Grenzach-Wyhlen (rom). Mehrere katholische Bischöfe haben sich in den vergangenen Wochen zu Wort gemeldet, um Stellung zu den aktuellen Missbrauchszahlen zu beziehen. In Grenzach-Wyhlen setzen die Katholiken auf ein institutionelles Schutzkonzept.

Mitglieder des Pfarrgemeinderats haben kürzlich in den Gottesdiensten ein Schreiben des Freiburger Erzbischofs Stephan Burger verlesen. Dieser räumte dieser Tage öffentlich Vorfälle in der Diözese ein und versprach: „Ich möchte mit Ihnen gerne für eine Zukunft der Kirche eintreten, in der Missbrauch keinen Raum mehr einnehmen kann, in der Schutz und Fürsorge für Minderjährige gewährleistet sind.”

Prävention ist besser als Reaktion

Da Prävention besser als Reaktion ist, hat die katholische Kirchengemeinde Grenzach-Wyhlen bereits im Juli ein institutionelles Schutzkonzept verabschiedet, das auf gezielte Schulungen der ehrenamtlichen Mitarbeiter setzt. Priester erhalten eine erweiterte, übergeordnete Schulung.

Bereits vor einigen Jahren trat mit Paragraf 72a (SGB VIII) ein Gesetz in Kraft, das festlegt, keine rechtskräftig verurteilten Personen zu beschäftigen. Was sehr bürokratisch klingt und in Teilen auch ist, soll Kinder und Jugendliche davor schützen, Opfer von Gewalt zu werden.

Häufig genannt wird hierbei sexueller Missbrauch. Doch sind körperliche Misshandlungen und seelische Gewalt ebenso gemeint. Die Ohrfeige zur Züchtigung oder bewusstes Ausgrenzen aus der Gruppe, psychischer Druck durch Leitungskräfte haben in der modernen Kinder- und Jugendarbeit, aber auch in allen anderen Bereichen nichts zu suchen.

„Manche Dinge passieren vielleicht unbewusst, ganz ohne bösen Gedanken. Durch die Schulungen sollen die Ehrenamtlichen und Hauptamtlichen sensibilisiert werden und ihre Arbeit reflektieren”, erklärt Andrea Fluck. Sie ist zusammen mit Susanne Bartelmus als Präventionsfachkraft ausgebildet worden und bietet nun für die Ehrenamtlichen der Kirchengemeinde Grenzach-Wyhlen die Fortbildung an.

Bereits im August erfolgte eine Schulung der Ministrantenleiter als Vorbereitung für das Sommerlager. „Nach anfänglicher Skepsis entwickelten sich gute Gespräche und neue Blickwinkel auf das Thema”, berichtet Fluck. Es gehe in der Schulung nicht darum, die bisherige Arbeit der Menschen schlechtzureden, sondern ihnen Handwerkszeug für die Arbeit in ihrem Tätigkeitsfeld mitzugeben.

Schutzbefohlene sind nicht nur Kinder

Häufig vertrauen sich Kinder ihren Bezugspersonen mit Problemen an. Ein wichtiger Punkt ist daher, zu wissen, an wen man sich wenden kann, wenn derlei Probleme auftreten. Das Kreisjugendreferat hat in Zusammenarbeit mit mehreren weiteren Trägern der Jugendhilfe einen Wegweiser entwickelt, wo sich Hilfesuchende hinwenden können. Das Angebot richtet sich an direkt betroffene Personen, aber auch an die ehrenamtlichen und hauptamtlichen Betreuer.

Was zwingend zum Präventionskonzept gehört, ist für die Träger das Einfordern von Führungszeugnissen. Diese gesetzliche Verpflichtung stößt vereinzelt auf Unverständnis, ist aber die einzige Möglichkeit für die Vereine und Einrichtungen, präventiv – neben der Schulung – einen Blick auf die Personen zu werfen.

Neben dem Kinder- und Jugendschutz hat die katholische Kirche den Schutz allgemein auf Schutzbefohlene ausgeweitet, da beispielsweise auch in Pflegeeinrichtungen gewisse Abhängigkeitsverhältnisse entstehen.

Weitere Informationen: www.kath-grenzach-wyhlen.de. Mehr zum Thema Kinderschutz findet man im Internet unter www.loerrach-landkreis.de/kinderschutz.