Grenzach-Wyhlen Pasta, Porto und Pakete

Grenzach-Wyhlen - Hochbetrieb herrschte gestern Vormittag in der neuen Grenzacher Postagentur im Gebäude Basler Straße 2. Während die Kunden teils bis auf den Gehweg Schlange standen, hatten die Bauarbeiter noch alle Hände voll zu tun. Denn fertig ist die Kombination aus italienischem Spezialitätengeschäft und Poststelle noch nicht – weder von innen noch von außen. Bankdienstleistungen werden erst nach der endgültigen Fertigstellung angeboten.

Richtige Mortadella. Nicht die geschrumpfte, die genau aufs deutsche Wasserweckli passt, sondern die echte, die wagenradgroße Variante, wie man sie aus Italien kennt, liegt in der Kühltheke. Dazu diverse Salami- und Schinkensorten. Ein Blick ins Regal offenbart unter anderem allerhand Biscotti (Kekse), dazu Weine und Grappe vom „Stiefel“, aber auch Bitterini und – naturalmente! – Chinotto. Man hört Italienisch und Alemannisch im neuen Spezialitätengeschäft namens „Sapori di Puglia“. Der Umgangston ist herzlich und vertraut. Schnell merkt man: Die Leute kennen und schätzen sich.

Italienischer Feinkostladen als Sprung ins kalte Wasser

Eigentlich kein Wunder. Denn hinter der Theke werkeln die Geschwister Paolo und Vincenza Boccuzzi. Die meisten Leute aus dem Dorf kennen die beiden, sind sie doch hier aufgewachsen. „Es passt alles“, freut sich Paolo, für den der Schritt in die Selbstständigkeit mit dem italienischen Feinkostladen einem Sprung ins kalte Wasser gleichkommt. „26 Jahre lang war ich in einer ganz anderen Branche in der Schweiz tätig. Und jetzt mache ich eben das hier. Jetz luege mr emol!“, freut er sich. Boccuzzi hofft, mit seinem Sortiment eine Lücke in Grenzach-Wyhlen zu schließen. Anpassungen wird es aber bestimmt noch geben, „denn für alle hier ist alles neu“, sagt Vincenza.

Margarete Christ war schon einmal „Pöstlerin“

Mit ähnlichen Gefühlen geht derweil Paolo Boccuzzis Lebensgefährtin Margarete Christ ans Werk. Sie betreibt in denselben Geschäftsräumen die neue Postagentur. Bis vor sieben Jahren hatte sie schon einmal eine solche. Ebenfalls in Grenzach, aber an einem anderen Standort. Routiniert wie eh und je steht sie nach Jahren nun wieder am Schalter, natürlich zu Beginn noch assistiert von einem eigens abgestellten Team der Deutschen Post AG.

Läuft „Zora“, das EDV-System der Post, gut, Frau Christ? „Ja, schon, aber manches ist halt doch etwas anders als noch vor ein paar Jahren“, sagt die neue Agenturbetreiberin gutgelaunt. Viel Zeit zum Reden hat sie jedoch nicht, als der Autor dieses Artikels zu Besuch kommt, denn die Kundenschlange reicht bis vor die Ladentür.

Maurizio Longhitano, ein vertrautes Gesicht

Am zweiten Postschalter steht derweil ein für die Kunden vertrautes Gesicht: Maurizio Longhitano. Er ist vom bisherigen Betreiber, der Firma Levante, mit zu Frau Christ gewechselt. Auch Vincenza Boccuzzi wird dann und wann nicht nur an der Lebensmitteltheke stehen, sondern auch gegenüber am Postschalter.

Räume standen jahrzehntelang leer

Während auf der linken Seite im großen Geschäftsraum fleißig Coppa und Salami geschnitten werden, geht im rechten Teil des Geschäftsraumes ein Päckchen nach dem anderen über den Tresen, Briefmarken werden verkauft und ein paar freundliche Worte gewechselt. Zwischendurch helfen die beiden Vertreter der Deutschen Post mit, den Betrieb am Schalter flüssig laufen zu lassen. Derweil witschen Handwerker hindurch, Kunden kommen und gehen.

Einst war hier die „Konsum“-Filiale

Und mittendrin steht Felix Wetterauer. Man sieht dem Eigentümer des Gebäudes die Müdigkeit gar nicht an, obwohl einige, wie zu hören ist, die halbe Nacht durchgepickelt haben. „Nur kurz duschen war ich“, sagt Paolo Boccuzzi im Vorbeigehen. Und Wetterauer lächelt zufrieden, als Post-Mitarbeiter Daniel Punkt den nahtlosen Übergang der Postagentur von Levante zu Christ als „beste Lösung im Sinne der Post und der Kunden“ apostrophiert. Kein Leerlauf, kein Notbehelf mit eigenbetriebenen Filialen wie in Steinen, Efringen-Kirchen oder Tegernau. Was der Post andernorts oft große Mühe bereitet – nämlich einen neuen Agenturnehmer zu finden – hat in Grenzach sehr gut geklappt.

Wetterauer ist aber auch froh, die seit Jahrzehnten ungenutzten Räume hinter der Buchhandlung Merkel mit der Post samt Spezialitätengeschäft beleben zu können. Ältere Grenzacher können sich bestimmt noch an die vor Jahrzehnten darin untergebrachte „Konsum“-Filiale erinnern. „Seither standen diese Räume leer“, weiß der Hausbesitzer.

Zweiter Eingang wird noch gebaut

Sehr bald schon sollen die Brettervernagelungen zur Hauptstraße hin richtigen Fenstern und einer ebenso richtigen Ladentür weichen. Ein weiterer Eingang wird auch von der Basler Straße her eröffnet. Dazu wird der Eingangsbereich, den bislang alleine die Buchhandlung Merkel nutzt, derzeit entsprechend umgebaut.

„Wenn ich denke, erst vor fünf Wochen haben wir hier angefangen! Es gab keine Sanitäranlagen, keine Elektroleitungen, kein Wasser, keine Türen – nichts“, kann der Eigentümer des Hauses es selbst kaum glauben, dass die Postagentur tatsächlich wie geplant am gestrigen Montag eröffnen konnte. „Und bald sieht die Fassade auch so aus wie der Rest“, verspricht er.

Weitere Informationen: Die Dienste der Postbank können in Grenzach erst dann angeboten werden, wenn die Geschäftsräume fertiggestellt sind. Geldeinzahlungen und -abhebungen sowie Transfers via Western Union sind also noch nicht möglich. Dies soll in wenigen Wochen der Fall sein. Postbankdienstleistungen kann man aber auch in Wyhlen im Spielzüglädeli erledigen.

Die Grenzacher Postfächer sind während der Öffnungszeiten von „Sapori di Puglia“ von montags bis freitags, 6 bis 19 Uhr, und samstags von 9 bis 16 Uhr zugänglich.

Die Postschalter haben eigene Öffnungszeiten. Sie haben werktags von 9 bis 12 und 14 bis 18.30 Uhr sowie samstags von 9 bis 13 Uhr geöffnet.

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