Grenzach-Wyhlen Kojen der Kunst

Jürgen Scharf
Thomas Thüring mit seiner Serie „Animals & Poppies“ Foto: Jürgen Scharf

Von Jürgen Scharf

Grenzach-Wyhlen. Es ist eine Einladung zum Verweilen: die Kunstmesse „Die Kunst“ in Grenzach-Wyhlen. Durch die Beteiligung verschiedener Galerien der Region hat sie an Niveau gewonnen. Das Grenzacher Haus der Begegnung ist das schönere Ambiente als der Regio Art-Bereich auf der Lörracher Regiomesse.

In den 18 großzügigen, hell beleuchteten Kojen kommen die Arbeiten der Künstler und Künstlerinnen besser zur Geltung. Das Konzept, das Ideengeber, Organisator und Kurator Klaus Kipfmüller, dieses Mal unterstützt von Co-Kurator Volker Scheurer, entwickelt hat, wurde bei der Eröffnung viel gelobt.

Neue Qualität

Schon draußen vor der Tür erwartet den Besucher eine überlebensgroße Skulptur aus silbernen Klebestreifen und eine riesige farbige Kunststoffplane von Krysztof Leon Dziemaszkiewicz, ein Künstler der Galerie Villa d’Arte, Volker Scheurers toskanischer Dependance.

Der Stand der Basler Produzentengalerie von Lyss mit den Arbeiten von Thomas Thüring und seiner Serie „Animals & Poppies“ – hier schauen einen Hausesel und Hasen treuherzig an – und einer Klang-Installation über Vogelstimmen, ist eine deutliche Aufwertung der Kunstmesse.

Nicht nur die große Garderobe hat Volker Scheurer zu einem Kunstkabinett ausgeweitet, auch das Foyer kann sich sehen lassen mit den in den Raum gezeichneten Drahtskulpturen von Uli Olpp. Wie der ganze Eingangsbereich bespielt wird, ist aufgegangen. Es lohnt sich sogar, die Treppe ins Untergeschoss zu gehen, denn im Treppenaufgang hängen interessante Arbeiten von Chris Wagner, vertreten von der Galerie Partisan.

Wagner, der in Basel coole Aktzeichenkurse leitet, vertritt in den Bildern seiner „Parallelgesellschaft“ eine Ästhetik alter Schwarzweißfotografie, wie man sie bei einem Gerhard Richter findet. Diese Ästhetik reduziert der Künstler auf Körperlichkeit. Naoki Fuku, von dem die Tuschen von abstrakten Gesichtern und Menschenstudien stammen, hat inzwischen internationale Karriere gemacht.

Die Lörracher Galerie „Kunst unter uns“ des vom abstrakten Expressionismus und der Natur inspirierten Malers Philippe Bordonnet belegt einen großen Raum quasi als Ausstellung in der Ausstellung und zeigt zehn Künstler zwischen Binzen, Freiburg, Basel, Straßburg, Paris und Sizilien mit einem sehr breiten Spektrum von Ton, Metall, Holz bis Fotografie wie den namhaften sizilianischen Zeichner und Metallplastiker Jano Sicura. Ein Hingucker ist „Hippo“, das Nilpferd aus recyceltem Plastikmüll von Julien Garcia.

Wiederbegegnungen

Über die Treppe, gefüllt mit Kleinskulpturen der Keramikerin Christiane Knaup, gelangt man in den großen Saal, wo einzelne Künstler eine ganze Koje oder Wände mit ihren Werken füllen. Hier sind Wiederbegegnungen erfreulicher Art möglich, etwa bei Dagmar Henneberger, deren wuchtige Sommerfarben in den großen abstrakten Farbgemälden ins Auge stechen. Insa Hoffmann betört mit Landschaften des Südens und Nordens: Reiseimpressionen. Beate Fahrnländer zeigt ihre Reihe „Stadtmenschen“ nach Fotomotiven – ein fast schon dokumentarischer, erzählerischer Malstil. Volker Bessel experimentiert mit Formen und Linien und fasziniert mit kosmischen Konstellationen. Hans-Jürgen Vogt führt den Besucher in einer siebenteiligen Serie zu einer Rinderherde in die Bretagne. Natalia Berschin versammelt in abstrahierten, atmosphärischen Bildmotiven Zeiträume mit kaum erkennbaren Gegenständen und architektonischen Raumteilern.

Tanja Bürgelin-Arslan präsentiert die ursprünglichen Figuren des Wettbewerbs „Lebensweg“-Brunnen, der 2010 im Emilienpark eingeweiht wurde, und religiöse Bildwerke. Immer wieder spannend sind die Perspektiven und Ausschnitte in der Architekturfotografie von Harry Lieber.

Junge Kunst

Eine Neuheit ist, dass aufstrebende Kunstschaffende einen Platz erhalten, und zwar auf der Bühne der Halle („Förderkoje junge Kunst“), wo Li Chen einen ausdrucksstarken, figurativen „Freiheit“-Zyklus und Vanitasbilder vorstellt, Anna Sophia Fahrnländer Stillleben, Rückenakt, „Leuchtende Fetzen“ und – ganz überraschend – ein Porträt von Charles III.

Eine kleine, aber feine Retrospektive und zugleich eine Hommage ist dem 2010 verstorbenen Schopfheimer informellen Maler Günter Scholz gewidmet; seine vehementen Pinselschwünge und dynamischen Farbräume sind wieder eine Entdeckung. Da werden – unverhofft – Scholz-Sammler fündig.  „Die Kunst“ im Grenzacher Haus der Begegnung: bis 25. September, täglich 12 bis 20 Uhr

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