Grenzach-Wyhlen Pfarrer Schrempp geht nach Hause

„Den Reisenden zieht es weiter wie die Jünger Jesu“: Pfarrer Uwe Schrempp tritt am 1. November eine neue Stelle am Bodensee an.Foto: Rolf Rombach Foto: Die Oberbadische

Pfarrer Uwe Schrempp verlässt nach 13 Jahren die katholische Kirchengemeinde Grenzach-Wyhlen. Er übernimmt zum 1. November die Stelle als Kooperator in der Seelsorgeeinheit Meersburg. Im Gespräch mit unserer Zeitung erzählt Schrempp einige überraschende Dinge aus seinem äußerst bewegten Leben.

Von Rolf Rombach

Grenzach-Wyhlen. „Eigentlich hätte ich etwas mit Holz machen sollen“, berichtet der Pfarrer über seine familiären Wurzeln. Seine Eltern hatten nämlich ein Sägewerk – und da wäre es doch naheliegend gewesen, in die Fußstapfen zu treten, die ihm vorgegeben waren. Doch eine Bronchitis sorgte dafür, dass Klein-Uwe als Zehnjähriger einer Luftveränderung bedurfte. Also ging’s ein wenig in die Höhe.

Im Internat auf Theologie gekommen

Das Internat am Fuße des Schwarzwalds bei Sasbach sollte Schrempp gar vom familiären Weg abbringen. „Viele Schüler dort gingen später nach Freiburg, um Theologie zu studieren.“ Doch weniger der Ruf Gottes, sondern die Freunde brachten den 1962 geborenen Schrempp dazu, sich ebenfalls für ein Theologiestudium einzuschreiben. Währenddessen reifte dann der Wunsch in ihm, selbst Pfarrer zu werden.

Nicht nur im Talar, sondern auch im „Grünzeug“

Seine erste Stelle nach der Ausbildung führte Schrempp zur Bundeswehr. Als Militärseelsorger lehrte er – der einst selbst seinen Grundwehrdienst abgeleistet hatte – nun die Rekruten „Lebenskundlichen Unterricht“. „Da bekam ich öfter zu hören: Ich glaube nix, mir fehlt nix. Und dennoch hatten wir bereichernde Gespräche. Keiner hat sich mir gegenüber verschlossen. Mir gefiel die starke und gute Gesprächskultur“, schwärmt Schrempp noch heute von seinen vielen Jahren bei der „Truppe“.

Selbstverständlich war es dort, ebenfalls beim Sportprogramm dabei zu sein und noch weitere Ausbildungen zu absolvieren. Denn Militärpfarrer Schrempp blieb nicht nur in der Kaserne in Müllheim, er begleitete die Soldaten bei Auslandseinsätzen in Afghanistan, Bosnien und im Kosovo. „Angst? Ja klar! Aber durch die Ausbildung und das Vertrauen in die Kameraden steht man das durch. Das ist wie im Glauben: Alleine hat man es schwer, gemeinsam ist man gestärkt.“

„Echtes“ Gemeindeleben erst spät kennengelernt

In Grenzach-Wyhlen hat der Pfarrer nach zwölf Jahren Bundeswehr erstmals ein „richtiges Gemeindeleben“ kennengelernt. Anfangs noch als Seelsorgeeinheit, seit sechs Jahren in Form einer einzigen katholischen Kirchengemeinde. „Ich bin nie in einem Umfeld einer Pfarrei aufgewachsen. Hier habe ich den ‚Kirchturm‘ kennengelernt, für den sich die Menschen engagieren und brennen.“

Begeistert denkt der Geistliche zurück, wie im Dorf spontan eine starke Hilfsbereitschaft für die Flüchtlinge entstand: „Ich habe im Gottesdienst nach einem Fahrrad gefragt und hatte kurz darauf zehn Velos, die wir dann weitergeben konnten.“

Und der „Privatmensch Uwe Schrempp“ ist ebenfalls kein Mensch für das Sofa. Gerne zieht es ihn in den Schwarzwald oder an den Bodensee zum Wandern. Oder zum Schwimmen in den Rhein – mit einer heißen Suppe danach zum Aufwärmen. Letzteres wird er dieses Jahr wegen des Hochwassers wohl nicht mehr schaffen. Doch dafür freut er sich, wenn künftig der Bodensee direkt vor der eigenen Haustür liegt. „Meine Familie kommt aus Neufrach. Dort sind noch viele Cousinen und Cousins von mir. Das ist direkt hinter dem Berg von Meersburg. Somit ist mein Weggang auch ein Nachhausekommen.“

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