Grenzach-Wyhlen Menschenleere am Mühlerain

Das Fasnachtsfeuer auf dem Mühlerain, fotografiert vom Wasserreservoir Foto: Heinz Vollmar

Grenzach-Wyhlen - Mit den traditionellen Fasnachtsfeuern auf dem Mühlerain in Wyhlen und dem Rettenacker im Ortsteil Grenzach wurden rein symbolisch auch in diesem Jahr nicht nur die „bösen Wintergeister“ vertrieben, sondern das weithin sichtbare Licht des Feuers schien auch den Winter besiegt zu haben. Dass sich das Szenario in aller Stille und ohne Publikum vollzog war den Umständen der Corona-Pandemie geschuldet.

Die Bewohner der Doppelgemeinde mussten sich daher in Zurückhaltung üben und durften die Fasnachtsfeuer nur aus der Ferne beobachten. Die Bevölkerung schien dafür Verständnis zu haben, denn bereits das Fasnachtsfeuer am Wyhlener Mühlerain am frühen Samstagabend war weithin von Mitarbeitern des Ordnungsamtes abgeriegelt, so dass keine Menschenseele das mystisch anmutende Feuer aus der Nähe miterleben konnte.

Ein einsamer Wanderer und das Badnerlied

Selbst dem Vertreter der örtlichen Presse wurde der Zugang für ein „kurzes Foto“ mit den Worten des Ordnungsamtsleiters verwehrt: „Gang doch zum Wasserreservoir, dört chasch au Fotos vom Fasnachtsfüür mache.“ Weiter wurde dem Pressevertreter mitgeteilt, dass ein Zugang zum Fasnachtsfeuer zuvor von den Redaktionen beantragt hätte werden müssen, was jedoch nicht geschehen sei. Und so musste auch der „Zeitungsmann“ der Obrigkeit folgen und versuchte sein Glück am Wyhlener Wasserreservoir, oberhalb der Himmelspforte.

Dort begegnete ihm lediglich ein einsamer Wanderer, der allein in der Dunkelheit hinauf auf den Mühlerain blickte, um das Fasnachtsfeuer in all seiner Symbolik mitzuerleben. Er freute sich darüber, dass es die Gemeinde trotz der Corona-Gebote ermöglichte und die Fasnachtsfeuer stattfinden ließ. Dennoch schien auch er in Trauer und Melancholie zu verharren, denn es war nun mal alles anders, kein Fackelumzug, kein Scheibenschlagen, keine Grillwurst, kein Bier und auch keine Musik des örtlichen Musikvereins.

Das Einzige was ihn aufzumuntern schien war das Badnerlied, die Regionalhymne der südwestdeutschen Region Badens, welcher er aus seinem Smartphone lauschte. Warum der einsame Wanderer am Wasserreservoir ausgerechnet dem Badnerlied lauschte, während weiter oben das Fasnachtsfeuer loderte, kann nur vermutet werden. Vielleicht war damit aber auch die Sehnsucht nach besseren Zeiten verbunden, wenn wieder gemeinsam mit anderen dem althergebrachten Brauch des Fasnachtsfeuers gefrönt werden kann.

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