nur als Job, sondern als Beruf wahrgenommen werden. Dabei kommt es ihm darauf an, „das gewachsene Wertesystem immer wieder neu aufzuladen.“ Es genüge nicht, die Stechuhr beim Eintritt und Austritt zu bedienen, man müsse auch persönliche Verbindungen aufbauen. „Die 17 Klimaziele des Pariser Abkommens im Blick, ist es wichtig, da anzufangen, wo man stark ist“, bestärkte Bundschuh die Firmenvertreter in ihren Zielen.

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