Grenzach-Wyhlen Schnell eine vernünftige Regierung

Das Wahlergebnis steht fest. Nun gilt es, Bilanz zu ziehen: Auch in Grenzach-Wyhlen verlor die CDU stark bei den Zweitstimmen – fast 13 Prozent im Vergleich zur Wahl 2017. Die SPD liegt hier mit 23,98 Prozent vorne. Über das Wahlergebnis freuen dürften sich die Freien Demokraten, die um fast zwei Prozent zulegen konnten, während bei den Grünen trotz fünfprozentigem Zuwachs an Zweitstimmen wohl eher gemischte Gefühle herrschen.

Von Gabriele Hauger

Grenzach-Wyhlen. Wir fragten bei Vertretern der Parteien aus der Doppelgemeinde nach, wie sie das Wahlergebnis beurteilen.

Heinz Intveen von der SPD ist mit dem Wahlergebnis hoch zufrieden. „Es war ja nicht abzusehen, dass wir so gut abschneiden.“ Lange Zeit sei Olaf Scholz belächelt, die Partei heruntergemacht worden. Scholz’ Beharrlichkeit, Konsequenz und seinem sinnvollen Auftreten sei dieser Sieg zu verdanken. Sehr angetan zeigte sich der SPD-Politiker auch mit dem „imponierenden und überzeugenden Auftreten“ von Takis Mehmet Ali im Wahlkampf. „Das kam bei den Menschen sehr gut an.“ Lob spendete Intveen zudem dem Ortsverein mit seinem jungen Vorsitzende Marius Kipfmüller.

Schwierig werde es indes nun, das Wahlergebnis entsprechend umzusetzen. Die SPD sei eindeutig der Wahlgewinner, mit der sich die beiden kleineren Parteien nun zusammensetzen müssten. Wichtig sei, dass die SPD ihre Wahlversprechen in der künftigen Regierung auch umsetzen könne. „Ich hoffe sehr, dass dieser Prozess schneller als bei der letzten Wahl geht und dass wir bald eine vernünftige Regierung haben.“

Ulrike Ebi-Kuhn von der CDU fokussiert sich nach einer anstrengenden Wahlnacht erst mal auf das Positive: „Unsere Diana Stöcker hat im Wahlkampf und auch sonst einen hervorragenden Einsatz geleistet – das hat sich ausgezahlt und ihr den Sieg gebracht“, freut sich die CDU-Politikerin. Dieses Engagement spiegele sich in den Erststimmen wider. Dass die CDU bei den Zweitstimmen nur an dritter Stelle liegt, sei vor allem der Bundespolitik geschuldet. An der Arbeit des Ortsverbandes liege das indes keinesfalls, betont sie.

Was bei den Verhandlungen in Berlin herauskommt, will sie nicht prognostizieren. „Ob eine Ampel stabil wäre, wage ich zu bezweifeln. Ob da die FDP mitmacht?“ Sie wäre über eine Jamaika-Koalition glücklich.

Und auch eine höhere Wahl-Beteiligung würde sie begrüßen. Es gebe so viele Länder, in denen sich die Menschen nach Demokratie und freien Wahlen sehnten. Darum sollte doch jeder Bürger sein Wahlrecht auch ausüben, findet Ebi-Kuhn.

Annette Grether von den Grünen zeigte sich auf Nachfrage zufrieden mit dem Ergebnis für ihre Partei vor Ort. Mehr Stimmen für die Grünen hätte sie sich indes auf Landes- und Bundesebene gewünscht. „Ich dachte, dass da noch deutlich mehr drin ist. Gerade für viele jüngere Wähler ist das Ergebnis doch eine große Enttäuschung“, bilanziert sie. „Es wird nun anstrengend, wichtige politische Veränderungen umzusetzen.“ Sie glaubt, dass viele Wähler Angst vor allzu großen Veränderungen gehabt hätten. Eines sei jedoch klar: An den Grünen komme keiner vorbei. „Wir müssen und werden Akzente setzen und versuchen, so viel wie möglich umzusetzen. Der Klimaschutz muss oberstes Ziel sein.“

Lobende Worte fand sie für den Einsatz des Spitzenkandidaten Gerhard Zickenheiner: „Er hat ja ein super Ergebnis eingefahren und liegt fast gleichauf. Schade, dass er nicht in den Bundestag einzieht. Ich hätte mir gewünscht, dass ein Grünen-Vertreter aus dem Landkreis dort unsere Ziele vertritt.“

Felix Düster von der FDP freut sich: „Ein tolles Ergebnis! Das kann sich sehen lassen“. Indes hatte er aufgrund der Rückmeldungen und der Stimmung sogar mit noch mehr Prozent für seine Partei gerechnet. Auf Landesebene und in Grenzach-Wyhlen, wo die Freien Demokraten traditionell gut aufgestellt sind, ist er sehr zufrieden. „Da spiegelt sich auch die gute Arbeit von Christoph Hoffmann wider.“ Generell habe die FDP gerade in der Pandemie mit ihren politischen Ansätzen wichtige Akzente gesetzt und Wählerstimmen gewinnen können.

Nun gelte es abzusehen, mit welchen Parteien sich die größten Schnittmengen ergeben. „Das müssen die in Berlin aushandeln. Viele hoffen wohl auf eine Jamaika-Koalition“. Für ihn ist klar: Es braucht Veränderung. Ob dafür die CDU der richtige Partner ist, darauf will er sich momentan nicht festlegen.

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