Grenzach-Wyhlen Repräsentativ und topmodern

Helmut Bauckner
Der Vorhang im Grenzacher Haus der Begegnung wurde von Zdenek Sputa gestaltet und zträgt den Titel „Poesie Tvuru“. Foto: zVg/Helmut Bauckner

Einweihung: Helmut Bauckner blickt auf die Eröffnung des Hauses der Begegnung zurück

Da haben die Grenzacher nicht schlecht gestaunt, als sie am 23. September 1972 im Rahmen der Einweihungsfeierlichkeiten für das neue Ortszentrum am Tag der offenen Tür zum erstem Mal den Festsaal im Haus der Begegnung betreten konnten. Denn keine andere Gemeinde im Kreis Lörrach konnte mit einem vergleichbaren Saal glänzen.

Von Helmut Bauckner

Grenzach-Wyhlen. Auch die größeren Städte Lörrach, Weil, Rheinfelden oder Schopfheim hatten damals noch keine derart repräsentative Säle.

Zu verdanken ist der Grenzacher Festsaal vor allem auch Walter Küchlin, dem damaligen Leiter der Volkshochschule. Er konnte in Stuttgart beim Volkshochschulverband einen Zuschuss von 400 000 D-Mark erreichen. Mit Palisanderholz verkleidete Wände, eine aufwändige Akustikdecke und dann der herrliche Ausblick auf den Unterberg machen auch noch heute oft großen Eindruck auf auswärtige Besucher und Musiker – nicht zu vergessen der einzigartige, künstlerisch gestaltete Bühnenvorhang. Es wurde damals heiß über ihn diskutiert, hat er doch stolze 16 000 D-Mark gekostet. Dies entsprach im Jahr 1972 einem durchschnittlichen Jahresverdienst.

Wie Peter Wildt zu berichten weiß – er war der maßgebliche Architekt für den Mehrzweckbau – war es Peter Lehner von der Architektengruppe, der den Kontakt zu der Prager Firma Art Centrum und dem tschechischen Künstler Zdenek Sputa hergestellt hat. Die Arbeiten des 1916 in Prag geborenen Künstlers gehörten zu den besten der dortigen Kunstszene. Weltweit war Sputa tätig, in Montreal, für die Weltausstellung in Brüssel, in Moskau, in Frankfurt, Stockholm und Athen. In seinem Werkverzeichnis wird auch der Grenzacher Vorhang erwähnt, der den Titel „Poesie Tvuru“ trägt, was so viel heißt wie „poetische Gestalt“. „Das Wesentliche in Sputas Werk ist sein außergewöhnliches Gespür für Farbe und Form, sein Raumgefühl und die Fähigkeit, sowohl den Materialien und Objekten, als auch den Gefühlen und Gedanken reale Form und Gestalt zu geben. Sein Werk ist ein einmaliges und geglücktes Zusammenspiel gestalterisch-künstlerischer Fähigkeiten. Die Vollkommenheit, Harmonie und Ausgeglichenheit ist das, was an seinem Werk so fasziniert“, heißt es.

Enorme Leuchtkraft

Der Grenzacher Vorhang entspricht in seiner Ausstrahlung und Farbenfrohheit voll und ganz dieser zeitgenössischen Charakterisierung. Der Künstler, der 2014 hochbetagt verstorben ist, hat die Farben, die auch nach 50 Jahren noch nichts von ihrer Leuchtkraft verloren haben, auf ein spezielles handgewobenes Gewebe aufgetragen, das durch seine Oberflächenstruktur die Lebendigkeit des großartigen Kunstwerks noch verstärkt. Es ist zu wünschen, dass dieser im wahrsten Sinn „einmalige“ Vorhang daher mehr Beachtung erfährt.

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