Von Tim Nagengast

Grenzach-Wyhlen. In die Entwicklung der Grenzach-Wyhlener Schullandschaft kommt Bewegung. Zum Auftakt fand am Dienstagabend im Haus der Begegnung ein Informationsabend zum Thema Ganztagesgrundschule statt, an dem rund 170 Besucher teilnahmen. Bereits im September soll der Gemeinderat über die Einführung einer solchen Schulform entscheiden.

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Klar ist: Über die Köpfe der Bürger hinweg soll nichts entschieden und auch nicht am Bedarf vorbei geplant werden. Bereits in den nächsten zwei Wochen werden daher alle 1101 in Grenzach-Wyhlen lebenden Eltern mit Kindern im Alter von null bis acht Jahren einen Fragebogen der Gemeinde erhalten. Dies, um den tatsächlichen Bedarf nach einer Ganztagesgrundschule sowie den sonstigen Betreuungsbedarf zu erfassen. Die Auswertung der Befragung soll als Basis dienen für die weitere Entwicklung der Schullandschaft in der Doppelgemeinde.

Die Stoßrichtung scheint bereits vorgegeben. Wie Michael Weber, Rektor der Grenzacher Bärenfelsschule berichtete, hat sich das Kollegium für eine Weiterentwicklung zur Ganztagesgrundschule in verbindlicher Form ausgesprochen. Webers Ausführungen waren zugleich ein flammendes Plädoyer für eine Einführung dieses Schultyps in Grenzach. Der Leiter der Bärenfelsschule sprach von einem „Ort zum Leben und Lernen“, einer Schule mit mehr Lernzeit, individuelleren Fördermöglichkeiten, sinnvollerer „Rhythmisierung“ des Tages und der Option, externe Angebote allen Kindern möglich zu machen. Gleichzeitig erhielten Eltern durch die Verbindlichkeit des Angebots höhere Planungssicherheit für Familie und Beruf und – da es an der verbindlichen Ganztagesgrundschule keine Hausaufgaben gibt – schlussendlich mehr schulfreie Zeit in der Familie. „Unsere Bereitschaft ist da“, betonte Weber. Bezüglich der Ausarbeitung eines pädagogischen Konzeptes bat er um einen „Vertrauensvorschuss, denn wir sind keine Hallodris, die sich einfach irgendwas ausdenken“.

Sein Kollege Ernst Niepmann von der Wyhlener Lindenschule wiederum stellte klar, dass man gerne eine Halbtagesgrundschule bleiben wolle. Dies auch aus räumlichen Gründen, denn im Falle eines Ganztagesangebotes müsste die Lindenschule baulich deutlich erweitert werden. Die bereits bestehenden, externen und kostenpflichtigen Betreuungsangebote könnten erhalten bleiben. Gleichzeitig plädierte Niepmann für eine Aufhebung der Schulbezirke, um Eltern die Wahlmöglichkeit zu lassen, wo sie ihr Kind anmelden wollen. „Eine Halbtagesgrundschule kann genauso leistungsfähig sein wie eine Ganztagesgrundschule“, sagte Niepmann.

Wie gesagt: Noch ist nichts entschieden, doch die Tendenz geht in Richtung „Verbindliche Ganztagesgrundschule in Grenzach“ und „Fortbestehen der Halbtagesgrundschule in Wyhlen“. Hauptamtsleiter Carsten Edinger hofft, dass möglichst viele Adressaten an der kommende Woche beginnenden Bedarfserhebung teilnehmen, um ein realistisches Bild zu erhalten. Bei der Gemeindeverwaltung sind auf Wunsch übrigens auch Fragebögen in italienischer, russischer und türkischer Sprache erhältlich.

„Ich wünsche mir ein zukunftsfähiges Schulkonzept, das von allen Beteiligten getragen und mit Leben erfüllt wird“, sagte Bürgermeister Dr. Tobias Benz eingangs der Infoveranstaltung. Er selbst wolle eine Wahlfreiheit für Eltern erreichen, rief allerdings zur Kompromissbereitschaft auf.

Regina Höfler, beim Staatlichen Schulamt für Grundschulen zuständig, stellte die unterschiedlichen Grundschulformen detailliert vor (siehe Rubrik „Definitionen“). Dabei stellte sie klar: „Die Inhalte sind an allen Grundschularten die gleichen, da der Bildungsplan identisch ist. Die Kinder lernen lediglich anders.“

Im September wird sich der Gemeinderat mit der Frage nach einer Ganztagesgrundschule in Grenzach befassen. Abhängig vom Elternbedarf soll dann auch darüber entschieden werden, ob die Ganztagesgrundschule in verbindlicher oder in Wahlform eingeführt werden wird. Start wäre zum Schuljahr 2016/17.