Grenzach-Wyhlen Klopfen hilft gegen Psychostress

Es klingt seltsam: Sanftes Klopfen auf bestimmte Punkte an Gesicht und Körper soll hilfreich sein gegen Psychostress und Schmerzen. Man klopft auf bestimmte Punkte am Körper und dann geht das alles weg? In verschiedenen Studien wurde jedoch eine gewisse Wirksamkeit nachgewiesen.

Von Manfred Herbertz

Grenzach-Wyhlen. Der geneigte Leser fragt sich jetzt sicherlich, was dieser Absatz da oben in einem Artikel über eine Kabarettveranstaltung im – wie immer voll besetzten – Theater im Zehnthaus (TIZ) der Doppelgemeinde soll. Nun, der Klavierkabarettist Felix Oliver Schepp hat sich die Klopfmethode zu Eigen gemacht und darum herum ein skurril-poetisches Programm erschaffen mit Liedern, seinen „scheppsons“ (Schepp und Chansons) teils tiefgründig, teils einfach zum Brüllen schräg, seine Sicht der Dinge dem Publikum näherbrachte.

Der gebürtige „Augschburger“, ließ niemanden aus, nicht einmal sich selbst. Und dann klopfte er seinen Ärger über sich, weil er sich am Klavier verspielt hatte, selbst weg. Ironisch, bissig, manchmal geradezu hinterlistig böse, wenn seine Lieder besonders sanft und sachte daherkamen und dann wieder versöhnlich nahm Schepp seine Umwelt und sich aufs Korn.

Von „Individuell“, so der Titel seines ersten Liedes, bis zu seiner Hommage an den Bremskraftverstärker in der Zugabe reichte seine Bandbreite. Beim „Individuell“ fordert er sein Publikum, das er im Verlauf des Abends immer wieder mit einbezieht, auf mitzusingen, „aber lasst das lieber, dann ist es nicht mehr individuell“. Perfekt am Klavier, musikalisch überraschend, immer wieder Tempi verschleppend, nur um sie in nächsten Moment anzuziehen, singt sich der Barde durch die ach so undurchdringbaren Probleme dieser Welt.

Banale Dinge bekommen epische Bedeutung, wie zum Beispiel eine Klopapierrolle richtig herum aufgehängt wird. Deutet man die Reaktion im Publikum, ist offenbar das „Klorollenorigami“ bei vielen daheim wohl auch Diskussionsgegenstand.

Den Internetwahn „ich mach gleich Schluss, und dann fall ich über dich her, aber schlafe mir vorher nicht wieder ein“, nimmt er sich zur Zielscheibe wie auch den Kindergeburtstag, zu dem auch noch die Cousinen vierten Grades kommen: Der ist für die Kinder vor allem eines: „Stress pur“. Dass er darauf Omas „Bleib, wie du bist“ aufgreift und hinterleuchtet, was überhaupt dahintersteckt, lässt aufhorchen. „Eigentlich“, so sinniert der Barde, „müsste ich das Lied umschreiben in "bleib, wo du bist".“

Und so geht es im munteren Galopp weiter von menschlichen Unzulänglichkeiten bis hin zu den kleinen Schwächen, die fast jeder pflegt, wie dem Nasenbohren „ich popel vor mich hin und popel vor mich her, Popeln, ja das ist sehr populär“, dann folgt die Erkenntnis, dass die Nase des Menschen im Alter wächst, wohl nur deshalb, um sich besser an selbige fassen zu können.

Er streut Kalauer über Beziehungen ein: „Wir hatten ne geile Zeit – bevor wir uns trafen“ macht sich über Poesiealben lustig, und trauert Flora der Floristin wohl nicht so recht nach: „Flora, es hat nicht sollen sein – zum Glück“.

Er lässt sich aus über die „Gag-Dichte“ seiner Lieder. Im schnellen Rapp-Stakkato geht es um Gags und die Bedeutung des Wortes das durchaus auch vieles andere als den puren Witz meinen kann.

Und zu guter Letzt hält er seine heißgeliebte Schlafmaus in Händen, fast zärtlich kommt ein bitterböser Anti-Atomkraft-Song zur bekannten Schlafliedmelodie daher: „Weißt du wie viel Stäblein glühen, auf der ganzen großen Welt…“

Und dass Männer nicht über Gefühle sprechen können, sei Humbug, „liebe Frauen, lest einfach mal die Auto Bild“, riet er in der umjubelten Zugabe.

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