„Ich habe meine Entscheidung, Lehrer zu werden, nie bereut“, sagt ein Mann, für den am kommenden Mittwoch zum letzten Mal die Schulglocke der Lindenschule läutet. Ernst Niepmann, der 23 Jahre lang die Geschicke der Schule geleitet hat, tritt dann in den Ruhestand.

Von Manfred Herbertz

Grenzach-Wyhlen. Dass Ernst Niepmann einmal Lehrer werden sollte, war keineswegs vorherbestimmt. Denn der scheidende Schulleiter ist über den zweiten Bildungsweg ins Lehramt gekommen. Zunächst hatte er einen kaufmännischen Beruf erlernt, von dem er fand, er sei wohl nicht der richtige für ihn. Ein Intermezzo auf seinem Weg zum Pädagogen waren dann drei Semester Maschinenbaustudium, bevor er sich an der Pädagogischen Hochschule in Lörrach (PH) einschrieb. Die kleine PH hatte es ihm, dem Schwaben, den er auch heute nicht verleugnen kann, angetan. „Die PH in Reutlingen mit bis 400 Studierenden in einer Vorlesung war einfach nichts für mich“, erinnert er sich.

Konrektor Heinrich als väterlicher Mentor

Nach Ende seines Studiums musste er lediglich ein paar Stufen mehr steigen. Seine erste Anstellung war an der Lörracher Eichendorff-Schule. Nach zwei Jahren „durfte“ er ein Jahr lang in Rickenbach im Hotzenwald unterrichten, danach ging es ins Rheintal, an die Schule in Herten. Während dieser Zeit hatte Niepmann Lehrerfortbildungen gemacht, und beim Staatlichen Schulamt gab er als Lehrbeauftragter Seminare.

1995 wagte er, „ohne viele Vorkenntnisse, was mich als Schulleiter alles erwartet“ seine erste Bewerbung für einen Rektorenposten: Die Stelle an der Lindenschule in Wyhlen war vakant. Und Niepmann wurde angenommen. Im damaligen Konrektor Heinrich fand Niepmann damals einen väterlichen Mentor, der aber allzu früh gestorben ist.

Als Schulleiter auch stürmische Zeiten erlebt

Als Niepmann sein Amt antrat, hatte er eine Schule vorgefunden, in der man im Sommer Eimer aufstellen musste, um bei Gewittern das tropfende Regenwasser aufzufangen. Ein Haus, in dem neben zahlreichen Vereinen auch VHS und Kindergarten untergebracht waren. Für ein stets gutes Verhältnis mit den Vereinen, welche die Schule auch heute noch in vielem unterstützen, ist Niepmann dankbar.

Im Laufe der Zeit dann veränderte sich sich die Schullandschaft. So fanden im Jahr 2007 Gespräche statt, dass aus der Grund- und Hauptschule eine reine Grundschule werden sollte. „Für mich war von Anfang an klar: Ich will hier bleiben.“ 30 Jahre in der Pubertät zu leben seien genug, sagte er zu seiner Entscheidung, nicht an die Hauptschule wechseln zu wollen. Es seien stürmische Jahre gewesen, erinnert sich der scheidende Schulleiter.

Jetzt stehen wieder Veränderungen an: Die Lindenschule wird zu einer Ganztagsschule, „Die Gemeinde hat dazu eine klare Entscheidung getroffen“, sagt Niepmann. Man habe versucht, gemeinsam im Kollegium das pädagogische Konzept auf die speziellen Belange in Wyhlen auszurichten.

Die Schullandschaft habe sich in den vergangenen 23 Jahren gewaltig verändert, weiß der scheidende Rektor. Die herrschende Schnelllebigkeit spüre man bis in die Schule, und nach Jahren des permanenten Umbruchs – er erinnert dabei an die Zusammenlegung von Hebel- und Lindenschule – wünsche er nach der Einführung der Ganztagsschule künftig wieder mehr Ruhe für die Arbeit mit den Kindern.

Positiv in Erinnerung bleiben werde ihm, trotz der „wahnsinnig vielen Wechsel“, eine große Unterstützung seitens der Eltern, die von Wertschätzung getragen war. „Auch viele Kollegen hatten das Heu auf der gleichen Bühne. So gesehen, habe ich es gut gehabt“, blickt der Schulleiter zurück.

Niepmann erinnert sich gerne an viele persönliche Ereignisse, die ihn gerührt hatten, so dass es „das einzige große Highlight“ gar nicht gebe. So freut er sich über das Vertrauen und Zutrauen, mit dem die Kinder in die Schule kommen. „Und ich hatte eine gute Mannschaft.“ Trotzdem gab es auch Tage, da war der Gedanke „Jetzt laufe ich weg“ vorherrschend. „Aber das ging vorüber.“ Umgetrieben habe ihn manchmal die Leichtfertigkeit, mit der andere Menschen die Arbeit von Schulleitern in Abrede stellten.

Bald macht er „Ferien vom Ich“

Ein bisschen stolz ist Niepmann darauf, dass sein designierter Nachfolger „Strukturen vorfinden wird, mit denen sich gut arbeiten lässt“.

Und was macht der Pensionär Niepmann? „Erst mal Ferien, Ferien vom Ich, von gewohnten Strukturen. Ich möchte zu mir finden.“ Zudem freut er sich darauf, im September in den Süden fahren zu können, das Leben frei von Zwängen zu gestalten und das Zusammensein mit seiner Frau Susann zu genießen.

Und auch auf der Bühne stehen wird Niepmann weiterhin: Den Zunftspielern will er erhalten bleiben.