Grenzach-Wyhlen Nur die Krippe ist erleuchtet

Rolf Reißmann
Die große Krippe in St. Georg stammt aus verschiedenen Epochen. Foto: Rolf Reißmann

Grenzach-Wyhlen. Seit mehreren Jahren lädt die katholische Kirchengemeinde am Jahresbeginn zu „St. Georg bei Nacht“ ein. Auch diesmal war diese besondere Andacht wieder gut besucht.

Im Kirchenschiff brannte keine einzige Lampe, nur der Altar und die Krippe waren beleuchtet. Pfarrer Andreas Brüstle hatte sich die Krippe als Thema ausgewählt. Sie sei als heller Blickfang in der dunklen Kirche ein guter Anlass, um die Seele zur Ruhe kommen zu lassen.

Weihnachtsgedanken in ganzer Breite erfassen

„Diese Krippe zeigt doch gleichermaßen eine Szene vor mehr als 2000 Jahren und ebenso unseren Alltag“, sagte Pfarrer Andreas Brüstle. „Zunächst einmal gibt sie trotz dichtem Gedränge vor dem Stall den Blick auf das Kind frei.“ Genau das sei wichtig, um den Weihnachtsgedanken in ganzer Breite zu erfassen.

Dieser freie Blick auf das Kind, das Hoffnung ausstrahle, sei so bedeutsam für jene, die im Moment nicht wissen, wie es weitergehen soll. Doch Brüstle lenkte den Blick auch auf die anderen Figuren, die keineswegs gleich oder gar einheitlich gestaltet sind. Sie stammen aus mehreren Generationen und aus verschiedenen Teilen der Erde. Die Figuren sind unterschiedlich gekleidet und sehr verschieden in ihrer Erscheinung.

„Seit dem 14. Jahrhundert ist bei den Weihnachtskrippen diese Vielfalt bekannt, seitdem haben sich die Darstellungen doch erheblich gewandelt,“ erklärte der Pfarrer. Eben dies sei auch ein wichtiger Grund für die Akzeptanz der Krippen bis in die heutige Zeit.

Ein Spiegel des Alltags

Gerade am Hochrhein, wo Menschen aus etwa 120 Nationen und 80 Sprachgruppen zusammen leben, werde so die Krippe zum Spiegel des Alltags. Vor allem aber zeige sie so, dass Jesus für alle da sei.

Brüstle lenkte dann den Blick auf die Kleidung der drei Könige. Deren farbige Gewänder symbolisierten vielfache Lebensauffassungen. Der rote Mantel stehe für Leidenschaft und Hingabe. Der grüne Mantel bezeichne das alltägliche Leben, gebe aber auch Hoffnung. Die benötigten im Alltag viele Mitmenschen, wenn sie etwa mit einer hohen Energierechnung oder einem unschönen Streit konfrontiert seien. Schließlich weise das blaue Gewand auf das Besondere hin, auf das, was man nicht selbst schaffen könne.

Krippen würden in europäischen Kirchen etwa seit dem 14. Jahrhundert aufgestellt. Allein die Vielfalt in den Kirchengemeinden von Grenzach-Wyhlen zeige, mit welch unterschiedlichen Herangehensweisen sich die Künstler, die die Krippen schufen, der Weihnachtsbotschaft widmeten.

Aus unterschiedlichen Jahrzehnten

Die Krippe in der Kirche St. Georg stammt aus unterschiedlichen Jahrzehnten. Benno Westermann, Archivar der katholischen Kirchengemeinde, weiß, dass das Stallgebäude der Krippe 1929 entstand. Einige Jahrzehnte älter, nämlich nunmehr fast hundert Jahre alt, sind die Figuren der Schafe, die anderen Figuren stammen ebenso aus den 1920er Jahren. Erst etwa fünf Jahre alt ist das Hintergrundbild, auf dem auch die Kirche St. Georg und das einstige Kloster Himmelspforte symbolisiert werden.

Die Krippe in der Wyhlener Kirche bleibt noch bis zum letzten Januar-Wochenende stehen. Die Besucher der Andacht St. Georg bei Nacht fanden sich anschließend zu zwanglosen Gesprächen vor der Krippe zusammen.

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